Klonen
Der Menschen-Macher

Panayiotis Zavos behauptet, er könne Menschen klonen. Er hat sich dabei filmen lassen und angeblich bereits vier Frauen seine geklonten Zellhaufen eingepflanzt. In den meisten westlichen Staaten ist das verboten, aber dem Forscher bringt es viel Geld ein. Mindestens 45.000 US-Dollar kostet sein Eingriff.

Deutsche Reproduktinsmediziner wollen mit Panayiotis Zavos nichts zu tun haben. Bild: dpa

Seriöse Reproduktionsmediziner wollen mit Panayiotis Zavos nichts zu tun haben. Das ist Ulrich Hilland wichtig. Der Gynäkologe aus Bocholt steht dem Bundesverband der Reproduktionsmedizinischen Zentren Deutschlands vor und möchte jeden ethischen Makel von seinem Berufsstand fernhalten: «Er ist weltweit geächtet, daran ist nichts zu deuten.»

Interesse an Zavos' angeblichen Errungenschaften oder gar Sympathie liegen den Medizinern daher fern. Mensch zu klonen, «das ist mit der Würde des Menschen nicht vereinbar». Aber Hilland glaubt auch nicht, dass sein zwielichtiger Kollege wirklich Menschen reproduzieren kann. «Er behauptet ja immer wieder, dass er reproduktiv geklont haben will. Aber es ist nie eindeutig belegt worden, dass es so ist», betont Hilland.

Auf Panayiotis Zavos' Website ist der US-Forscher, der auf Zypern geboren wurde, in einer Fotomontage zu sehen. Links ein Baby, rechts ein Baby. Die beiden sind identisch, nur spiegelverkehrt. «Der erste zu sein ist alles, worauf es ankommt», steht unter einem weiteren Bild, das Zavos lachend am Mikroskop zeigt.

Panayiotis Zavos behauptet, Menschen klonen zu können, und er will der erste sein, dem dies auch gelingt. Am Dienstag war auf dem britischen Discovery Channel eine Dokumentation zu sehen, die den Reproduktionswissenschaftler bei seiner Arbeit im Labor zeigte. «Meinen Babys geht es gut, sie sehen wundervoll aus», kommentiert er, während er offenbar befruchtete Eizellen betrachtet.

Ein unabhängiger Dokumentarfilmer machte die Aufnahmen und bestätigte gegenüber der britischen Tageszeitung Independent, das Klonen habe tatsächlich stattgefunden. «Wenn die Implantation auch Erfolg hat und der Prozess weiterläuft, schaffen wir einen Home Run, wie die Amerikaner sagen», erklärt Zavos in die Kamera. 14 Embryos will er im Reagenzglas reproduziert haben.

Die Aufnahmen sollen in einem Labor im Nahen Osten entstanden sein, wo Klonen nicht strafbar ist, schreibt der Independent. Denn was Zavos da zu können vorgibt, ist in den meisten westlichen Staaten verboten. Großbritannien erlaubt zwar das so genannte therapeutische Klonen, also das Klonen von Stammzellen für medizinische Zwecke, reproduktives Klonen jedoch steht auch dort nicht zur Diskussion.

Dass Zavos sich dennoch mit seinen Behauptungen immer wieder selbst ins Rampenlicht rückt, hat nach Auffassung von Ulrich Hilland einen sehr schlichten Hintergrund. «Für die Allermeisten ist das Klonen von Menschen unvertretbar. Deshalb ist das Medieninteresse vorprogrammiert.»

Tatsächlich muss sich Zavos um Werbung offenbar keine Gedanken machen. Nach eigenen Angaben hat er 100 ernstgemeinte Anfragen für die künstliche Befruchtung mit einem geklonten Embryo vorliegen. Er wolle Paaren ihren Kinderwunsch verwirklichen, pflegt Zavos seine Tätigkeit zu begründen. Und so ein Eingriff kostet bei der Zavos-Organisation zwischen 45.000 und 75.000 US-Dollar.

Vier verschiedene Frauen habe er insgesamt elf geklonte Embyros eingepflanzt, behauptet Zavos, darunter eine Britin und eine US-Bürgerin. Schwanger geworden ist keine von ihnen, aber, so Zavos: «Dies war erst das erste Kapitel». Wenn er zehn viel versprechende Paare auswählen könnte, werde er sicher Erfolg haben. «Es gibt absolut keinen Zweifel daran, dass das geklonte Kind kommt. Auch wenn nicht ich es schaffe», sagte Zavos dem Independent.

Auch genetisches Material von drei toten Menschen will der Forscher entnommen haben. Darunter das eines zehnjährigen Mädchens, das bei einem Verkehrsunfall umgekommen war. Den trauernden Eltern wollte er damit entgegenkommen, lautet seine Begründung. Tote wiederzubeleben liege jedoch nicht in seiner Absicht. Daher habe er deren Erbmaterial auch nicht menschlichen, sondern den Zellen einer Kuh eingepflanzt: das «Hybrid-Modell». «Wir wollten nicht an menschlichen Embryos experimentieren, deshalb haben wir den Hybriden entwickelt», sagte Zavos.

Er steht nicht zum ersten Mal auf der Showbühne. Seit 1996 Schaf Dolly geklont wurde, ist er, ebenso wie der italienische Fruchtbarkeitsarzt Severino Antinori und die amerikanischen Raelianer-Sekte, dem Menschen-Klon auf den Fersen.
2004 behauptete Zavos zum ersten Mal, einen geklonten Embryo in eine menschliche Gebärmutter eingepflanzt zu haben, konnte jedoch auch damals nichts beweisen.

iwe

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