Winter und Tiere Die Eiskür der Giraffen

Schafe im Schnee (Foto)
Auf verschneiten Wiesen finden Schafe kaum Futter. Bild: ddp

Selbst die Pinguine im Zoo bleiben lieber drinnen, wo's warm ist. Den Tieren macht das derzeitige Wetter genauso zu schaffen wie uns. Dennoch bekomme ihnen draußen besser als der stickige Stall, meinen Experten.

Das Winterwetter macht nicht nur den Menschen zu schaffen, auch Tiere bekommen die Kälte zu spüren. Dabei sind es weniger die Minusgrade, die ihnen das Leben schwermachen, als vielmehr Streumittel auf den Straßen oder das häufig gut gemeinte, aber übervorsichtige Verhalten von Herrchen oder Frauchen. Auch einige Zoos und Tiergärten haben angesichts der Minusgrade schon Vorkehrungen getroffen und ihre Bewohner ins Warme geholt.

In der Stuttgarter Wilhelma wurden die Pelikane bereits im Dezember nach innen gebracht, als es den ersten Dauerfrost gab. Giraffen dürfen zurzeit auch nicht ins Freie, weil sie sich bei dem glatten Untergrund die Beine brechen könnten. Auch die Elefanten sind die meiste Zeit des Tages Stubenhocker: Hintergrund ist, dass sie über ihre große Ohren sehr viel Wärme verlieren.

Winterwetter
Weiße Pracht und eisige Temperaturen

Anders sieht es im Leipziger Zoo aus: Hier dürfen die meisten Tiere weiterhin auf die Außenanlagen. «Sie sind allerdings nicht so lange draußen wie sonst», sagt Sprecherin Kathrin Quellmalz. Als Beispiel nannte sie die Zebras. Sie bekämen mehrfach am Tag Gelegenheit für den gewohnten Auslauf, blieben derzeit aber nie länger als eine Stunde draußen.

Auch Giraffen dürfen raus

Selbst die Giraffen könnten ins Freie, da sie schon viele Winter in diesen Gefilden zugebracht hätten und damit besser angepasst seien als ihre Artgenossen im Süden. Allerdings würden sie bei akuter Rutschgefahr vorsorglich nicht hinausgelassen. Besonders wohl fühlen sich bei den Temperaturen Amurtiger und Dallschafe. Dagegen kämen die Pinguine gerade mal zur Fütterung raus, sagte die Sprecherin weiter.

Auch im Erlebniszoo von Hannover wird die derzeitige Wetterlage pragmatisch gesehen: «Manche Tiere wie unsere sibirischen Tiger, der persische Leopard und der Katzenbär sind bei Schnee richtig gerne draußen», erzählt Zoo-Sprecherin Simone Hagenmeyer. Für die Elefantenhorde werde das Gehege täglich von Schnee geräumt und gegen Rutschgefahr mit Sand abgestreut. «Unsere Elefanten müssen trotz Kälte jeden Tag im strammen Tempo fünf bis sieben Kilometer laufen.»

Der Wiesbadener Tierarzt Michael Klein muss derzeit vermehrt Hunde behandeln: Besitzer bringen ihre vierbeinigen Freunde in die Praxis, weil diese nur noch humpeln können. «Streusalz und Splitt, das reizt die Hundepfoten», erklärt Klein. Der scharfkantige Splitt schneide in die empfindlichen Ballen, das Streusalz reize dann die Wunden zusätzlich. Klein empfiehlt Hundehaltern in solchen Fällen eine Behandlung mit Vaseline. Die Salbe könne auch schon vorbeugend angewandt werde. «Wichtig ist bei der Kälte, dass die Ballen geschmeidig bleiben und gar nicht erst rissig werden.»

«Tieren auf der Weide geht es auch jetzt gut»

Schnee und Kälte bereitet den allermeisten Rassen keinerlei Probleme. Das gilt auch für Nutztiere, die jetzt trotz Dauerfrost und Schneegestöber noch draußen auf der Weide stehen. «Pferde, Rinder und Schafe auf der Weide kommen besser mit den tiefen Temperaturen klar, als wir Menschen uns das in unserer warmen Stube denken können», sagt der Präsident der sächsischen Landestierärztekammer, Hans-Georg Möckel. «Den Tieren auf der Weide geht es auch jetzt gut», betonte er. «Es geht ihnen besser, als wenn sie rund um die Uhr in einem vielleicht sogar stickigen Stall stehen.»

Wichtig sei, dass der Landwirt verantwortungsbewusst vorgehe und stets ausreichend Futter zur Verfügung stelle. Nötig sei zudem ein an drei Seiten geschlossener Unterstand, um Schutz vor Wind und Nässe zu bieten. Auch der Tierschutzbund sieht in der Freilandhaltung bei Berücksichtigung dieser Punkte keine Hinderungsgründe.

Auch Gartenbesitzer können leicht Abhilfe schaffen und beispielsweise das Laub im Herbst nicht einfach komplett entfernen, wie James Brückner vom Tierschutzbund erläutert. Das komme dann etwa den Igeln zugute. Generell hätten wildlebende Tiere mit immer weiter schrumpfenden Rückzugsmöglichkeiten zu kämpfen. Dabei sei es gerade bei ihnen wichtig, dass sich die Aktivitäten im Winter auf das Nötigste beschränkten und sie nicht durch ständige Flucht vor Menschen zusätzlich belastet würden.

iwe/iwi/news.de/ap

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige