05.03.2009, 11.17 Uhr

Totes Meer: Tiefster Punkt der Erde fällt

Um 20 Meter ist der Wasserspiegel des Toten Meeres seit 1978 gesunken. Forscher der TU Darmstadt warnen vor den Folgen für die Umwelt und für die Nutzung des Meeres. Es wird schwierig, überhaupt ins Wasser zu gelangen. Schuld ist die intensive Wasserentnahme aus dem Jordan.

Als dieser Steg gebaut wurde, lag er noch auf dem Wasser. Bild: dpa

In den vergangenen 30 Jahren seien dem See damit 14 Kubikkilometer Wasser verloren gegangen, heißt es in der Studie, die Shahrazad Abu Ghazleh und ihre Kollegen in der Online-Version der Fachzeitschrift Naturwissenschaften veröffentlicht haben. Der Wasserspiegel habe sich seit 1978 im Schnitt um 70 Zentimeter pro Jahr gesenkt.

Zu den Folgen zählt nach Angaben der Forscher ein beschleunigter Abfluss von Frischwasser aus den umliegenden tieferen Wasserschichten. Touristen könnten in dem beliebten Kurgebiet wegen zurückgehender Küstenlinien auch schlechter zur medizinischen Behandlung ins Wasser gelangen. Die Fabriken, die das Tote Meer zur Gewinnung von Kali, Salz und Magnesium nutzten, müssen wegen des sinkenden Wassers höhere Pumpkosten in Kauf nehmen. Außerdem bildeten sich in der Erde gefährliche Hohlräume, die mitunter einbrechen und zu schweren Schäden an Gebäuden und Straßen führen.

Das Tote Meer ist eigentlich ein See, der 600 Quadratkilometer am Ende des Jordangrabens bedeckt. Er hat keinen Abfluss. Einzige Wasserzufuhr ist der Jordan, den Wasserspiegel regelt eigentlich die Verdunstung. Das Spektakuläre am Toten Meer ist sein hoher Salzgehalt von bis zu 33 Prozent, zehn Mal mehr als das Mittelmeer. Nur zwei Gewässer der Erde sind noch etwas salziger, der Assalsee in Ostafrika und der Kara-Bogas-Gol in Turkmenistan.

Lindernd wirkt das konzentrierte Salzwasser vor allem bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte, auf seine Schlammpackungen schwören viele Rheumapatienten. Auf der anderen Seite ist das Wasser tödlich, sobald es in die Lunge gelangt. Der Meeresspiegel des Toten Meeres gilt als tiefster Punkt der Erde und ist eigentlich auf 396 Meter unter Normal Null festgelegt. Tatsächlich hat er die 400-Meter-Grenze jedoch längst unterschritten.

Um das Salzmeer zu retten, schlagen die die Forscher vor, statt der Umleitung von Wasser des Jordan-Flusses zur Mittelmeerküste dort mehr auf Meerwasserentsalzung zu setzen. Währenddessen könnte man längerfristige Alternativen wie etwa Kanäle vom Roten Meer oder vom Mittelmeer zum Toten Meer erwägen. Solche Kanäle müssten laut der Studie eine Förderleistung von mehr als 0,9 Kubikkilometer pro Jahr haben, um eine Rückkehr zum Normalpegel des Sees von vor 30 Jahren zu ermöglichen. Dabei könne das Gefälle zum Toten Meer auch für die Energieerzeugung genutzt werden. Das Kanalprojekt würde langfristig auch dem Tourismus und der Kali-Industrie am Toten Meer nützen, schlussfolgern die Autoren.

iwi/ruk

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