Schweinegrippe H1N1 Erster Fall in Europa bestätigt

Die Schweinegrippe ist in Europa angekommen und lässt Ängste vor einer Pandemie weiter wachsen. Den ersten Fall auf dem Kontinent bestätigte Spanien: Ein junger Mann, der kürzlich aus Mexiko zurückgekehrt sei, habe sich infiziert. Besonders auf Flughäfen herrscht erhöhte Alarmbereitschaft.

Fragen und Antworten zur Schweinegrippe (Foto)
Grippemedikamente sollen gegen das Schweinegrippevirus helfen. Bild: dpa

Die spanische Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez erklärte, dass die Behandlung bei dem 23-jährigen Patienten gut anschlage, er also nicht ernsthaft erkrankt sei.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou riet von Reisen nach Mexiko ab, «um das Risiko zu minimieren». Touristen, die gegenwärtig vor Ort seien oder aus Mexiko zurückkehrten, sollten einen Arzt aufsuchen, empfahl Vassiliou in einer in Brüssel ausgestrahlten Videobotschaft. Die Gesundheitskommissarin will am Donnerstag in Luxemburg mit den EU-Außenministern über mögliche Schutzvorkehrungen beraten.

In Mexiko stieg die Zahl der Grippetoten nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 103 - unklar ist, wie viele Menschen mit dem Virus infiziert waren. Die US-Regierung rief den Gesundheits-Alarmzustand aus. Mindestens 20 Infektionen wurden offiziell bestätigt, in Kanada sind es sechs. Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle teilte mit, inzwischen seien 20 Fälle von Schweinegrippe in fünf US-Staaten bestätigt worden. Alle Patienten seien wieder genesen oder dabei, sich zu erholen. Es gebe keinen Grund zur Panik, betonte das Weiße Haus.

In Europa gibt es neben dem bestätigten Fall 17 Verdachtsfälle in Spanien und einen in Frankreich. Weitere Verdachtsfälle gibt es in Israel, Neuseeland und Brasilien. Die Gesundheitsbehörden in Hongkong erklärten, Wissenschaftler wollten einen Viren-Schnelltest entwickeln. Ergebnisse sollen künftig innerhalb von sechs Stunden vorliegen.

Die Entwicklung eines spezifischen Impfstoffs gegen ein neues Grippevirus dauert in der Regel Monate. Nach ersten Tests der US-Seuchenkontrollbehörde CDC spricht das mutierte Schweinegrippevirus aber immerhin auf Grippemedikamente der neuen Generation an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf hatte dem mutierten Schweinegrippevirus vom Subtyp A/H1N1 das Potenzial für eine Pandemie bescheinigt.

Der neue Grippeerreger weist genetische Merkmale des Schweins, von Vögeln und auch des Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. «Wir sind sehr, sehr besorgt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. «Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch.»

Wegen der Schweinegrippe herrscht am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main erhöhte Alarmbereitschaft. Bereits seit Samstag gebe es die Anweisung, Reisende aus Mexiko, bei denen Verdacht auf Schweinegrippe bestehe, von Ärzten des Gesundheitsamtes und der Flughafenklinik noch im Flugzeug zu untersuchen und gegebenenfalls in die Universitätsklinik zur weiteren Diagnostik und Behandlung zu bringen, teilte das hessische Gesundheitsministerium mit.

Etwa sieben Stunden nach dem Test liege dessen Ergebnis auch als Information für Mitpassagiere und Crew vor. Sollte sich ein Test als positiv erweisen, erhielten die Mitpassagiere und die Crew umgehend Medikamente, die die Erkrankung verhinderten. Unabhängig davon bekämen alle Passagiere ein Merkblatt des Robert-Koch-Instituts mit Verhaltenshinweisen und Informationen zur Schweineinfluenza.

In Frankfurt landet täglich eine Maschine der Lufthansa aus Mexiko-Stadt. Ebenso fliegt jeden Tag eine Maschine von Frankfurt in die Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes.

Lesen Sie auf Seite 2 Fragen und Antworten zur Schweinegrippe

Nach Überzeugung von Experten wird sich die Schweinegrippe bald auch in Deutschland ausbreiten. Sie warnen aber vor Panik. Die folgenden Fragen und Antworten basieren auf Informationen des Robert-Koch-Instituts in Berlin und der Weltgesundheitsorganisation.

Was ist die Schweinegrippe?

Die Atemwegserkrankung ist bei Schweinen sehr verbreitet, gewöhnlich sterben aber wenige Tiere daran. Die Viren vom Subtyp A/H1N1 wurden erstmalig im Jahr 1930 isoliert. Wie alle Grippe-Viren verändert sich auch dieses ständig. In den vergangenen Jahren sind unter anderem die vier Subtypen H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1 entdeckt worden. Mit H und N werden die beiden Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt. Wie sich die aktuelle Grippe weltweit entwickelt, wissen die Experten noch nicht.

Welche Symptome treten beim Menschen auf?

Die Symptome sind ähnlich denen der saisonalen Grippe: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit sowie Husten. Einige Menschen, die mit Schweineinfluenza-Viren infiziert waren, berichteten über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Kann man durch den Verzehr von Schweinefleisch erkranken?

Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht davon aus, dass Schweinegrippe-Viren nicht durch Nahrungsmittel übertragen werden und weist darauf hin, dass ein Erhitzen von Schweinefleisch auf 72 Grad Celsius die Viren sicher abtötet.

Wie wird Schweinegrippe verbreitet?

Die Viren können direkt von Schwein zu Mensch (aber auch von Mensch zu Schwein) übertragen werden. Bisher sind Infektionen beim Menschen in erster Linie durch direkten Kontakt zu Schweinen erfolgt. Der aktuelle Ausbruch in Mexiko zeigt, dass man inzwischen auch von einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung ausgehen muss. Dies geschieht auf gleiche Weise wie die gewöhnliche Grippe-Infektion vorwiegend über Tröpfchen, zum Beispiel beim Husten oder Niesen.

Welche Medikamente stehen zur Verfügung?

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat erste Hinweise, dass die neueren Grippemedikamente Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) und Relenza (Wirkstoff Zanamivir) bei der aktuellen Schweinegrippe wirksam sind.

Gab es in der Vergangenheit bereits Ausbrüche dieser Grippe?

In Amerika gab es im Jahr 1976 in New Jersey einen Ausbruch unter Soldaten. Vier Soldaten erkrankten an einer Lungenentzündung. Es gab einen Todesfall. Die Übertragung erfolgte von Mensch zu Mensch.

Kann man in die von der Schweinegrippe betroffenen Gebiete reisen?

Die amerikanischen Gesundheitsbehörden sehen derzeit für die USA und auch für Mexiko keine Reiseeinschränkungen vor. Das Auswärtige Amt veröffentlichte bisher keine Reisewarnung, es empfiehlt Reisenden aber, «die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen». Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht Situationseinschätzungen im Internet.

iwe/ruk

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 28.04.2009 22:10

Wieso landen immer noch täglich Maschinen der Lufthansa aus Mexiko-Stadt in Deutschland?! Wäre es nicht sinnvoller für ein paar Wochen Flugverkehr aus Mexiko zu unterbrechen ?

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