Todesschuss nicht verjährt Auftragsmörder bekommt lebenslänglich

Pistole (Foto)
Für einen Auftragsmord, der vor 17 Jahren durchgeführt wurde, muss ein Italiener nun lebenslänglich ins Gefängnis. Bild: ddp

17 Jahre nach einem Auftragsmord hat das Landgericht Tübingen einen 59-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Italiener saß bereits 16 Jahre im Gefängnis wegen zahlreicher anderer Delikte.

Die Lebensgefährtin des Opfers hatte ihn anheuern lassen und ihm einen fünf- oder sechsstelligen Geldbetrag für den Mord geboten. Der heute 59-Jährige flüchtete nach der Tat ins Ausland und wurde erst vor einigen Monaten nach Deutschland ausgeliefert.

Zwar ließ der Vorsitzende Richter Ralf Peters heute keinen Zweifel an der Schuld des Italieners. Wie genau der Mord am 5. August 1991 im Schlafzimmer des Opfers in Egenhausen bei Calw ablief, wisse bis heute aber nur die Täter selbst. Neben dem Angeklagten waren ein weiterer Mann und der Stiefsohn des Opfers im Raum. Weil der damals 22 Jahre alte Stiefsohn bei der Tat weggesehen haben will und von dem anderen Mann jede Spur fehlt, gilt der Beschuldigte als einziger Augenzeuge. Das Urteil stützt sich deshalb auch vor allem auf sein Geständnis. Das allerdings könnte unter massivem Druck zustande gekommen sein, glaubt sein Verteidiger.

Der Angeklagte nahm in seiner Aussage alle Schuld auf sich. Er habe den tödlichen Schuss abgegeben, behauptete der Mann. Über den anderen verlor er kein Wort. Bis heute weiß niemand, wie dieser Mann, der vor Gericht Maurizio genannt wurde, wirklich heißt, wo er wohnt und was er macht. Der Verteidiger des 59-Jährigen vermutete, es könne sich um einen einflussreichen Mafioso handeln. Der Verurteilte könne die Schuld auf sich genommen haben, um seine Frau und seine Töchter in Palermo vor Racheaktionen der italienischen Mafia zu schützen, sagte der Anwalt.

Dieser These folgte das Gericht nicht. Das Geständnis des Italieners sei glaubhaft, sagte der Vorsitzende Richter. Der Mann habe die Waffe besorgt und sich vor der Tat Lederhandschuhe angezogen, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Es gebe keine Hinweise, dass die Täter von ihrem Plan abgewichen seien und der Verurteilte nicht geschossen habe.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer betont, es sei letztlich egal, ob auch Maurizio auf den 38-Jährigen geschossen hätte. Da beide Italiener die Tat abgesprochen hätten, sei der Mord beiden anzulasten. Der 59-Jährige sei somit des gemeinschaftlichen Mordes schuldig. «Er handelte heimtückisch und, da er den Lohn für das Erschießen haben wollte, auch aus Habgier», sagte der Staatsanwalt. Dieser Argumentation schlossen sich die Richter an.

Der Verurteilte verbrachte die vergangenen 16 Jahre in Gefängnissen. In Belgien wurde er zu acht Jahren Haft wegen zahlreicher Diebstähle verurteilt. In Frankreich verurteilte ihn ein Gericht zu 20 Jahren, weil er an einem Banküberfall beteiligt war, bei dem ein Polizist erschossen wurde. Erst im Juni wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Die Lebensgefährtin des damals 38 Jahre alten Opfers im aktuellen Fall war schon ein Jahr nach der Tat zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil sie den Mord aus Frust über die Beziehung in Auftrag gegeben hatte. Ihr damals 22 Jahre alter Sohn wurde ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte die Mörder in einer Stuttgarter Diskothek angeheuert und war bei der Tat dabei. Mutter und Sohn sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

mas

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