Polygamie-Club in Malaysia «Was ist falsch daran, einen Ehemann zu teilen?»

Auch Mohammed hatte ein Dutzend Frauen. Deshalb ist Polygamie unter Muslimen in Malaysia erlaubt. Wenige Männer nutzen jedoch ihr Recht. Das will die Familie Ashaari ändern: mit einem «Polygamie-Club».

Malaysia Polygamie (Foto)
Muslime dürfen in Malaysia Polygamie praktizieren. Die wenigsten tun es. Bild: ap

Kartini Maarof ist bei einem Scheidungsfall weit über ihre anwaltlichen Pflichten hinausgegangen. Die Juristin arrangierte für die siebenfache Mutter Rohaya Mohamad eine neue Ehe - mit ihrem eigenem Mann. Ikramullah Ashaari, den beide bereits seit zehn Jahren als Ehemann teilen, hat insgesamt vier Frauen und 17 Kinder. Sein 72-jähriger Vater hat 38 Nachkommen aus fünf Ehen. Polygamie gilt in Malaysia unter Muslimen als legal, ist aber wenig verbreitet. Die Ashaaris wollen das ändern.

Sie gründeten einen «Polygamie-Club» und sehen das unter anderem als Hilfe für alleinerziehende Mütter oder ehemalige Prostituierte. «Wir möchten, dass Polygamie als etwas Schönes und nicht als etwas Abstoßendes betrachtet wird», sagt Hatijah Aam, Gründerin des Clubs und vierte Frau von Ikramullahs Vater Ashaari Muhammad.

«Nicht bizarr»

In der asiatischen Demokratie, die stolz ist auf ihre Wolkenkratzer, ihr High-Tech-Wissen und ihre Wirtschaftsleistung, scheint Polygamie vielleicht fehl am Platz. Dennoch bleibt sie in dem Land mit seinen 27 Millionen vorwiegend muslimischen Einwohnern verankert. Bei schätzungsweise zwei Prozent aller muslimischen Eheschließungen ist der Bräutigam bereits mit einer oder mehreren Frauen verheiratet.

Der Prophet Mohammed soll in seinem Leben rund ein Dutzend Frauen geheiratet haben, darunter schutzbedürftige Witwen, wie die Polygamisten betonen. «Manche behandeln die Polygamie als witzig-komische Angelegenheit, weil sie sie nicht vollkommen verstehen», sagt Ikramullah, ein jovialer Geschäftsmann. «Eine Gesellschaft, die sie praktiziert, würde erkennen, dass sie nicht bizarr ist. Dann würdest du gehänselt werden, wenn du nur eine einzige Ehefrau hast.»

Dem Club gehören nach eigenen Angaben 300 Ehemänner und 700 Ehefrauen an. Die Mitglieder argumentieren, dass die Vielehe Ehebruch verhindere und die Heiratsaussichten ehemaliger Prostituierter verbessern könne.

Die muslimische Ministerin für Familienpolitik, Shahrizat Abdul Jalil, sagt dagegen, Polygamie «ist keine Kultur, die in unserer Gesellschaft unterstützt wird.» Und die Organisation Schwestern im Islam, die sich gegen Vielehe einsetzt, argumentiert: «Wenn Menschen sich für Monogamie entscheiden, gibt es ausreichend Männer für jede Frau.»

«Frauen müssen Widerstand leisten»

Eine entschiedene Gegnerin der Polygamie ist auch die 42-jährige Sharifah. Sie hat ihrem Ehemann nach fast 15 Jahren mit der Scheidung gedroht: Er hatte ihr im vergangenen Jahr eröffnet, dass er sich in eine geschiedene dreifache Mutter verliebt und gemerkt habe, dass die Frau Hilfe brauche - und er sie deswegen heiraten wolle. «Es war, als ob mein Märchen abrupt geendet hätte», klagt Sharifah. «Er war mein Seelenverwandter. Ich konnte nicht glauben, was da geschah.»

Von verschiedenen Seiten sei sie gedrängt geworden, eine Zweitfrau an ihrer Seite zu akzeptieren, sagt Sharifa. Die Zustimmung garantiere ihr einen Platz im Himmel, wurde ihr gesagt. Doch die 42-Jährige, die für den Lebensunterhalt ihrer beiden Kinder und ihres arbeitslosen Ehemannes sorgt, wollte nicht nachgeben - und hatte Erfolg. Das Paar ging zur Eheberatung und Sharifahs Ehemann versprach, die andere Frau nicht zu heiraten.

«Frauen müssen Widerstand leisten. Wir werden immer fortschrittlicher. Wir kennen unsere Rechte» sagt Sharifa. «Ich werde nicht in eine Vielehe geraten. Ich weiß, dass ich Besseres verdiene.»

Die Anwältin Kartini meint dagegen, sie habe von der Vielehe profitiert. Während sie mit Gerichtsfällen beschäftigt gewesen sei, habe die erste Ehefrau ihres Mannes gekocht, geputzt und sich um die Kinder gekümmert. «Die Frauen können sich gegenseitig unterstützen», sagt die 41-Jährige. «Natürlich vermisst du deinen Ehemann, und sicherlich gibt es Anfangs Rivalität und Eifersucht. Doch nach einer Weile versuchst du es mit Freundschaft und merkst, dass man Probleme miteinander teilen kann.»

Nach Angaben des Polygamie-Clubs hat jede Frau ihre eigene Wohnung, sofern sie das will, und die Ehemänner teilen ihre Tage unter den verschiedenen Haushalten auf. Die in Rawang bei Kuala Lumpur lebenden Ashaaris treffen sich zu religiösen Festtagen oder anderen Feierlichkeiten. Hatijah stand der Polygamie ursprünglich skeptisch gegenüber. Sie willigte 1982 in die Hochzeit ein, da sie befürchtete, mit 27 Jahren zu alt zu sein, um einen Ehemann zu finden. Heute sagt die Mutter von acht Kindern: «Was ist falsch daran, einen Ehemann zu teilen? Ich mache das seit fast 30 Jahren.»

iwe/iwi/news.de/ap

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