Arbeitsrecht Maultaschen machen arbeitslos

Gefeuert wegen Maultaschen (Foto)
Diese schwäbische Spezialität dürfte einer gefeuerte Altenpflegerin künftig quer im Magen liegen: Weil sie welche mitnahm, verlor sie ihren Job. Bild: dpa

Für die Schwaben sind Maultaschen ein Nationalgericht. Doch einer Altenpflegerin ist die Delikatesse sauer aufgestoßen. Weil übrig gebliebene Maultaschen im Müll gelandet wären, nahm sie sie mit - und flog dafür raus. Zu Recht, sagen Arbeitsrichter.

Wegen Maultaschen im Wert von drei bis vier Euro verliert eine 58-jährige Altenpflegerin in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell am Bodensee entschied, dass die Mitarbeiterin eines Seniorenheims wegen Diebstahls zu Recht entlassen worden ist.

Gegen die fristlose Kündigung nach 17 Jahren Betriebszugehörigkeit hatte die 58-Jährige geklagt. Das Gericht hat die Klage nun abgewiesen. Die Maultaschen wären im Müll gelandet, hatte die Klägerin zu Protokoll gegeben. Deshalb packte sie das Essen in ihre Tasche.

Und: Sie sei nicht die Einzige gewesen, die schon Essen aus dem Pflegeheim mitgenommen habe. Doch vom Arbeitgeber gab es die rote Karte. Der Frau wurde gekündigt. Weil sie gegen die Anweisung der Heimleitung gehandelt habe und, weil deshalb das Vertrauen zwischen beiden Seiten zerrüttet worden sei.

Die Begründung des Arbeitsgerichtes: «Der einzelne Arbeitnehmer kann nicht seinen Willen nach Gutdünken und gegen ein bestehendes Verbot über denjenigen des Arbeitgebers stellen.»

Ursprünglich hatte der Arbeitgeber der Frau, die in Teilzeit arbeitete, 18.000 Euro Abfindung angeboten. Die sind im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs auf 25.000 Euro aufgestockt worden. Die Frau aber schlug das Angebot aus. Der Verteidiger vertrat den Standpunkt, dass angesichts der langen Beschäftigung der Frau eine Abmahnung ausreichend gewesen wäre.

Immer wieder sorgen Kündigungen wegen Bagatelldelikten für Aufsehen: wegen einer Scheibe Wurst, eines auf den Sperrmüll geworfenen Kinderbetts, einer Boulette, eines Leergutbons. In aller Regel ziehen die Arbeitnehmer vor Gericht dabei den Kürzeren.

ham/iwi/news.de/dpa/ap

Leserkommentare (20) Jetzt Artikel kommentieren
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  • Kommentar 20
  • 08.02.2010 14:00

Ich lache immer wenn es wieder heisst "Im Namen des Deutschen Volkes ergeht...". Die Mehrheit des Deutschen Volkes hätte hier ein anderes Urteil erlassen! Klingt komisch, ist aber so!

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  • Minie
  • Kommentar 19
  • 07.01.2010 22:08

Der Arbeitgeber Spinnt!

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 18
  • 17.10.2009 15:57
Antwort auf Kommentar 16

Dann kämpft doch mal für die Ziele einer sinnvollen Ordnung. Sinn zu empfangen ist schon verwerflich. Aber permanent sich sagen lassen, wie minderwertig man doch ist und welche Ächtung man durch Politik erfährt. Heute ist doch fast jedes Gesetz eine Vorschrift nach dem Muster: Ihr passt uns nicht, so wie ihr seid. Oder rebelliert gegen den Zuständigen der nicht kompetent ist. Oder gegen den Micker aus dem Finanzamt, der dem Steuerzahler vorschreibt, wieviel Autos er fahren darf. Oder gegen das Totsparen. Oder gegen die Ämtervergabe durch Parteien...Macht was...R

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