Hommage an die Glühbirne Ein Dauerbrenner

Hommage an die Glühbirne (Foto)
Hommage an die Glühbirne Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Björn Menzel
Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: die Glühbirne.

Die eigentliche Freiheit einer Großstadt genießen die Penner und Bettler. Gesetze sind ihnen fremd. Penner und Bettler können nicht mehr schikaniert werden, weil sie bereits schikaniert sind. Selbst wenn die deutsche Verwaltungspraxis Grundsätzliches von sich gibt, Penner und Bettler können nur darüber lachen.

Ein Fallbeispiel: «Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Sache, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot.»

Bettler und Penner sind lediglich vom menschlichen Fortschritt betroffen. Zum Beispiel von der Erfindung des mobilen Telefons. Seitdem es viele Handys gibt, gibt es weniger Telefonzellen. Und dadurch weniger Telefonzellengrapscher, die vergessenes Kleingeld in den Geldzurückkästchen suchen können.

Abschied der Glühbirne
100 Watt ade

Das Gesetz zur Abschaffung der 100-Watt-Glühbirne ist den Bettlern und Pennern hingegen mehr als egal. Vermutlich kennen sie nicht einmal den Beschluss der Europäischen Union, der in dieser Woche umgesetzt wurde. Herkömmliche Glühbirnen gelten ab sofort als Stromfresser und Wärmeabgeber und Energieverschwender und damit als Umweltsünder. Sie werden nicht mehr verkauft.

Die Freiheit der Penner und Bettler werden alle anderen ab sofort also noch mehr vermissen. Schon jetzt ist die Sehnsucht nach der tröstenden, emotionalen Lichtquelle, nach dem Flackern, dem Durchknallen groß. Es bleibt die Hoffnung auf die Dauerbrenner. In Livemore (Amerika) in einem kleinen Feuerwehrhaus leuchtet die älteste Glühbirne der Welt - seit 108 Jahren.

san/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Eva Pattex
  • Kommentar 3
  • 06.09.2009 19:18

Die Langzeitfolgen und -Schäden spricht derzeit noch niemand an: Wer abends lange noch bei schlechtem und unzureichendem Licht (Lux) liest, verdirbt sich mit der Zeit die Augen. Eine 60-Watt Birne herkömmlicher Bauart reicht oft nicht für das Kontrast-Sehen hinreichend aus. Die Optiker und die Krankenkassen wird es freuen, wenn viele neue Brillenschlangen gezüchtet werden. Oder ist es bewusste Politik, dass wir Deutschen nicht mehr lesen sollen? Sollen wir so verlernen, dass wir zu eigenem kritischen Nachdenken noch fähig sind? Die nun als "schädlich" angeprangerte Wärmeabgabe der guten alten Glühbirne, sie ersetzt auch Heizungsenenergie ohne Mehrkosten, wenn wir uns in einem angenehmen Licht "wohl fühlen", kann die Heizung getrost deutlich weiter gedrosselt werden als was die Birne an Energie verzehrt und die Wärme bleibt ja im Raum und wird in ca. 3/4 des Jahres ergänzend für die Raumwärme mit genutzt, weil es dem Thermostat-Ventil egal ist aus welcher Quelle die Wärme stammt, um selbsttätig zu drosseln.

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 2
  • 06.09.2009 16:06

Der Kommentar regt mich zu einem Bekenntnis an. Ich bin der Politik unendlich dankbar, dass sie sich um das Licht in meiner unmittelbaren Umgebung kümmert. Welch eine weise Entscheidung zur Leerung meines Geldbeutels. Wenn ich aber nun sehe, dass Pennern durch die Politik nicht mehr heim geleuchtet wird, dann macht mich das betroffen. Das Klientel der Politik von einst - jetzt verarmt und ohne politisches Licht? Der Hartz IV-Bezug, das politische System der legalen Steuerhinterziehung, steht hier Pate. Mit Steinbrück gesprochen, sind wir von seiner Steuerwüste nicht weit entfernt. Ochlokraten und Plebejer dürfen Regierungs-seits jedoch nicht weiter vernachlässigt werden. Die brauchen jetzt einen Integrationsbeauftragten zur Rettung der sozialen Kummerexistenz.

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  • Elstrud Consoir
  • Kommentar 1
  • 06.09.2009 15:07

Wie so immer, ist der Deutsche mal wieder vorher nicht gefragt worden, ob er damit einverstanden ist, die gute alte Glühbirne abzuschaffen. Es wird immer nur von oben bestimmt, was wir zu tun oder zu lassen haben. Sind wir Bürger denn ein Nichts? Steckt wieder Abzocke und wieder neue Krankheitsverursacher dahinter, wie bei der sog. Schweinegrippe? Na ja, die Pharmamaffia profitiert dann auch wieder und damit haben unsere Politiker mal wieder gewonnen. Ich jedenfalls werde mir die neuen Birnen nicht kaufen, da sitze ich lieber bei gemütlichem Kerzenlicht. Und das Schlimmste, was zu befürchten ist: Da die Menschen ja von Hause aus faul sind, landen die Birnen nicht in dem Laden, wo sie gekauft wurden, sondern in der grauen Tonne. Und dann ? Nicht auszudenken

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