Luxus in der Küche
Schick und scharf

Einmal im Leben einen Topf für 230 Euro kaufen - das dürfte angesichts von Flachbildfernsehern in jedem Wohnzimmer doch kein Problem sein. Luxus ist immer eine Frage der Prioritäten. Und die Küche gehört in Deutschland irgendwie dazu.

Ein Model präsentiert Kochtöpfe auf der Messe Ambiente 2010 in Leipzig.   Bild: ddp

Die Frage ist doch: Was ist es uns wert? DVD statt Kino, dafür aber einen teuren Wein dazu - oder lieber ins Theater und anschließend zuhause noch ein Glas Leitungswasser. Einmal pro Woche schick außer Haus speisen - oder die eigene Küche zur kulinarischen Werkstatt machen?

Wer es sich leisten kann, macht all das und wie es ihm beliebt. Der Rest wägt ab. 85 Euro für das Set aus Essig-Öl-Spendern und Pfeffer-Salz-Streuern? Muss nicht sein. 230 Euro für den Topf von Le Creuset? «Es ist der einzige auf der Welt» schwärmt der junge Spanier, der durch den schicken Küchenladen im Leipziger Zentrum schlendert. Gute Töpfe sind Teil seines Lebens, er ist Koch.

Doch nicht nur Profis oder Gutbetuchte geben an diesem Vormittag den knallig bunten, schwungvoll geformten, edel verchromten Artikeln bei Culinaris eine Chance. Jessica Riedel und Sebastian Walenciak müssen sich nicht ihre Arbeitszeit damit vertreiben, die guten Küchenutensilien abzustauben. Die Dame mit dem Rollator verbringt eine ganze Weile im Laden, Frau Riedel berät sie intensiv. Ja, auch der Durchschlag zum Pastaabtropfen hat ein Beratungspotential.

FOTOS: Teures Gerät Luxuriöse Küchenhelfer

«Die Produkttiefe und Kenntnis ist hier sehr groß», erklärt Riedel. Eine Kundin, die hauptsächlich Gemüse zubereitet, würde bei ihr nicht mit einer Steakpfanne den Laden verlassen. Kein Wunder also, dass sich Jessica Riedel als Beraterin und nicht als Verkäuferin vorstellt. Und das zu Recht: Mit dem tiefroten Pfannenwender von Kitchen Aid hat sie die Kundin in der Journalistin schnell um den Finger gewickelt. Die große Fläche, das pfannenschonende Silikon, verstärkt durch einen Metallkern - und das Gerät liegt vor allem gut und gewichtig in der Hand. «Wer gerne kocht, legt darauf Wert», weiß die Beraterin. 19,95 Euro statt 4,95 für das Alternativprodukt aus Hartplastik. Eine Frage der Prioritäten.

VIDEO: Robuster Retro-Schick
Video: Unitec

Auch Küchenamateure kommen auf den Geschmack

Sicher, gute Kaufkraft will Jessica Riedel dem Gros ihrer Kunden nicht absprechen. «Aber wer eine gute Bratpfanne will, der spart auch darauf», ist sie sicher. «Es ist immerhin die Küche. Dafür geben die Kunden mehr Geld aus als für einen Koffer.» Am Wok, beliebt in studentischen Wohngemeinschaften, zieht sie das Preispanorama auf. 159 Euro kostet Le Creuset, doch für 59 Euro bietet Kela ein ebenfalls gusseisernes Modell. Der Unterschied? «Die Brateigenschaften sind gleich, aber die Griffe, die Verarbeitung ist eine andere», erklärt Riedel. Qualität, die sich in der Garantie niederschlägt: 30 Jahre gibt der Meister aus Frankreich, und Reklamationen gebe es fast nie.

Doch es gibt auch kleine Revolutionen in dieser langlebigen Welt - die übrigens in Leipzig durchaus Platz für mehrere edle Küchenausstatter hat. Nur ein paar hundert Meter weiter kann man bei «A priori» ein Messer für 869 Euro kaufen. Es ist freihandgeschmiedet, nagelneu - und aus dem Jahr 1924. Tatsächlich habe schon ein Kunde zugeschlagen, sagt Johannes Rohrbach, der heute im Familienbetrieb die Kunden berät. «Die Frage ist: Soll man das benutzen?», schmunzelt er. Aber die Küchenrevolution ist eine andere, und sie gibt es schon für 21,50 Euro. Eine schmale Reibe der Firma Microplane, «das bestgehendste Produkt im Laden». Das umwälzerische Potential einer Reibe? «Weil sie einfach reibt», erklärt Rohrbach. Früher wurde das Metall einfach gestanzt, bei dieser ist es messerschaft geschliffen.

Dass schneidende Messer dem billigen Messerblock vorzuziehen sind, haben inzwischen auch viele Otto Normalköche verstanden. Claudia Prell zum Beispiel. Sie möchte mit den japanischen Global-Messern schneiden, anstatt sich zu ärgern, und hier in Leipzig sei das Culinaris der einzige autorisierte Handel dafür. Deshalb ist sie hier. Und auch bei ihrer Stellum-Thermoskanne gehe es nicht nur ums edle Design. «Ich habe gerade erst mit meinem Mann darüber gesprochen, warum es diese Kanne sein soll. Hier ist eben Funktion und Design in Perfektion vereint», erklärt sie und schmunzelt über ihre eigene Formulierung. Was an Thermoskannen nervt, passiert ihr hiermit einfach nicht. «Es tropft und kleckert nichts.»

Auch in Jessica Riedels Küche sieht es seit vergangenem August anders aus. Da hat sie bei Culinaris angefangen. Sie kocht mehr, und in der gusseisernen Pfanne wird das Hühnchen nicht mehr trocken. «Wenn man damit kocht, macht es so viel Freude, da vergisst man den Preis.» Und geht einfach weniger ins Restaurant.

iwi/ivb/news.de

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