Weihnachtsakademie
Familien trainieren fürs Fest

Weihnachtslieder, Vorlesen und ein schönes Essen: Die Klassiker stehen bevor. Alle feiern das Fest, doch so richtig beherrschen die wenigsten das Weihnachts-Einmaleins. Fit fürs Fest macht daher eine Akademie in Trier Eltern und Kinder.

Mit einem Korken im Mund trainiert Thomas Vatheuer Aussprache und Betonung der vorlesefreudigen Eltern. Bild: dpa

Weihnachten will gelernt sein: Für ein schönes Fest drücken Familien in Trier fleißig die Schulbank: in Deutschlands einziger Weihnachtsakademie. Während die Kleinen alle Strophen von O Tannenbaum pauken, werden Mama und Papa in die beste Vorlesetechnik eingewiesen. «Wenn man es schafft, eine schöne Geschichte spannend vorzulesen, tut man etwas für die ganze Familie», sagt Dozent Thomas Vatheuer. Mit einem Korken im Mund übt er mit seinen Schülern die richtige Aussprache und Betonung. «Hauptfehler ist das Tempo: Sie müssen langsamer lesen. Und wo ein Punkt ist, Pause machen.»

Nebenan in einem feinen Restaurant besuchen acht Kinder einen «Kinder-Knigge» für gute Manieren am Festtisch. Bei einem Drei-Gänge-Menü lernen sie, sich vor dem Trinken den Mund mit der Serviette abzutupfen und ein Glas mit Stiel auch am Stiel anzufassen. «Ich will ihnen beibringen, dass gutes Benehmen, wenn man es beherrscht, auch Spaß machen kann», sagt Business-Coacherin Heike M. Falkenstein. Auch das «Geradesitzen» und die richtige Handhabung des Bestecks gehörten zum Tisch-ABC.

«Wir wollen alte Traditionen wieder neu aufleben lassen», sagt der Leiter der Weihnachtsakademie, Rudolf Hahn. «Es ist eine Tatsache, dass es das Gemeinsame an Weihnachten immer weniger gibt.» Zusammen Lesen, Singen und Essen seien wichtige und gute Gelegenheiten, bei denen die Familie Zeit zusammen verbringen könne. «Und wir wollen Kinder und Jugendliche wegbringen von Spielekonsolen und PCs», sagt Hahn, der eigentlich die Volkshochschule Trier leitet. In deren Räumen treffen sich die Weihnachtsschüler bei zehn Kursen der Akademie im Advent.

Küssen für bessere Vorlesetechnik

In der «Weihnachtsliederschule» singen Vier- bis Achtjährige voller Inbrunst «Alle Jahre wieder» und «Ihr Kinderlein kommet». «Die meisten Kinder können nur die erste Strophe, wenn sie kommen», sagt Musikpädagogin Anna-Maria Goerres-Caspers. Nach dem Unterricht mit Klavier und viel guter Laune beherrschten sie den ganzen Text. «Den können sie dann ihren Eltern beibringen», meint die Lehrerin, die den Kurs bereits im dritten Jahr anbietet.

Im «Märchen-Vorlesekurs für Mütter und Väter» wird derweil eifrig in die Luft geküsst und geschmatzt, um die Mundmuskulatur zu lockern. «Bei Lesebeginn müssen Sie nicht extra Luft holen», sagt der 48-jährige Dozent. «Sie haben immer genug Luft.» Ganz wichtig sei auch, immer die Kinder miteinzubinden. «Ich bin froh, dass ich gekommen bin», sagt Schülerin Petra Roth, die in einer Bücherei als Ehrenamtliche vorliest. Sie habe viele Tricks zum besseren Vorlesen mitgenommen.

Auch Papa Peter Spang ist nach dem Lesekurs ganz glücklich. «Jetzt weiß ich, warum wir beim Lesen immer fast einschlafen», sagt der 44-Jährige. Er liege mit seinem neunjährigen Sohn immer auf der Couch. Nach dem Crash-Kurs weiß er: Beim Vorlesen ist Aufrechtsitzen angesagt.

iwi/kat/news.de/dpa

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