Eurostar Nichts geht unterm Ärmelkanal

Eurostar (Foto)
Nach einer kältebedingten Panne hatten bereits am Samstag mehr als 2000 Reisende stundenlang in liegengebliebenen Zügen mitten im Tunnel hilflos festgesessen. Bild: ap

Am Wochenende wurde der Eurostar vom Winter überrascht. Die Reisepläne von 60.000 Menschen sind damit durchkreuzt worden. Und auch heute bleiben die Züge im Depot, statt den Ärmelkanal zu durchqueren.

Damit müssen erneut zehntausende Menschen kurz vor Weihnachten auf ihre geplanten Reisen verzichten. Nach einer kältebedingten Panne hatten bereits am Samstag mehr als 2000 Reisende stundenlang in liegengebliebenen Zügen mitten im Tunnel hilflos festgesessen. Unter ihnen befand sich auch das deutsche Supermodel Claudia Schiffer. Eurostar stellte zunächst den Betrieb für das ganze Wochenende komplett ein und schickte leere Züge auf Testfahrten.

Die bisherigen Tests hätten ergeben, dass der Schneeschutz an den Triebwagen verbessert werden müsse. Mit den Umrüstungen sei bereits begonnen worden, weitere Test im Laufe des heutigen Tages sollen deren Wirksamkeit prüfen, teilte das Unternehmen mit.

Erschöpfte Reisende hatten von chaotischen Zuständen und panischen Menschen in den gestrandeten Zügen berichtet. Grund für die Ausfälle, von denen sechs Eurostar-Züge betroffen waren, war nach ersten Erkenntnissen der starke Temperaturanstieg bei der Einfahrt eiskalter Züge in den warmen Tunnel. Dadurch bildete sich außergewöhnlich viel Kondenswasser, das wichtige elektronische Teile lahmlegte.

Viele Eurostar-Reisende saßen über 15 Stunden im Kanaltunnel fest. Die meisten Passagiere wurden mit einem Shuttle aus zwei gestrandeten Zügen geborgen. Für die anderen liegengebliebenen Eurostars mussten Ersatz-Diesellokomotiven her.

Lee Godfrey war mit seiner Familie unterwegs. «Wir waren ohne Strom. Uns sind das Wasser und das Essen ausgegangen. Und die Informationen des Personals waren ziemlich schlecht», sagte er. Kinder hätten auf den Gängen geschlafen.

Eurostar-Chef Richard Brown versprach, die Betroffenen zu entschädigen. «Es ist sehr kalt draußen, aber im Tunnel sind es 25 Grad und es gibt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das ist, als ob sie eine Bierflasche aus dem Kühlschrank in einen warmen Raum bringen, da entsteht viel Kondenswasser», erklärte er die technischen Probleme.

seh/news.de/dpa

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