Nanotechnologie Forscher erfinden Blutstiller-Spritze

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Blutbestandteile unter dem Elektronenmikroskop: Rot dargestellt die Thrombozyten, grün die Leukozyten und gelb die Blutplättchen. Bild: news.de

Nanopartikel sind die Hoffnungsträger Nummer eins in der Medizin - zum Beispiel bei der Bekämpfung von Tumoren. Nun glauben Forscher, mit Hilfe der Nanotechnik einen Weg gefunden zu haben, auch Blutungen schneller zu stoppen.

Ob im Irak, in Afghanistan oder auf den Straßen in aller Welt: Tausende Menschen sterben jedes Jahr durch den Blutverlust, den sie durch Verkehrsunfälle, Schüsse oder Bomben erleiden.

Traumatische Verletzungen sind die führende Todesursache von Menschen zwischen 4 und 44 Jahren, stellen US-Forscher in dem neuen Fachblatt Science Translational Medicine fest. Sie glauben, mit Hilfe der Nanotechnik einen Weg gefunden zu haben, wie sich auch innere, nicht sichtbare Blutungen schneller stoppen lassen.

Das Team um die Biomedizinerin Erin Lavik an der Case Western Reserve Universität entwickelte synthetische Blutplättchen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen (Polymeren), die bereits in anderen Produkten von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen sind.

Die Kunststoff-Plättchen werden im Bedarfsfall gespritzt und verbinden sich an der Verletzungsstelle mit den natürlichen Blutplättchen, um die Gerinnung zu beschleunigen. Bei Ratten halbierten die künstlichen Blutplättchen die Zeit, um innere Blutungen zu stoppen. Lavik und Kollegen vergleichen die Nano-Plättchen mit Sandsäcken, die bei einer Flut die Dämme eines Flusses verstärken.

Nach Angaben der Mediziner sondern die natürlichen Blutplättchen des Körpers als Reaktion auf die Verletzung chemische Stoffe ab, die die synthetischen Plättchen mit den körpereigenen binden und den Gerinnungsprozess optimieren. Damit synthetische Plättchen, die ungebunden bleiben, nicht die Bildung gefährlicher Blutpfropfen fördern, umhüllten die US-Forscher sie mit einem «Schutzschild» aus Wasser. Dies half den Versuchstieren, nicht gebundene synthetische Blutplättchen innerhalb von 24 Stunden aus dem Körper zu spülen.

Die Forscher hatten nach eigenen Aussagen nach einem Mittel gegen innere Blutungen gesucht, das Ärzte in ihrem Notfallkoffer mit sich tragen können. «Das Militär ist phänomenal erfolgreich dabei, Methoden zum Stillen von Blutungen zu entwickeln, aber diese Methoden sind beschränkt auf äußere Blutungen, die verbunden werden können», erläutert Lavik. Die Nano-Plättchen könnten daher eine sinnvolle Ergänzung gängiger Therapien darstellen, indem sie auch innere Blutungen stoppen könnten.

car/sgo/nbr/news.de/dpa

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