02.12.2009, 11.34 Uhr

Gehirnforschung: Der gute Ruf sitzt vorne rechts

Der rechte vordere Stirnlappen ist entscheidend für die Fähigkeit, sich einen guten Ruf aufzubauen, haben Schweizer Forscher festgestellt. Menschen, bei denen dieses Hirnareal gestört ist, verhalten sich anderen gegenüber viel weniger großzügig.

Das Gehirn ist eine Foschungslandschaft. Bild: dpa

«Nichts zu danken - ist doch Ehrensache», sagt man, wenn man sich für etwas Gemeinnütziges eingesetzt hat und auf die Belohnung großzügig verzichtet. Dass man dazu überhaupt in der Lage ist, dafür sorgt der vordere Stirnlappen, haben jetzt Schweizer Forscher herausgefunden haben. Wie sie in den Proceedings of the National Academy of the Sciences darlegen, hat diese Gehirnregion bei Kindern und Heranwachsenden ihren vollen Funktionsumfang noch nicht erreicht, darum fällt es ihnen noch sehr schwer, auf Belohnungen für gute Taten zu verzichten. 

Das Forscherteam um Daria Knoch von der Universität Basel hat eine Methode der Gehirnstimulation - die transkranielle Magnetstimulation - angewandt, die schmerzfrei und kurzzeitig die Erregbarkeit eines Gehirnareals mindert. Nach dieser Behandlung hatten die Probanden mehrere Entscheidungsaufgaben zu lösen.

Wer zuvor am vorderen Stirnlappen - genauer: dem rechtsseitigen präfrontalen Cortex - stimuliert worden war, zeigte sich nun weit weniger in der Lage, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten - was seinem guten Ruf abträglich war. Diejenigen aber, deren vorderer Stirnlappen ohne Beeinträchtigung funktionieren konnte, verhielten sich auf die typische Weise: «Nein, vielen Dank, Sie müssen mir nichts dafür geben - habe ich doch gern getan.»

Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der vordere Stirnlappen für den Aufbau einer guten Reputation voll funktionsfähig sein muss. Die Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass es auf neurobiologischer Ebene eine Trennung gibt: nämlich zwischen dem Wissen darüber, was im eigenen Interesse liegt, und der Fähigkeit, sich in seinem Handeln auch tatsächlich nach diesem Wissen zu richten.

Die Resultate sind laut Daniel Schunk auch im Lichte der Gehirnentwicklung Heranwachsender interessant. So hat der vordere Stirnlappen bei Kindern und Jugendlichen seinen vollen Funktionsumfang noch nicht erreicht. Das könnte erklären, warum Kinder auf unmittelbare Belohnungen oft nur schlecht verzichten zu können.

car/kat/news.de/wsa

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