44 Tage ohne Alkohol Der Schweinehund im Katerkleid

Jogging (Foto)
Fitnesstraining statt Feier-Folgen: Auch so kann ein Sonntagmorgen aussehen. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Es ist vollbracht. Das Ende der Fastenzeit steht bevor. Was hat der Selbstversuch gebracht? Angst vor der Einsamkeit, Entspannung für die Leber und eine Erkenntnis, die vor kurzem noch schrecklich gewesen wäre.

Sie lautet: Man braucht keinen Alkohol. Nicht zum Spaß haben, nicht zur Geselligkeit und schon gar nicht zum Leben. Das war mir schon vorher klar, doch das Fasten-Experiment hat mich darin bestätigt. Ich finde, mich insgesamt wacker geschlagen zu haben. Ich habe verzichtet, widerstanden und vor allem gemerkt, dass viel zu viel Bohei um das Trinken gemacht wird. Man kann sich gerne besaufen, wenn man das möchte. Und man kann es auch lassen.

Meine eigene Befürchtung, als Nicht-Trinker nicht mehr dazuzugehören, war genauso ungerechtfertigt wie all die Vorwürfe, die ich mir von anderen anhören musste. Wieso machst du das? Spaßbremse! Langweiler! Wenn man das erst einmal überstanden hat, wird klar: Abstinenz zieht keineswegs die gesellschaftliche Ächtung nach sich. Sie bedeutet auch keinen Verlust an Lebensqualität.

Deshalb bin ich auch nach meinem gewollten Fastenbrechen zum Länderspiel wieder in die Abstinenz zurückgefallen. Okay: Zum gestrigen Fußballfest in Barcelona habe ich mir ein Bier gegönnt. Aber das war's. Und auch das bevorstehende Osterwochenende wird aller Voraussicht nach so trocken bleiben wie eine Löschpapierfabrik in der Sahara.

Denn es ist wie mit vielen Dingen: Wenn man sie bewusst tut, werden sie besonders. Das gilt auch für den Alkohol: Die Wirkung ist um so größer, wenn der Rausch nicht mehr fester Bestandteil des Wochenendes ist. Noch etwas kommt hinzu: Nüchtern wird noch deutlicher, wie fragwürdig der Ausgehzwang ist. Man kann einen Samstagabend auch anders verbringen als an der Theke oder auf der Tanzfläche. Und man kann einen Sonntag auch zu anderen Dingen nutzen als zum Überwinden der Feier-Folgen, die sich oft genug erst mit der Titelmelodie des Tatort verabschieden.

An diesem Sonntag werde ich deshalb Joggen gehen. Es wird höchste Zeit. Der Frühling ist da, der innere Schweinehund hat nun keine Gelegenheit mehr, sich als Kater zu verkleiden. Und noch ein Argument gegen das Laufen fällt weg: Ab Sonntag darf ich endlich wieder meinen iPod benutzen.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig