Von Thomas Brey - 28.04.2009, 14.21 Uhr

Polizeischlag: Drogenkönig dingfest gemacht

Sreten Jocic hat sich nie versteckt. Der Serbe, der als Europas Drogenkönig gilt, liebt es, sich in Szene zu setzen. Ihm werden diverse Morde zugeschrieben, doch seine guten Beziehungen sollen ihn bisher geschützt haben. Nun ist er in Belgrad wegen Mordverdachts festgenommen worden.

Schwer bewaffnet nahmen serbische Polizisten Sreten Jocic fest. Bild: dpa

«Europas Drogenkönig» Sreten Jocic sitzt hinter Gittern. Serbische Medien bringen ihn mit wenigstens zwei Dutzend Morden, Heroin- und Kokainhandel im großen Stil sowie Waffenhandel in Verbindung - nicht nur auf dem Balkan.

Dennoch lebte er seit Jahren in Serbien auf freiem Fuß. Er soll über engste Verbindungen zu Geheimdiensten und zur Politik verfügen. Nun wurde er am Montag unter Mordverdacht festgenommen - in seiner Villa in der Hauptstadt Belgrad, die vormals dem ehemaligen serbischen Autokraten Slobodan Milosevic gehörte.

Der kleingewachsene, durchtrainierte 47-Jährige liebte die großen Auftritte in der Öffentlichkeit. Stets erschien er im hellen Anzug, weit aufgeknöpftem Hemd, meist mit Sonnenbrille und in Begleitung Muskel bepackter Bodyguards. Sein Wagenpark aus teuersten Jeeps und Limousinen stand dem eines Staatschefs um nichts nach. In seiner Heimat Serbien gab er sich als seriöser Geschäftsmann, war ganz zeitgemäß in die Produktion von Bio-Nahrung eingestiegen.

Er verdiene monatlich 600 Euro, hatte er vor kurzem vor einem Belgrader Gericht ausgesagt. Dort ist er für einen Auftragsmord im Jahr 1995 angeklagt, für den er den Killern 200.000 Mark gezahlt haben soll. Wie er mit seinem bescheidenen Einkommen 300.000 Euro Kaution hinterlegen konnte, um frei zu bleiben, erklärte er nicht. Wie er die Miete von mehreren tausend Euro im Monat für die Villa des von Slobodan Milosevic aufbringt, blieb ebenfalls offen.

Jocic stammt aus der serbischen Provinzstadt Palanka, schaffte gerade mal die Grundschule und «spezialisierte» sich von Jugend an auf seine kriminelle Karriere. Seine Gangsterlaufbahn begann 1990 mit der Verwicklung in einen Mord in einem Amsterdamer Sexclub.

Seinen Ganovennamen «Joca Amsterdam» erhielt er nach dem Aufstieg zum unangefochtenen Führer der «Jugo-Mafia» in den Niederlanden, deren Spezialitäten Waffen und Drogen aus Kolumbien waren. Bei seiner Festnahme 1991 lieferte sich der Schwerkriminelle einen filmreifen Schusswechsel mit der Polizei, konnte später aber nach Bulgarien fliehen.

Dort war er schon bald einer der unangefochtenen Führer des kriminellen Milieus. Er habe unter dem Schutz des Geheimdienstes und des heutigen Bürgermeisters von Sofia, Bojko Borissow, gestanden, hatte Jocic vor kurzem vor Gericht ausgesagt. Borissow bestreitet das zwar, aber das bulgarische Parlament untersucht den Fall mit einem Sonderausschuss. Im Herbst 2000 soll Jocic die Morde an den niederländischen Unterweltbossen Sam Klepper und Jan Femer organisiert haben.

Auf sein Konto geht nach Darstellung des Gerichts auch die Ermordung des bulgarischen Unterweltbosses Milco Bonev und dessen fünf Leibwächter im Juli 2004 in Sofia. Lange soll Jocic unter dem Schutz des serbischen Geheimdienstes gestanden haben.

Doch jetzt wurde ihm der Mord an zwei kroatischen Journalisten im Oktober 2008 zum Verhängnis, die selbst eng mit der Mafia verbandelt gewesen sein sollen. Noch am vergangenen Freitag fand die Polizei im Belgrader Vorort Dobanovci in einem Jeep zwei verkohlte Leichen. Dahinter könnte nach Polizeiangaben wieder einmal Sreten Jocic stehen.

iwi/nak

Empfehlungen für den news.de-Leser