Interview «Ich habe keine Angst»

Nachrichten über die Schweinegrippe sind allgegenwärtig. Maria José Pereira Jaime hat diese in Mexiko verfolgt, dem Land, in dem das Virus zuerst ausbrach. News.de sprach mit der Spanierin, die mit ihrem Freund den Urlaub genoss, bis einen Tag vor der Rückreise Schweinegrippen-Alarm herrschte.

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Um sich zu schützen hatte Maria José Pereira Jaime in Mexiko Desinfektionsmittel dabei. Bild: news.de

Wie war es in Mexiko, als die Nachricht von der Schweinegrippe bekannt wurde?

Maria José Pereira Jaime: 75 Prozent der Leute haben eine Maske getragen. In Mexiko City waren aber relativ wenige Leute auf der Straße, ich denke, die meisten sind zu Hause geblieben, weil sie Angst hatten und sich schützen wollten. Die Schulen sind ja auch geschlossen worden, bis 6. Mai soll kein Unterricht sein. Und ich hatte das Gefühl, dass die Mexikaner, die es konnten, woanders hin gefahren sind, wo die Bedrohung vielleicht nicht so groß war.

Worüber haben Sie sich Sorgen gemacht?

Pereira: Mein einziger Gedanke war, ob der Flieger überhaupt geht. Ob der Flug von der Lufthansa vielleicht gecancelt wird. Das war aber nicht so.

Wollten Sie das Land so schnell wie möglich verlassen?

Pereira: Wir haben das am Samstag mitbekommen und sind am Sonntag schon geflogen. Wir wollten nicht sofort flüchten.

Wie haben Sie sich vor Ort geschützt?

Pereira: Mit einer Maske aus der Apotheke. Das Militär hat sechs Millionen Masken verteilt. Du konntest in jede Apotheke gehen und danach fragen. Außerdem habe ich bei jeder Reise immer ein Desinfektionsmittel dabei, denn in so einem südlichen Land weiß man nicht, wie die Hygiene ist. Das habe ich dann am letzten Tag in Mexiko viel mehr genutzt als sonst. Nicht weil es dreckig war, sondern, um mich zu schützen. Zum Beispiel wenn ich beim Einkaufen Geld zurückbekommen habe.

Wo haben Sie sich informiert?

Pereira: Ich hatte ja den Vorteil, dass ich Spanisch spreche, so konnte ich die Ansprache des Präsidenten verfolgen. Im Fernsehen wurde auch erklärt, was es für eine Krankheit ist, was die Symptome sind und wie man sich schützen kann. Ich habe allerdings auch in deutschen und spanischen Zeitungen gelesen und CNN geschaut. Am Flughafen haben wir alle Zettel bekommen, auf denen standen die Symptome der Schweinegrippe. Falls wir die hätten, sollten wir uns an die Crew wenden.

Die Krankheit wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Hatten Sie Angst, wenn neben Ihnen jemand geniest hat?

Pereira: Auf der Straße eigentlich nicht, aber im Flugzeug auf jeden Fall. Wenn jemand geniest hat, hast du schon geguckt und gehofft, dass er nicht krank ist und dich ansteckt.

Haben Sie im Flugzeug Informationen bekommen?

Pereira: Nein, das war auch das Schlimmste. Ich habe nur durch die tuschelnden Stewardessen mitgekriegt, dass tatsächlich jemand in unserem Flugzeug krank war. Der hat drei Reihen hinter mir gesessen. Er hatte Fieber und hat sehr geschwitzt. Ob der jetzt Schweinegrippe hat oder nicht, wusste man nicht. Aus einer Zeitung wusste ich, dass die Fluggesellschaften die kranken Passagiere in die letzte Reihe setzen sollen, zur Sicherheit der anderen Passagiere. Auch wenn sie nicht diese Grippe haben. Das hat die Lufthansa nicht gemacht, und das fand ich sehr schade.

Was ist nach der Landung am Flughafen passiert?

Pereira: Ich bin in Frankfurt von 20 Journalisten begrüßt worden. Alle haben Fotos gemacht und gefragt, ob ich gerade aus Mexiko komme. Ich bin aber einfach durchgelaufen mit den Worten ‹Nee, keine Zeit›.

Sind Sie in Quarantäne gekommen?

Pereira: Nein, das gab es gar nicht.

Haben Sie sich zu Hause in Leipzig untersuchen lassen?

Pereira: Zur Sicherheit war ich in der Uniklinik Leipzig. Die haben aber keine Informationen von der WHO, wie sie reagieren sollen. Alle Krankenschwestern sind gereizt und werden laut und nervös. Die meisten sind einen halben Meter zurück gesprungen. Das ist meiner Meinung nach eine sehr unprofessionelle Reaktion für Menschen, die täglich mit Patienten arbeiten. Laut des Gesundheitsamts werden auch nur Patienten mit Fieber über 38,5 Grad untersucht. Ohne diese Symptome soll man sich keine Gedanken machen.

Und wie haben Ihre Kollegen reagiert?

Pereira: Die Leute haben Angst. Es gibt viele, die jetzt zu Hypochondern geworden sind. Andere wollen in den nächsten vier Wochen nur noch telefonischen Kontakt haben. Das ist sehr unangenehm für die, die gerade aus Mexiko zurückgekommen sind.

Haben Sie denn Angst, dass Sie sich angesteckt haben könnten?

Pereira: Nein, ich hab keine Angst, weil ich weiß, dass es Medikamente gibt.

Was sagen denn die Mexikaner, die Sie dort kennen, über den Ausbruch der Schweinegrippe?

Pereira: Die sind zwar traurig, aber sie sehen das auch realistisch und sagen, na gut, dann müssen wir uns jetzt schützen.


Maria José Pereira Jaime kommt ursprünglich aus Barcelona. Die Spanierin ist 29 Jahre alt und lebt seit vier Jahren in Leipzig.

ruk

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 3
  • 03.08.2009 22:23

8 (acht) Tote - jährlich sterben allein in Deutschland über 8000 (achttausend)Menschen an der "normalen Grippe - und keiner regt sich auf. könnte Einen ratlos stimmen, wenn man nicht annehmen würde: Neuigkeiten sind nicht durch Ihre Wertigkeit relevant.

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  • Kommentar 2
  • 24.05.2009 13:21

Na die Knutscherei muß auch aus fallen ,leider .Werden es schon überstehen .

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  • Kommentar 1
  • 07.05.2009 21:48

Leute kauft Virusmittel Relenza und Tamiflu, damit der Spuck bald ein Ende hat! Der Staat macht es doch auch für Millionen Euro. Die Medikamente werden bewertet in dem seriösen Buch Bittere Pillen: „Abzuraten, therapeutische Wirkung zweifelhaft, noch unzureichend erprobt“ Merkwürdig: Wieso weis das Gesundheitsamt das dieses Mittel für den neuen Virus „Schweinegrippe“ wirksam sind. Die Pharmaindustrie muss Hellseher beschäftigt haben. Keinen Lieferschwierigkeiten. Ein profitabler Markt. Ein Schelm, der was Schlechtes denkt. Warten wir auf die Ankündigung der nächsten Epidemie dann gibt es wieder neue Medikamente. Es ist keine gefährliche Schweinegrippe sondern eine Schweinerei. Ich lasse mich nicht verdummbeuteln.

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