31.03.2009, 07.17 Uhr

Alltagsprobleme von Gehörlosen: Mit dem Dolmetscher zum Arzt

Alltagssituationen wie ein Arztbesuch stellen gehörlose Menschen oft vor große Herausforderungen. Wie teilt man dem Mediziner seine Probleme mit, wenn dieser eine ganz andere Sprache spricht? Gebärdensprachdolmetscher sollen Abhilfe schaffen.

Um sich im Alltag zu verständigen, sind Gehörlose oft auf einen Gebärdensprachedolmetscher angewiesen. Bild: dpa

Wenn gehörlose Menschen krank werden, können sie oft nicht ohne Weiteres zum Arzt gehen. Denn um sich verständigen zu können, benötigen die Patienten einen Mediziner, der die Gebärdensprache beherrscht. Oder sie sind auf einen Dolmetscher angewiesen, der sie zum Arzttermin begleitet. In ländlichen Gegenden oder in medizinischen Notfällen könne es allerdings öfter schwierig werden, schnell einen Übersetzer zu finden, berichtet Alexander von Meyenn, Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes.

Üblicherweise müssen sich Gehörlose vor Arztterminen mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen, um einen Gebärdendolmetscher als Begleitung zu beantragen. Die gesetzlichen Kassen seien verpflichtet, die anfallenden Kosten für den Übersetzer zu übernehmen, erklärt von Meyenn. Private Krankenversicherungen oder die Beamtenkassen böten die Leistung nur auf freiwilliger Basis an. Informationen zur Vermittlung von Dolmetschern seien unter anderem im Internet auf der Seite des Bundesverbands der Gebärdensprachdolmetscher erhältlich.

Speziell auf dem Lande könne es jedoch mitunter drei bis vier Tage dauern, bis ein Dolmetscher verfügbar sei, erklärt der Verbandspräsident. Die schriftliche Verständigung komme oft nicht als Alternative infrage, da manche Gehörlose vor allem bei komplexen medizinischen Problemen mit der Schriftsprache überfordert seien.

Von Meyenn rät daher dazu, die Telefonnummern bereits bekannter Dolmetscher im Mobiltelefon zu speichern, um sie im Notfall rasch per SMS verständigen zu können. In einigen Städten gebe es zudem Praxen und Kliniken, die spezielle Sprechstunden für Gehörlose anböten. In Hamburg existiere zum Beispiel seit einigen Jahren das Projekt «Gesundheitslotse für Gehörlose», bei dem ein gehörloser Arzt den Patienten zur Seite stehe. Der Gehörlosen-Bund könne zudem häufig Adressen und Ansprechpartner vermitteln.

Probleme treten nach Angaben von Meyenns zudem häufig auf, wenn es im Gespräch mit dem Arzt um sehr persönliche Fragen oder um psychische Erkrankungen geht. Vielen gehörlosen Patienten sei es sehr unangenehm, solche Themen in Gegenwart des Übersetzers anzusprechen. Für Männer komme problematisch hinzu, dass die meisten Dolmetscher Frauen sind.

Dennoch plädiert der Verbandspräsident dafür, die Hilfe professioneller Dolmetscher in Anspruch zu nehmen. Gerade in medizinischen Fragen sei die Übersetzung von Laien, etwa Angehörigen oder Freunden, womöglich nicht immer zuverlässig. Darüber hinaus unterlägen die Dolmetscher einer Schweigepflicht und dürften die Inhalte der Gespräche nicht weitererzählen.

mas/ruk

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