Forschung
Die Wirtschaftskrise als Chance zum Glück

Ein Lottogewinn, die Liebe, Kinder oder doch das schicke teure Auto - was macht uns glücklich? Dr. Annegret Braun von der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität weiß: Wer wirklich glücklich sein will, sollte Löwen und Bären aus dem Weg gehen.

Hundeherrchen und -frauchen sind die glücklicheren Menschen. Bild: dpa

ARD-Lottofee Franziska Reichenbacher machte in den vergangenen zehn Jahren mit der Ziehung der richtigen Zahlen fast 900 Menschen zu Millionären. Am Samstag war sie wahrscheinlich selbst am glücklichsten. Die 41-Jährige moderierte zum 500. Mal die Ziehung der Glückszahlen.

Geld jedoch macht nicht glücklich. Das fand Edward Diener, Psychologieprofessor an der University of Illinois, bekannt unter dem Namen «Dr. Happiness» heraus. Seine Studie zeigt, dass genau soviel Geld glücklich macht, wie man zum Leben braucht. Alles was darüber hinausgeht, macht nicht glücklicher. Zu wenig Geld ist allerdings auch ein Grund für Unzufriedenheit.

Hunde können ebenfalls Glücksgefühle auslösen. Wie die Apotheken Umschau berichtet, schüttet das Hirn bei Frauchen und Herrchen verstärkt das Hormon Oxytocin aus, das unter anderem Gefühle wie Liebe, Treue und eine innige Mutter-Kind-Beziehung fördert.

Auf den Spuren des Glücks bewegt sich auch Annegret Braun vom Institut für Volkskunde an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Mit Hilfe von Studenten hat sie 700 Personen zum Thema befragt. «Wir wollten wissen, was für diese Menschen Glück ist und haben sie eine Glücksgeschichte erzählen lassen», sagt Annegret Braun im Gespräch mit news.de. Diese Glücksgefühle hat sie in drei Kategorien unterteilt. «Glück wird als Hochgefühl beziehungsweise Euphorie, als Freude oder auch als Zufriedenheit erlebt.»

Eine einfache Definition gibt es für das komplexe Thema Glück nicht, ist sich die Forscherin sicher. Dieser Meinung ist auch Alfred Bellebaum. Der Gründer des Instituts für Glücksforschung in Valledar kennt trotz jahrelanger Forschung - er leitete das Institut von 1990 bis 2006 - die Glücksdefinition nicht. «Was ist Glück? Diese Frage kann man Psychologen, Theologen, Biologen und vielen anderen Wissenschaftlern stellen und wird keine erschöpfende Antwort bekommen», sagt der Professor.

Glück sei eine ganz individuelle Sache, meint Annegret Braun. «Genussmomente wie Essen, das Erleben der Natur oder Erfolg. Wenn man etwas Schwieriges geschafft hat, das bedeutete für die von uns Befragten Glück.» Somit sei Glück auf jeden Fall eine Empfindung des Moments. «Glück kann nicht dauerhaft sein, das ist ein Widerspruch. Die Gesellschaft sucht zwar nach einem dauerhaften Glück, aber das ist unmöglich», sagt Braun. So eine Glückssuche könne auch unglücklich machen.

Die Forscherin sieht auch die Wirtschaftskrise als gute Chance, da Krisen die Menschen weiterbringen und sie sich auf das wirklich Wichtige im Leben zurückbesinnen. «Viele merken jetzt, dass das vermeintliche Glück, dem sie nachgejagt sind, wie Konsum, nicht so wichtig ist wie zum Beispiel Familie. Krisen gehören zum Leben dazu, das hat den Vorteil, dass man das Glück wieder bewusst erleben kann», sagt Braun.

Bei Glücksratgebern, die zu hunderten den Büchermarkt überschwemmen, gibt sie zu bedenken: «Viele Ratgeber ignorieren, dass einfach nicht alles machbar ist. Das sind Tipps, die man nur zum Teil umsetzen kann», sagt Braun. Sie selbst gibt deshalb nur eingeschränkt Hinweise für ein glückliches Leben: «Die wichtigsten Glücksquellen überhaupt sind Beziehungen zu anderen Menschen, wie Familie und Freunde. Weiterhin sollte man das Positive im Leben sehen, denn Glück ist allein eine Sache der Wahrnehmung. Außerdem ist Dankbarkeit, für das was man hat, wichtig.» Annegret Braun wird weiter zum Thema Glück forschen, die für sie bemerkenswerteste Geschichte kennt sie aber jetzt schon. «Der kleine Max mit sieben Jahren hat gesagt: Glück ist, wenn man keinem Löwen oder Bären begegnet.»

fme/news.de

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