Diebstahlversicherung Fahrrad weg - was nun?

Mehr als 350.000 Fahrräder werden jedes Jahr in Deutschland gestohlen. Die Aufklärungsquote ist nach Angaben des Bundeskriminalamts sehr gering. Umso mehr sollten passionierte Radler für einen ausreichenden Versicherungsschutz sorgen.

Fahrraddiebstahl (Foto)
Schnell ist das Rad weg - was man dann von der Versicherung bekommt, entscheidet das Kleingedruckte. Bild: dpa

Radler können sich vor dem Verlust ihres Drahtesels entweder über eine gängige Hausratversicherung schützen oder sie wählen eine spezielle Fahrradversicherung. Bei einer Hausratversicherung entfällt allerdings meist nur ein Prozent der Versicherungssumme auf das Fahrrad, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Lohnen könne sich ein solcher Vertragsabschluss vor allem für Familien, die mehrere Fahrräder haben, die nicht besonders wertvoll sind, sagt Roland Huhn, Rechtsreferent beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club in Bremen. Dabei sei auch egal, ob zum Beispiel eines der Kinder im Laufe der Zeit von einem Laufrad auf ein größeres Rad umsteigt. Der Nachteil: Wenn alle Räder gleichzeitig gestohlen werden, gibt es auch nur ein Prozent der Versicherungssumme.

Übersteigt der Wert des Fahrrades den Ein-Prozent-Anteil am Hausrat, kann das ein Fall für die Spezialversicherung sein. «Wenn das Rad 3000 bis 4000 Euro kostet, komme ich mit der Hausratversicherung nicht hin», sagt Weidenbach. Denn ein durchschnittlicher Hausratswert liegt zwischen 40.000 und 60.000 Euro - ein Prozent davon wären also zwischen 400 und 600 Euro. Mehr bekommt man im Falle eines Diebstahls nicht zurück.

Entsprechend lohnt sich bei teuren Rädern eine Spezialversicherung. Gleiches gilt beispielsweise für einen Studenten, dessen größter Stolz sein teurer Drahtesel ist, der aber seinen Hausrat gar nicht versichern will, sagt Huhn.

Bei der Auswahl gilt es allerdings ein paar Regeln zu beachten. Weidenbach warnt dabei vor allem vor Spezialversicherungen mit einer Abstufung der Entschädigung. Meist zahlen die Versicherer nicht den Neuwert des Rades - die Summe sei vielmehr abhängig vom Alter des Rades. «Je länger ich das Fahrrad habe, umso mehr wird diese Versicherung zum Kostenfaktor.» Und meist gebe es auch bei den Spezialpolicen Obergrenzen für die Entschädigungssumme - die liege oft bei 3000 Euro, sagt Weidenbach.

Lesen Sie auf Seite 2, was Sie im Falle eines Diebstahls tun sollten

Vorsicht sei außerdem bei den vermeintlich kleinen Kriterien und Vorschriften angebracht. So gebe es Versicherer, die vorschreiben, mit welcher Art Schloss das Fahrrad gesichert werden muss. Solche Vorgaben machen zum Teil aber auch die Hausratversicherer. «Hausratversicherungen beinhalten häufig eine sogenannte Nachtklausel», sagt Weidenbach. Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ist das Fahrrad demnach nicht versichert, wenn es nicht in einem Fahrradkeller, der Wohnung oder der Garage steht. «Wenn man sein Fahrrad nachts vor dem Haus stehen lassen möchte, ist das nicht das Richtige.» Ebenso wenig zahlt der Versicherer, wenn das Rad nach 22 Uhr noch in Gebrauch ist und etwa vor der Kneipe gestohlen wird.

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin gibt es mittlerweile allerdings auch Versicherungen, die diese Klausel nicht mehr enthalten. «Gerade in größeren Städten gibt es oft keine Fahrradkeller. Aber man kann den Leuten ja nicht zumuten, das Fahrrad in den vierten Stock zu schleppen», sagt Referent Stephan Schweda.

Ein weiterer Unterschied zwischen den Policen: Die Spezialversicherungen helfen auch dann, wenn das Rad beschädigt wird oder Materialfehler hat, sagt Weidenbach. Und wie bei der Kfz-Versicherung könne auch bei Rädern eine Panne durch einen Schutzbrief abgesichert werden, so der GDV. Nach einer Panne oder einem Unfall werden dann die Transportkosten für das Fahrrad bis zur nächsten Werkstatt und die Kosten für ein Mietrad gezahlt. Das könne sich etwa für all jene lohnen, die mit ihrem Fahrrad in den Urlaub radeln.

Ist das Rad trotz aller Vorsichtsmaßnahmen weg, sollten Bestohlene sofort zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Nur dann zahlt auch die Versicherung. Außerdem sollte der Besitzer noch alle mitgelieferten Fahrradschlüssel besitzen. Einige Versicherer fordern das als Nachweis dafür, dass das Fahrrad auch wirklich abgeschlossen war. Ein aufgehobener Kaufbeleg hilft dabei, mit dem Versicherer schnell über den Wert des Fahrrads einig zu werden. Auch ein Foto und der Fahrradpass helfen.

Lesen Sie auf Seite 3, wie Sie Ihr Fahrrad vor Dieben schützen können

Zum Schutz vor Dieben sollten Fahrräder an gut einsehbaren Plätzen abgestellt und sowohl am Rahmen als auch an einem Laufrad angeschlossen werden. Abschreckend wirken vor allem starke Schlösser, da Diebe viel Zeit und gutes Werkzeug benötigen, um sie zu knacken. Die Vereinigung Geld und Verbraucher weist auf weitere Tipps der Polizei hin:

Wählen Sie beim Kauf von Fahrradsicherungen hochwertiges Material wie massive Bügel- oder Panzerkabelschlösser.

Nehmen Sie das Werkzeug immer aus der Werkzeug- oder Satteltasche mit und lassen Sie es nicht beim Fahrrad.

Notieren Sie sich die Rahmennummer Ihres Rades und lassen Sie beim Fahrradhändler eine zusätzliche Codiernummer anbringen.

Ein sorgfältig ausgefüllter Fahrradpass und ein Foto des Rades erleichtern nach einem Diebstahl die Fahndung und die Zuordnung des Fahrrades nach dem Wiederauffinden.

Verlangen Sie beim Kauf gebrauchter Fahrräder einen Eigentumsnachweis.

mas/ruk

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Steffi
  • Kommentar 1
  • 15.04.2012 14:46

Hallo, da ich selber mehrfach Opfer von Fahrraddiebstahl geworden bin, habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie es uns allen möglich ist, effektiv gegen Fahrraddiebstahl vorzugehen! Fahrraddieben in Deutschland wird ab sofort der Kampf angesagt! FahrradJäger ist DER zentrale Anlaufpunkt für alle... ...die ihr Rad vor Dieben schützen möchten ...deren Rad bereits gestohlen wurde ...die sich vor dem Kauf eines gebrauchten Rades absichern möchten, keine Hehlerware zu erstehen! Viele Grüße, Steffi

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