47 Tage ohne Daily Soaps Daily Soaps, ihr habt mich wieder!

Soap Verbotene Liebe (Foto)
Liebe, Herzschmerz und Intrigen - mein Leben hat wieder einen Sinn. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anja Guhlan
Daily Soap-Studien hin oder her, aber ein Experte hautnah am Telefon ist tausend Mal besser. Zum Ende meiner Seifenopern-Fastenzeit bestätigte mir dieser, dass ich nicht «soapsüchtig» bin und empfahl mir sogar, weiter zu gucken.

Am Anfang meiner Fastenzeit gestand ich in aller Öffentlichkeit, dass ich «soapsüchtig» bin. Nun muss ich das einschränken. Denn ein richtig schlimmer Fall scheine ich nicht zu sein, wie mich der Medienpsychologe Jo Groebel belehrte: «Von einer Soapsucht kann man wirklich nicht sprechen», meinte Professor Groebel zu mir. Denn eine Sucht zeige sich erst durch schwerwiegende Symptome. Zum Beispiel wenn man lieber Seifenopern anschaue, statt die Kinder zu behüten. Oder die Arbeit vernachlässige, weil man nur noch an die Seifenopern denke. Okay, Kinder habe ich noch nicht. Aber in der Redaktion kann ich mich durchaus auf die Arbeit konzentrieren.

Nachdem ich ihm aber meinen täglichen Soap-Plan geschildert hatte, gestand mir der Professor zu: «Eine gewisse Abhängigkeit sehe ich da schon, obwohl diese nicht negativ zu bewerten ist.»

«Richtig», dachte ich mir. Denn wie ich beim Lesen von Aberhundert Studien gelernt habe, vermitteln Seifenopern durchaus auch Werte sowie Bildung und fördern die Persönlichkeitsentwicklung. Professor Groebel meinte: «Zwar können Telenovelas nicht komplette Werte vermitteln, aber sie können bestimmte Auffassungen vom Leben eines Menschen ändern.» Seine Beispiele: Soaps haben dazu geführt, die Emanzipation der Frauen zu stärken. Seifenopern aus den 1960er Jahren haben gar das Gesellschaftsbild verändert. Früher lebte jeder strikt bei seiner Familie, heute wohnen Gemeinschaften zusammen.

«In diesen Fällen sind die Soaps immer schneller als die Realität», sagte Professor Groebel. Ich freute mich. Soaps tun also gut. Natürlich wollte ich noch mehr Vorteile erhaschen und der Professor stimmte mir wirklich zu, dass die Hauptfunktionen eher positiv als negativ zu bewerten sind. Erstens können Soaps die Probleme der Zuschauer lösen, indem ich mich als Zuschauer so sehr mit den Protagonisten der Serie identifiziere, dass ich von ihnen lerne.

Und zweitens dienen sie zum Entspannen und Abschalten. Und genau in diesem Punkt hatte ich den Professor da, wo ich ihn haben wollte. In den vergangenen Tagen war ich nämlich irgendwie unausstehlich, genervt und vor allem so müde. Die Zeiten zum Abschalten und Ausruhen, in denen ich bisher immer meine Soaps geschaut hatte, fehlten mir plötzlich so sehr, meine Unzufriedenheit hatte sich immer mehr aufgestaut.

Verständlicherweise war ich äußerst erleichtert, als Professor Groebel plötzlich meinte: «Für Soap-Interessierte ist eine ordentliche Dosis Daily Soaps sogar zu empfehlen.» Der Mann sprach mir aus der Seele. Und nach dem Gespräch zog ich sofort die logische Konsequenz: Ich schaltete wieder den Fernseher ein, wartete ungeduldig auf eine meiner Soaps und genoss für eine halbe Stunde den Anblick meiner Serienstars.

Ja, ich weiß. Ich habe noch dem Ende der Fastenzeit eine Soap geschaut und somit mein Sieben-Wochen-Ohne-Vorhaben gebrochen. Zumindest war ich in diesem Moment glücklich.

Und: Mir ging es von Anfang an lediglich um eine Veränderung meiner Seifenopern-Affinität, dafür habe ich lange genug durchgehalten. Heute müssen es nun nicht mehr fünf Daily Soaps nach meinem strikten Soap-Plan sein, sondern nur noch zwei Serien je nach Arbeitszeit. Ich würde sagen: Ziel erreicht. Was meinen Sie? Doch nun heißt es für mich erst einmal: Soaps, ihr habt mich endlich wieder!

san

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