Phantom von Heilbronn Watte im Getriebe der Kripo

Zu viel Ohrenschmalz vom HNO-Arzt entfernen lassen (Foto)
Vermutlich lag die heiße Spur schon auf dem unbenutzten Wattestäbchen. Bild: dpa

Isabelle WiedemeierVon news.de-Redakteurin
Die DNA-Spur auf einem Wattestäbchen war die heiße Fährte, auf der Kriminologen dem Phantom von Heilbronn nachspürten. Nun haben die Ermittler herausgefunden: Die DNA-Reste waren wohl schon vorher auf dem Stäbchen. Kriminalistischer Erfolg oder größte Polizeipanne Deutschlands?

Bei den Wattestäbchen-Herstellern laufen die Telefone heiß. Die Journalisten wollen es genauer wissen, seit die Saarbrücker Staatsanwaltschaft äußerte, die DNA-Spuren des «Phantoms von Heilbronn» könnten auch von einer Baumwollpflückerin stammen. Ist es denn normal, dass auf den Stäbchen bereits DNA-Spuren kleben, wenn die Rechtsmediziner sie aus ihrer Plastikverpackung ziehen, fragt sich das Land.

Rechtsmediziner verwendeten dieselben Wattestäbchen wie Medizintechniker, erläutert Michael Bedacht, Rechtsmediziner an der Universität München. «Das sind Stäbchen für den normalen klinischen Bedarf, sie brauchen auch nicht steril zu sein, das würde gar nichts bringen», stellt er fest. Natürlich sei ihr Arbeitsmaterial aber einzeln abgepackt und würde auch im Laufe der Untersuchungen immer separat aufbewahrt, damit sich keine Spuren vermischten.

Ob ein Stäbchen hygienisch sauber ist, habe nichts damit zu tun, dass Reste einer menschlichen DNA-Kombination auf ihnen liegen könnten, informiert Klaus Ziegle von der Paul Hartmann AG, Hersteller von Wattestäbchen. Bis zur Baumwollpflückerin möchte er allerdings nicht zurückgehen: «Die Kämmlinge aus der Baumwollproduktion werden gereinigt und gebleicht. Das Bleichen ist ein sehr aggressiver Herstellungsschritt, bei dem alles organische Material wegoxidiert wird», erklärt er den Prozess.

In der Fabrik stünden dann allerdings viele von Menschen betreute Schritte an, und diese Menschen trügen zwar Haube und Kittel, aber keinen Mundschutz und keine Handschuhe. «Der Fokus ist nicht DNA-frei, es ist nicht voraussehbar, wieviel DNA letztlich darauf ist», betont Ziegle. Bei der Bestellungen fragten sie dann, welchen Anforderungen die Stäbchen genügen müssten. DNA-frei gehöre jedoch nicht dazu.

Auch die Paul Böttger OHG stellt Wattestäbchen für die Medizintechnik her, und auch hier hält eine Mitarbeiterin für möglich, dass sie DNA-Spuren trügen. Sie möchte sich allerdings nicht festlegen, andere Hersteller sich lieber gar nicht äußern: Die Wattestäbchen-Branche will nicht in Verruf geraten.

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 2
  • 27.03.2009 13:17

Haha, ja genau. Die Verschwörungstheoriefraktion legt eine Extraschicht ein? Das ist lustig :) Die Polizei muss zugeben, einem systematischen Fehler auf den Leim gegangen zu sein und diesen nicht bedacht zu haben. Und ein dahergelaufener Thatcher wertet das als Vertuschung und weiß besser als Forensiker, wie steril Baumwolle ist wo der Unterschied zwischen Verunreinung und DNA-Spur im Rohmaterial liegt. Klarer Fall von erstmal kundig machen und dann reden!

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  • 27.03.2009 10:39

Wer soll hier veräppelt werden ?? Fakt ist, das bei über 5 Fällen ,darunter auch in Frankreich, dieselbe DNA gefunden wurde. Das dies jetzt eine Verunreinigung der Wattestäbchen sein soll, ist absolut nicht glaubhaft, da die Herrstellung und die Verpackung unter sterilen Bedingungen stattfinden und man schon früher bei anderen Fällen Verunreinigungen hätte feststellen müssen!!! Hier wird im großen Stil etwas eindeutig vertuscht !! Das ist leider kein Einzelfall, aber es zeigt deutlich, das unsere Demokratie nicht funktoniert.

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