Kunsthaus insolvent «Die Hoffnung stirbt zuletzt»

Cool ist es schon lange nicht, aber ein touristischer Anziehungspunkt. Das Kunsthaus Tacheles in Berlin-Mitte ist deutschlandweit bekannt. Hier arbeiten 40 Künstler in 30 Ateliers - wahrscheinlich nicht mehr lange. Das Haus soll geräumt werden.  

Was von Mitte übrig blieb - Tacheles vor Räumung (Foto)
Das Kunsthaus Tacheles in Berlin. Drumherum ist alles saniert. Bild: dpa

Graffiti und Ruinencharme: Nach dem Mauerfall vor gut 20 Jahren war das Ost-Berliner Kunsthaus Tacheles ein aufregender Ort der Off-Kultur und der Hausbesetzerszene.

Heute gilt die Kaufhausruine an der Oranienburger Straße im Bezirk Mitte zwar nicht mehr als richtig cool, aber sie ist eine Attraktion für Touristen aus aller Welt. Das Tacheles ist schon oft totgesagt worden. Doch jetzt wird es ernst. Der Kunsthaus-Verein hat Insolvenzantrag gestellt, die Räumung steht bevor, die Politik soll helfen. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt der vorläufige Insolvenzverwalter, Joachim Voigt-Salus.

Rund um das Tacheles ist das Viertel mit Restaurants, Hotels und Designerläden längst saniert und schick geworden. Die Ruine versprüht auf den ersten Blick das Flair des wilden Berlin, als Zugezogene noch von illegalen Clubs und spottbilligen Wohnungen mit Ofenheizung schwärmten. Anders als das versteckt liegende alternative Haus Schwarzenberg am Hackeschen Markt ist das Tacheles auch kaum zu übersehen. 400.000 Besucher zählt der Verein im Jahr. 40 Künstler arbeiten in 30 Ateliers, es gibt Cafés, Theater und ein Kino.

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Die HSH Nordbank, die mit ihrer wirtschaftlichen Schieflage in die Schlagzeilen kam, will das große Grundstück laut Insolvenzverwalter Voigt-Salus versteigern lassen und beharrt auf einer Räumung. Der Kunsthaus-Verein würde die Ruine auch selbst kaufen, wenn dies ermöglicht wird. Dazu müsste das Tacheles vertraglich aus dem riesigen Gelände herausgelöst werden, was bisher aber abgelehnt wird, erklärt der Verein. Er will dazu mit dem Senat sowie den Regierungen in Hamburg und Kiel sprechen, die Haupteigentümer der Bank sind.

Das Gelände an der Ecke zur teuren Friedrichstraße gehört der Fundus-Gruppe, die auch für ihr Engagement im Seebad Heiligendamm an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns bekannt ist. Das Areal soll um die 30 Millionen Euro kosten, die Tacheles-Ruine allein hat einen Versteigerungswert von 3,58 Millionen Euro. «Ich denke schon, dass es Chancen gibt, die Summe aufzubringen», sagt Tacheles-Vereinsvorstand Martin Reiter.

Bis Ende 2008 zahlte das Kunsthaus den symbolischen Preis von 50 Cent Miete im Monat. Der Vertrag wurde nicht verlängert. Es lebe niemand im Haus, aber es gebe besetzte Räume, erzählt Reiter. Im Haus ist es zugig. Es sei schon der zweite Winter ohne Heizung. Von der Fundus-Gruppe habe das Tacheles seit zwei Jahren nichts gehört.

Nachfrage bei der Nordbank in Hamburg. Was wird mit dem Gelände passieren? «Die künftige Nutzung des Areals wird sich an der Planung der Investoren ausrichten», heißt es. Näheres ist dazu nicht bekannt. Der Tacheles-Verein will nun beraten, wie er sich im Fall einer Räumung verhalten wird.

iwe/iwi/news.de/dpa

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