Prozess Wird das Maddie-Buch verboten?

Er war Chefermittler im Fall Maddie, nun muss sich Gonçalo Amaral selbst vor Gericht verantworten: Für sein Buch, in dem er behauptet, Madeleine McCann sei tot und die Eltern schuld daran. Die McCanns fordern das Verbot des Buchs.

Madeleine McCann (Foto)
Gonçalo Amaral war Chefermittler, jetzt könnten seine Thesen verboten werden. Bild: ap

Ein Gericht in Lissabon entscheidet darüber, ob ein Buch über das verschwundene britische Mädchen Madeleine McCann endgültig verboten wird. Das umstrittene Werk mit dem Titel Maddie - Die Wahrheit über die Lüge stammt von dem früheren portugiesischen Kriminalpolizisten Gonçalo Amaral, der die Ermittlungen im Fall Madeleine geleitet hatte. Der inzwischen pensionierte Beamte stellt in dem Buch die Behauptung auf, das Mädchen sei längst tot und die Eltern hätten etwas damit zu tun gehabt.

Bei dem heute in der portugiesischen Hauptstadt eröffneten Prozess geht es darum, ob das - durch eine einstweilige Verfügung ergangene - Verbot des Buchs bestätigt wird. Maddies Eltern Kate und Gerry McCann sagten bei ihrer Ankunft in Lissabon: «Niemand darf behaupten, dass unsere Tochter nicht mehr gefunden werden kann, solange er keine guten Anhaltspunkte dafür hat.» Das Ehepaar nahm an dem Prozess als Zuschauer teil. Der Ex-Polizist Amaral verwies dagegen auf sein Recht auf Meinungsfreiheit. «In dem Prozess geht es um Freiheit und Demokratie», sagte er.

Die McCanns hatten im September 2009 bereits in einer einstweiligen Verfügung ein Verbot des Buchs erwirkt. Nach dem Beschluss eines Zivilgerichts mussten alle Bücher aus Läden und Lagern entfernt werden. In einem anderen Verfahren fordern die McCanns von Amaral zudem 1,2 Millionen Euro Schadenersatz wegen übler Nachrede und Verleumdung. Das Ehepaar erklärte, mit seinen Klagen gegen Amaral verfolge es allein das Ziel, die Fortsetzung der Suche nach Madeleine zu fördern. «Wenn es Leute gibt, die unsere Suche behindern, können wir nicht einfach still halten», hatte Kate McCann erklärt.

Der Ex-Polizist Amaral wird nach Ansicht von Prozessbeobachtern versuchen, dem Gericht darzulegen, dass er mit seiner Ansicht keineswegs allein dasteht. Sein Anwalt will hohe Beamte der Polizei und der Staatsanwaltschaft als Zeugen dazu befragen, welche Anhaltspunkte die Ermittler damals für die Vermutungen von Amaral gefunden hatten. Der Prozess hatte eigentlich im Dezember beginnen sollen. Die Eröffnung wurde jedoch verschoben, weil eine Sekretärin des Anwalts von Amaral an Schweinegrippe erkrankt und der Jurist daraufhin unter Quarantäne gestellt worden war.

Die damals fast vier Jahre alte Madeleine war am 3. Mai 2007 aus der Ferienwohnung der Eltern an der Algarve-Küste in Südportugal spurlos verschwunden. Die Polizei ging zunächst von einer Entführung des Mädchens aus. Später neigten die Ermittler zu der Hypothese, dass Maddie noch in der Ferienwohnung zu Tode gekommen sei und die Eltern die Leiche verschwinden ließen. Die Polizei konnte diese Vermutung jedoch nicht beweisen, so dass die Justiz den Fall im Juli 2008 zu den Akten legte und die Ermittlungen ergebnislos einstellte.

iwi/mac/news.de/dpa

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