Glosse zum Karneval Lieber als Auto gehen statt Autofahren

Selten verlieren so viele Leute ihren Führerschein wie zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch. Eine Chance, die sich die Anti-Auto-Lobby nicht entgehen lassen sollte.

Karneval Autos (Foto)
Der Grüne Jürgen Trittin sollte sich doch für das Karnevalsprojekt begeistern lassen. Bild: dpa

Karneval wird unterschätzt. Doch es ist ein Fehler, sich einfach abzuwenden, nur weil man nichts für Luftschlangen und Funkenmariechen übrig hat. Gerade ernsthafte, um die Zukunft unseres verfallenden Planeten besorgte Gesellschaftsmitglieder sollte den Ausnahmezustand bei der grellen Perücke packen und Nägel mit Köpfen machen, während andere ihren Rausch ausschlafen.

Denn nüchtern betrachtet sind diese Jecken doch vor allem eins: Autofahrer. Und damit blöd genug, sich auch noch im promillevernebelten Halbschlaf hinters Lenkrad zu klemmen – um dann mit verschmierter Schminke auf dem Blitzerfoto zu landen oder heiser ins Röhrchen zu pusten. Okay, das war mal kurz gefährlich – aber jetzt ist der Lappen auch weg für den Jeck, und hier setzt die Strategie an.

Wann verlieren schon mal so viele Menschen auf einmal ihren Führerschein wie zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch? Wann stehen so viele potenzielle Fußgänger, Radler, Busfahrer und Bahnkunden einfach so auf der Straße, ganz ohne schützende Blechhülle? Jetzt darf die Lobby keine Zeit verlieren. Leihfahrradstationen müssen wie Löwenzahn durch den Asphalt brechen. Die örtlichen Verkehrsbetriebe 24 Stunden Happy Hour einführen. Und die Bahn Bahncards an alle vergeben, die sich verpflichten, freiwillig noch ein bisschen länger auf ihre Autofahrerlaubnis zu verzichten.

Auch Flensburg darf mit ins Boot. Bürokratie muss nicht immer schlecht sein. «Och, sie wollen ihren Führerschein wieder? Der muss in die Kostümkiste gefallen sein. Rufen sie doch in zwei Wochen wieder an», könnte der motivierte Beamte den Anrufer aus Kölle vertrösten. Und wenn alle Rädchen ineinandergreifen, hat irgendwann niemand mehr Interesse an den nutzlosen Karren am Straßenrand. Die dienen dann höchstens noch als Ersatzteillager für die nächste Saison. Wenn sich doch jemand ihrer erinnert und als Auto geht.

 

kas/news.de

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