Kreditkarten mit Revolving-Funktion Verbraucherschützer warnen vor Dominoeffekt

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Die Kreditzinsen türmen sich mit der Zeit auf - Verbraucherschützer warnen deshalb vor den neuen Kreditkarten. Bild: dpa

Von Jan Kluczniok
Kaufen, aber erst später bezahlen, ist das Prinzip der Kreditkarte. Kaufen, aber erst sehr viel später bezahlen, das ist das der Kreditkarte mit Revolving-Funktion. An die dabei auflaufenden Zinsen denken die wenigsten - und tappen in die Schuldenfalle.

Während bei den bisher in Deutschland üblichen Kreditkarten der volle Betrag am Monatsende vom Girokonto abgebucht wird, wird bei denen mit Revolving-Funktion am Ende des Monats nur eine festgelegte Rate fällig. Der Restbetrag kann bis zu einem Jahr später beglichen werden. In dieser Zeit fallen allerdings Zinsen an. Und diese können bis zu 20 Prozent betragen. Verbraucherschützer warnen deshalb vor den neuen Kreditkarten.

Welche Gefahr von Revolving-Kreditkarten ausgeht, zeigt das Beispiel der Vereinigten Staaten: Belastungen durch Zinssätze von 30 Prozent und mehr nehmen vielen US-Bürgern in der Rezession derzeit den finanziellen Spielraum. Präsident Barack Obama will sogar per Gesetz gegen überzogene Zinssätze, horrende Gebühren und Knebelverträge in der Branche vorgehen.

Die Verbreitung der Karten in Deutschland ist bislang zwar gering: Der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main zufolge waren 2007 gerade einmal 2,5 Millionen Revolving-Kreditkarten im Umlauf. Nach Umsetzen einer EU-Richtlinie über Zahlungsdienste könnte die Verbreitung aber zunehmen.

«Noch sind Revolving-Kreditkarten ein zukünftiges Problem», sagt Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg. Ab sofort dürften aber auch andere Anbieter als Banken diese Karten ausgeben. Tiffe befürchtet, dass diese Anbieter weniger strikt beaufsichtigt werden und die Gebühren für die Karten weiter in die Höhe treiben. «Es bleibt abzuwarten, wie sich das Aufsichtsverfahren entwickelt.»

Auf dem Vormarsch sind Kreditkarten offenbar sehr wohl: Knapp 36 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland wurden 2008 per Karte erzielt. Das geht aus einer Studie des Handelsinstituts EHI in Köln hervor. Kreditkarten machten dabei zwar nur einen Anteil von 5,2 Prozent aus. Eine wesentlich größere Rolle spielen Kreditkarten aber bereits im Onlinehandel.

Laut einer 2008 veröffentlichten Studie des Zahlungsdienstleisters Deutsche Card-Services in Köln - einem Tocherunternehmen der Deutschen Bank - werden bereits 36 Prozent aller Onlinegeschäfte in Deutschland mit einer Kreditkarte bezahlt.

Das Hauptproblem bei den speziellen Revolving-Kreditkarten sehen Verbraucherschützer in der Abtrennung der Kreditfunktion vom Girokonto - neben dem Gehaltskonto müssen sie auch das Kreditkartenkonto im Blick behalten. Mancher Verbraucher verliert da schnell den Überblick.

«Man hat das Gefühl, es ist noch Geld dar, und in Wirklichkeit ist schon ein Schuldenberg angehäuft», sagt Tiffe. Noch problematischer wird es, wenn gleich mehrere Kreditkarten benutzt werden. Das sei in den USA schon gängige Praxis. «Teilweise bezahlen die Leute mit ihrer neuen Kreditkarte die Schulden der alten Karte ab», sagt Tiffe. Irreführende Werbung verschleiere dazu vielfach die wahren Kosten.

Eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit für die Revolving-Kreditkarten sehen Verbraucherschützer daher nicht: «Es ist nur eine zusätzliche Möglichkeit, einen teuren Kredit aufzunehmen», sagt Hjördis Christiansen von der Verbraucherzentrale in Hamburg.

Dispokredite der Banken sein oft günstiger für den Verbraucher. Christiansen empfiehlt daher, die Kreditkarte - wie auch bisher üblich - an das eigene Girokonto zu koppeln. Als Zahlungsmittel seien Kreditkarten ideal. «Sie sind bequem im Inland und ein kostengünstiges Zahlungsmittel im Ausland», sagt Christiansen. «Von der Revolving-Funktion lassen Sie aber besser die Finger.»

Wer schon in Besitz einer Revolving-Kreditkarte ist, tut Christiansen zufolge gut daran, diese zu kündigen. Die entsprechenden Fristen sind dem Kreditkartenvertrag zu entnehmen. Ausstehende Beträge sollten möglichst umgehend beglichen werden. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf rät Kreditkarten-Besitzern grundsätzlich dazu, die Kreditkartenabrechnungen jeweils aktuell zu prüfen.

Denn nicht bei allen Anbietern sei im Verfahren der automatische monatliche Kontoausgleich vorgesehen. Es werde vielmehr auf die Unkenntnis und Trägheit der Kunden gebaut - und teilweise werde ihnen die Revolving-Funktion einfach untergeschoben.

mas

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