Von news.de-Redakteurin Mara Schneider - 03.04.2009, 14.03 Uhr

Wasserrutschen: Falsches Verhalten erhöht Unfallgefahr

Vor allem für Kinder sind Wasserrutschen ein Highlight. Doch auf den Anlagen passieren die meisten Badeunfälle. Bauliche Mängel sind jedoch selten Schuld daran. Vielmehr missachten Badegäste häufig die Sicherheitsvorschriften.

Ein Mitarbeiter des Tüv kontrolliert eine Wasserrutsche. Einmal jährlich müssen die Anlagen gewartet werden. Bild: ap

Die rund 6500 öffentlichen Hallen- und Freibäder in Deutschland verzeichnen jährlich knapp 410 Millionen Besucher. Jeder Deutsche geht dabei im Jahr vier- bis fünfmal ins Schwimmbad. Und die meisten Unfälle passieren dort auf Wasserrutschen, sagt Joachim Heuser vom Bundesfachverband für öffentliche Bäder. Doch in den seltensten Fällen trifft die Schuld allein Hersteller und/oder Betreiber.

Häufig sei die Ursache für blaue Flecken, Schürfwunden oder schwerwiegendere Verletzungen im Fehlverhalten der Badegäste zu suchen. Falsche Rutschlage, Abbremsen oder Sitzenbleiben mitten auf der Strecke, Missachtung der vorgeschriebenen Abstände – die Palette der Verstöße gegen die Badeordnung ist lang. «Es muss noch nicht einmal der Betroffene selbst Schuld sein», sagt Heuser. Wenn sich der Vor- oder Nachrutscher nicht an die Regeln hält, besteht auch für sicherheitsbewusste Besucher eine Gefahr.

Defekte an der Wasserrutsche seien hingegen die Ausnahme. «Manchmal kann es sein, dass sich ein Element um ein paar Millimeter absenkt und sich Menschen an dem daraus entstandenen Huckel blaue Flecken zuziehen. Aber das sind in der Regel keine lebensbedrohlichen Gefahren», sagt Heuser.

Generell besteht beim Benutzen der Rutschanlagen immer ein gewisses Risiko. Da sie zur Kategorie Sport- und Freizeitgeräte gehören, fallen sie unter die europäische Norm DIN EN-1096. Rutschen, die kleiner als zwei Meter sind, zählen allerdings zu Spielgeräten. In der Richtlinie sind nicht nur die Anforderungen an sämtliche Einzelteile sowie Auffangbecken und Landezone der Anlagen festgehalten. Darin heißt es auch, dass die Benutzung von Wasserrutschen Risiken wie Herausfallen, Zusammenstöße oder Verbrennungen nicht ausschließt, weiß Thomas Oberst, Pressesprecher beim Tüv Süd.

Lesen Sie auf Seite 2, worauf Sie beim Benutzen einer Wasserrutsche achten müssen

Dieses Risiko gilt es schon vor Inbetriebnahme einer Wasserrutsche auf ein Minimum zu reduzieren. Deshalb prüfen Gutachter von Tüv und anderen Zertifizierungsstellen jede Anlage im Rahmen der Erstabnahme. Dabei wird zunächst geschaut, ob die Rutsche den Richtlinien entspricht, keine baulichen Mängel aufweist und Standsicherheit sowie Stabilität gewährleistet sind. Auch die Höhe des Wasserspiegels im Auffangbecken ist festgelegt. «Zu den Tests gehört aber nicht nur, dass wir Häkchen auf ein Blatt Papier setzen», sagt Oberst. «Der Prüfer zieht sich auch selbst die Badehose an und probiert die Anlage aus.»

Dann wird individuell festgelegt, wer die Rutsche künftig benutzen darf und welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind. Einschränkungen können Alter und Körpergröße der Badegäste betreffen, aber auch die erlaubte Rutschhaltung beeinflussen. Auf entsprechenden Piktogrammen, die an jeder Wasserrutsche sichtbar angebracht werden müssen, sollten sich Badegäste daher immer vorab informieren, ob beispielsweise Bauch- oder Rückenlage gestattet ist oder man nur im sitzen rutschen darf und wie viele Personen gleichzeitig auf der Anlage sein dürfen. Bei offenen Rutschen sollten zudem die Arme immer eng am Körper anliegen. Bei Tunnelrutschen regelt außerdem meist eine Ampelanlage oder eine Schranke, wann die nächste Wasserratte losrutschen darf. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, wird bei einem Unfall mit zur Verantwortung gezogen.

Der Betreiber der Anlage wiederum ist verpflichtet, die Piktogramme sichtbar anzubringen und sein Personal so zu schulen, dass eine Aufsichtspflicht entsprechend der Vorgaben gewährleistet wird. Der Gutachter kann beispielsweise festlegen, dass das Auffangbecken der Rutsche immer von einem Mitarbeiter der Schwimmhalle zu beaufsichtigen ist. Wird diese Aufsichtspflicht verletzt, haftet der Betreiber, sagt Oberst.

Zudem ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Wasserrutschen einmal pro Jahr von externen Sachverständigen kontrolliert werden müssen. Oberst ist sicher: «Wenn beim Bau einer Wasserrutsche alles in Ordnung ist, die Erstabnahme gut läuft und sich die Badegäste an die Regeln halten, dann ist das Restrisiko, sich zu verletzen, sehr klein.»

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