Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach - 10.09.2009, 06.05 Uhr

Bestatter: «Da genügt ein ‹Herzliches Beileid›»

Trost spenden und helfen - wer gerade einen lieben Menschen verloren hat, trauert, und als Außenstehender ist es schwer, die richtigen Worte zu finden. News.de spricht mit Bestatter Johannes Bauer über die richtige Art, sein Beileid auszudrücken.

Schwarz ist bei der Kleidungswahl für Trauerfeiern weiterhin die dominierende Farbe. Bild: ap

Ihre Bestattungsfirma heißt Landestrauerhilfe: Wie helfen Sie Menschen zu trauern?

Bauer: Zum einen helfen wir über unser Internetportal www.landestrauerhilfe.de Informationen zu bekommen, die in der Trauer einfach nützlich und schnell zugänglich sind. Wir helfen mit dem behördlichen Wirrwarr und vermitteln auch weiter, wenn jemand trauerpsychologische Hilfe braucht. Zum anderen bieten wir deutschlandweit alle Bestattungsformen an, unter anderem auch die Diamantbestattung.

Sie müssen täglich kondolieren. Wie macht man das richtig?

Bauer: Wir drücken einfach unser aufrichtiges Beileid aus. Als Grundregel kann man sagen, wenn man Kontakt zu einem Trauernden hat, dann sagt man am besten: Ich wünsche Ihnen mein herzlichstes Beileid. Und das war´s auch schon. Dann hat man nichts verkehrt gemacht. Die Hinterbliebenen befinden sich emotional in einer Ausnahmesituation. Das heißt, sie bekommen das sowieso nicht so richtig mit. Die klassische Situation wäre auf dem Friedhof bei einer Beerdigung. Die meisten kommen als Trauergast und sagen vor oder nach der Beerdigung etwas. Sie sind schon der Hundertste in der Schlange gewesen. Es wäre nur blöd, wenn man gar nichts sagt.

FOTOS: Trauer um Prominente Tot, aber unsterblich

Kondolieren Sie anders, je nachdem, wer der Tote war?

Bauer: Wie man kondolieren sollte, merkt man im persönlichen Kontakt. Sobald jemand zur Tür hereinkommt, sehe ich, wie die Leute trauern. Ob es demjenigen sehr wichtig ist, dass man kondoliert und dass man dann auch auf die Thematik eingeht und über den Verstorbenen und dessen Tod redet. Es gibt aber auch Kunden, die wollen das gar nicht. Da genügt ein einfaches «Herzliches Beileid», und dann steigt man sofort in die Behördensachen ein.

Diese Kunden wollen dann nicht an den Tod erinnert werden.

Bauer: Oder erst später im Gespräch. Viele halten Distanz und schützen sich, indem sie erstmal das Sachliche abwickeln wollen.

Wie reagieren die Leute auf Sie als Profi im Kondolieren?

Bauer: Gar nicht, weil alle unterbewusst erwarten, dass in den ersten zwei Sätzen «Herzliches Beileid» vorkommt. Wenn ich jetzt wüsste, Sie hätten heute Geburtstag, würde ich auch «Herzlichen Glückwunsch» sagen, und es würde Sie nicht immens tief bewegen, weil wir uns nicht kennen. So ungefähr ist das.

Aber man baut als Bestatter schon eine Beziehung zu den Leuten auf.

Bauer: Ja, aber nicht durchs Kondolieren. Sondern beim Schaffen eines angenehmen Rahmens. Es kommt darauf an, wie ich den Kunden begrüße, wie ich die Sitzplätze zuweise. Dann kommt der Cateringteil, also «wer möchte Kaffee». Die Leute sind ja angespannt und verunsichert. Wir signalisieren Zeit: dass der Kunde jetzt mal erzählen kann, wie das eigentlich war. «War der Krankheitsverlauf schlimm? Wie geht es ihnen jetzt?» Das ist uns viel wichtiger.

Auf der Webseite www.trauerspruch.de kann man sich Anregungen fürs Kondolieren holen. Was ist ihr Lieblingstrauerspruch?

Bauer: Den habe ich nicht, weil für uns nur «Mein herzliches Beileid» infrage kommt. Sprüche wie «Ich bin tief berührt» würden nicht stimmen, denn wenn ich den Kunden zum ersten Mal sehe, bin ich noch nicht tief berührt.

Und für Sie privat?

Bauer: Das habe ich noch nicht gebraucht. Aber wenn ich eine Karte mit Beileidswünschen schreiben müsste, würde ich darauf Wert legen, dass etwas ganz Persönliches drin steht. Dass ich ausdrücke, was mir der Verstorbene bedeutet hat.

Sie sind täglich bei Trauerfeiern. Haben sich die Kleidungsstandards verändert?

Bauer: Prinzipiell war und bleibt bei uns in Deutschland Schwarz üblich. Es gibt Hinterbliebene, die möchten das nicht haben, überwiegend junge Leute. Da wäre es ein Faux-Pas, wenn man doch in Schwarz kommt und sich daran nicht hält. Andererseits könnte man auch unangemessen in kurzer Hose und T-Shirt auf den Friedhof gehen.

Wäre das gegen die Friedhofsordnung?

Bauer: Nein, das steht da nicht drin. Der Friedhof ist ja auch immer ein Ort des Entspannens und hat Parkcharakter. Gerade im Sommer sind da immer viele Leute, die auf der Bank sitzen und sich ausruhen und diese Stimmung genießen.

Aber Schwarz ist auch nicht gleich Schwarz. Es gibt ja auch Miniröcke in der Farbe.

Bauer: Das ist kein Thema. Es gibt oft Frauen, ich will jetzt nicht sagen aufgetakelt, die aber durchgestylt auf dem Friedhof sind. Das ist auch gut.

Wie lang sollte man denn trauern?

Bauer: Die älteren Leute tragen heute noch ein Jahr lang Schwarz. So nimmt man sich bewusst ein Jahr lang Zeit, um zu trauern, und danach legt man diese Trauer in Form der Kleidung wieder ab. Das bedeutet, selbst wenn es einem noch schlecht geht: Jetzt muss es irgendwie weitergehen. Die jüngeren Leute haben dazu aber gar nicht mehr den Bezug. Es fängt ja schon damit an, dass der Bezug zur Grabstelle an sich verloren geht.

Johannes Bauer ist Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Burger im bayrischen Fürth. Seine Firma bietet neben Trauerberatungen, Erd-, Feuer- und Naturbestattungen auch die Möglichkeit, Asche zum Diamanten pressen zu lassen.

iwi/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser