Bielefeld Die Stadt, die es nicht gibt

Bielefeld (Foto)
Auch der Fußballverein Arminia soll Teil IHRER ausgeklügelten Bielefeld-Verschwörung sein. Bild: dpa

«Bielefeld, das gibt's doch gar nicht.» Der Kommentar bei einer Kieler Studentenparty 1993 begründete eine der abstrusesten und erfolgreichsten Verschwörungstheorien Deutschlands. Auch Gerhard Schröder und Arminia Bielefeld spielen eine Rolle.

Bahnhof, Fußballstadion, Sparrenburg - alles Kulisse. Denn Bielefeld gibt es gar nicht. SIE haben die Existenz des ostwestfälischen Ortes erfunden, SIE haben die ganze Welt getäuscht: Seit 15 Jahren kursiert die Geschichte über die angeblich nicht existierende Stadt Bielefeld im Internet; inzwischen wurde sogar ein Film darüber gedreht, der im Frühjahr 2010 vorgestellt werden soll. Die Stadt nimmt den Ulk gelassen, schließlich ist es ja «kostenlose Werbung», wie Hans-Rudolf Holtkamp von der Bielefeld Marketing GmbH sagt.

Zu den Dreharbeiten für den Film kam im Sommer erstmals auch der Mann nach Bielefeld, der für die Verschwörungstheorie verantwortlich ist: Der Kieler Achim Held veröffentlichte den Jux 1994 im Internet. Die Idee, so erzählt er, entstand ursprünglich bereits 1993 auf einer Party in einem Kieler Studentenwohnheim. Ein Gast habe erzählt, er komme aus Bielefeld, ein anderer habe gescherzt: «Bielefeld, das gibt's doch gar nicht», und die Geschichte habe immer weitere Kreise gezogen.

Verschwörungstheorien
Bielefeld, Du Nabel der Welt
Video: news.de

Schließlich habe er sie im Mai 1994 ins Internet gestellt - zu einer Zeit, als alle möglichen Internet-Verschwörungstheorien im Netz kursierten, sagt Held. Dass sie so erfolgreich werde, damit habe er nicht gerechnet.

Inzwischen gibt es eine Website über die «Bielefeld-Verschwörung» - und die Möglichkeit, Kontakt zu Held aufzunehmen. Viele Reaktionen seien eher plump, manche empört, berichtet der Kieler, es habe ihn überrascht, dass einige die Satire nicht erkannt hätten. Andere hätten die Geschichte mit neuen Ideen ausgeschmückt, die er auch gerne aufgenommen habe.

Bielefeld ist im Internet «B**l*f*ld»

So ist inzwischen Exbundeskanzler Gerhard Schröder, der am Westfalenkolleg in Bielefeld sein Abitur gemacht haben will, Teil der Verschwörung geworden. «Auch der DFB», so heißt es auf der Website weiter, «ist in diesen gewaltigen Skandal verwickelt», spiele in der zweiten Liga doch ein Verein, den SIE Arminia Bielefeld getauft haben.... «Den Gästefans wird vorgetäuscht, mit ihren Bussen nach Bielefeld zu kommen, wo sie von IHNEN abgefangen werden, um direkt ins Stadion geleitet zu werden.» Und es gebe noch mehr Beweise, etwa «das gefälschte und verpanschte Bier und nicht zuletzt die Tatsache, dass dieser Verein nur einen Sponsor hat, getarnt als Modefirma Gerry Weber.»

Die Anhänger der Verschwörungstheorie sprechen im Netz von B**l*f*ld. Die Fläche, auf der Bielefeld (angeblich) liegt, ist den Verschwörungstheoretikern zufolge wahlweise ein riesiger Landeplatz für Außerirdische, ein CIA-Stützpunkt, auf dem John F. Kennedy gefangen gehalten wird, ein Mossad-Forsuchungslabor und ähnliches.

Davon wird auch der Film handeln, der in Griechenland - und natürlich Bielefeld - gedreht wurde. «Die Bielefeld Verschwörung - Der Film» ist ein Projekt des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität; Held spielt eine Nebenrolle: Jemanden, der an der Verschwörung zweifelt.

Unterstützt wird das Projekt von der Bielefeld Marketing GmbH. Jeder, der sich mit der Verschwörungstheorie beschäftige, setze sich auch mit Bielefeld auseinander und dem, was die Stadt zu bieten habe, erklärt Holtkamp. Held jedenfalls hat sein Aufenthalt in der angeblich nicht existierenden Stadt gut gefallen: Er habe dort «zwei sehr nette Tage» verbracht», sagt er.

iwi/kat/news.de/ap

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