Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 07.02.2010, 10.53 Uhr

Tieren zugeschaut: Oralsex macht auch Flughunde heiß

Das verblüfft selbst Wissenschaftler: Nicht nur Menschen, auch Fledermäuse praktizieren Oralsex. Aber damit ist das Sexrepertoire der Tiere längst nicht erschöpft.

Die Fledermaus lässt sich mit Oralsex zur Fortpflanzung stimulieren. Bild: ddp

Die einen frönen täglich wilden Orgien, andere schwärmen jahrelang in treuer Liebe, dritte verzichten ganz auf Sex und wieder andere meistern den Alltag mit einem übergroßen besten Stück: Tiere stehen Menschen in Sachen Sex in nichts nach. Und sie treiben's nicht nur, um sich fortzupflanzen, sondern auch, wie Wissenschaftler vermuten, um Spaß zu haben.

Manches Detail aus dem Sexleben der Tiere überrascht selbst abgebrühte Wissenschaftler. So dachten Tierforscher bislang, dass Oralsex nicht zum tierischen Sexrepertoire gehört. Lediglich junge Zwergschimpansen wurden dabei beobachtet, wobei ihr Verhalten mehr als Spieltrieb interpretiert wurde.

Bei Fledermäusen scheint das anders zu sein, wie Wissenschaftler jetzt festgestellt haben. Doch es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Mensch und Fledermaus: Während beim Menschen der Lustgewinn an erster Stelle steht, nutzen Kurznasenflughunde der Art Cynopterus sphinx Fellatio offensichtlich, um ihre Fortpflanzungschancen zu verbessern. Das hat ein chinesisch-britisches Forscherteam bei Untersuchungen des Kopulationsverhaltens der Tiere herausgefunden.

FOTOS: Küsse, Kämpfe, Kapriolen Tierische Sexpraktiken
zurück Weiter Riesenkröte (Foto) Foto: dpa, flickr/Sam Fraser-Smith Kamera

Ihre Theorie stützen die Wissenschaftler vom Guangdong Entomological Institute in Guangzhou (Südchina) vor allem auf die Tatsache, dass bei 20 beobachteten Paarungen 14 der weiblichen Tiere, also rund 75 Prozent, ihre männlichen Partner oral stimulierten. Dazu beugten sich die Weibchen während der Kopulation immer wieder weit nach vorn und leckten den Penis für einige Sekunden. Je öfter und länger sie dies taten, umso länger dauerte die Paarung. Jede Sekunde oraler Stimulation verlängert den Geschlechtsakt um sechs Sekunden, haben die Forscher errechnet.

Welchen Zweck hat Fellatio bei Fledermäusen?

Das ungewöhnliche Paarungsverhalten könnte gleich mehrere Vorteile mit sich bringen, glauben die Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse im Online-Fachmagazin Plos One veröffentlicht haben. Zum einen könnte der Speichel schlicht wie eine Art Gleitgel wirken und die Paarung erleichtern. Zum anderen sei denkbar, dass die zusätzliche Stimulation die Erregung und damit die Erektionsdauer verlängert. Das wiederum könnte die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöhen, wovon letztlich beide Tiere profitieren.

Vielleicht beeinflussen die Weibchen durch eine ausgedehnte Kopulation aber auch das Bindungsverhalten der Männchen. Flughunde leben normalerweise in separaten Gruppen aus männlichen oder weiblichen Tieren und kommen nur zur Paarungszeit zusammen. Ein Männchen begattet dann diverse Weibchen. Nach einer weiteren Theorie würde der Oralsex hingegen in erster Linie den männlichen Flughunden zum Vorteil gereichen: Die desinfizierende Wirkung des Speichels könnte der Übertragung von Krankheiten vorbeugen. Für diese Theorie spricht nach Ansicht der Forscher, dass die Männchen nach dem Geschlechtsakt auch selbst noch einmal ihren Genitalbereich lecken.

Bis dass der Tod sie scheidet

Während es um die Treue der Fledermausmännchen nicht weit her zu sein scheint, bleiben Anglerfische zusammen, bis dass der Tod sie scheidet. Das ist den Härten des Lebens in der Tiefsee geschuldet, beschreibt es Dirk Steffens, Tierfilmer und TV-Moderator. In dem lichtlosen Unterwasser-Universum sei es verdammt schwierig, überhaupt einen Artgenossen zu finden. Kommt es trotzdem zu einer Begegnung zwischen einem zwei Zentimeter kleinen Männchen und einem zehnmal so großen Weibchen, beißt er sich an ihr fest und lässt sie nie wieder los. Fortan lebt er als Parasit in ihr und kann den Körper seiner Wirtin nie mehr verlassen.

Steffens hat ein Buch über das interessante, unbekannte und bisweilen sehr kuriose Leben der Tiere geschrieben. In seinem Tierischen Kuriositäten-Kabinett schildert er auch detailreich das Sexleben von Fischen, Insekten und anderem Getier. So manches erinnert dabei an menschliches Sexleben und –versagen.

Letzteres quält vermutlich jeden Mann von Zeit zu Zeit, und manch einer wünscht sich wohl, er könnte jederzeit über ein verknöchertes und damit permanent steifes Geschlechtsteil verfügen wie fast alle Primaten. Besonders prächtig ausgestattet ist laut Steffens das Walross, dessen Penisknochen - um den männlichen Neid noch ein wenig zu schnüren - mehr als 60 Zentimeter lang werden kann.

Ameisendamen brauchen keinen Mann

Männer zum Fortpflanzen braucht eine andere Tierart nicht mehr: Die südamerikanischen Blattschneiderameisen haben den Sex abgeschafft, sie vermehren sich ohne die Hilfe von Männchen. Der Ameisenstaat wird ausschließlich von Klonen der Königin bevölkert. Echte Frauenpower!

Echt emanzipiert geht es dagegen bei den Seepferdchen zu. Die an den Küsten von Neuseeland und Australien heimischen Topfbauchpferdchen spielen verkehrte Welt: «Nicht er gibt Spermien an seine Partnerin weiter, sondern sie die Eier an ihn», erklärt der Buchautor. Das Weibchen legt sie in die Bauchtasche des Männchens, und er übernimmt Befruchtung und Brut.

Ein Riesenrüssel hat auch Vorteile

Menschliche Paare könnten sich auch von ihren engsten Verwandten im Tierreich etwas abschauen. So handeln die Bonobos nach dem Grundsatz Konfliktlösung ja, aber friedlich: Wenn sie mal aneinander geraten, endet das meistens mit Sex und Zärtlichkeit. In punkto Sexualpraktiken sind die Zwergschimpansen recht einfaltsreich: Zungenküsse, das Streicheln von Genitalien, Kopulationen in der Missionarsstellung oder Petting – es gibt nichts, was die Bonobos nicht ausprobieren würden, schreibt Steffens. Das klingt alles sehr menschlich. Vielleicht auch Folgendes: Die durchschnittliche Kopulationsdauer beträgt 13 Sekunden.

Vom Sex kann die männliche Seepocke nur träumen. Vor allem dann, wenn sie sich einen ungünstigen Platz für den Rest ihres Lebens ausgesucht hat. Die Krebsart verbringt nämlich ihr gesamtes Erwachsenenleben unbeweglich an einem Fleck.

Warum? Weil die Seepocke einen viel zu großen Penis hat. Er erreicht die achtfache Länge ihres Körpers. Man stelle sich nur vor, wie schwierig der Alltag für einen Mann mit einem 14-Meter-Genital zu meistern wäre. Mit dem langen Rüssel sucht die Seepocke quasi nach einem Sexpartner. Hier zeigt sich der Vorteil eines Riesenpenis: Ein zu kurzes Geschlechtsteil bedeutet in einer solchen Situation die Katastrophe: niemals Sex.
 

Literaturtipp: Dirk Steffens: Das tierische Kuriositäten-Kabinett, Rowohlt, 155 Seiten, 8,95 Euro.

mat/news.de/ddp

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