Schnee und Eis Erneuter Wintereinbruch sorgt für Chaos in Europa

Wintereinbruch (Foto)
Das Wetter sorgt in den USA vielerorts für Chaos. Bild: ap

Unwettertote in Italien, Lawinengefahr in der Schweiz, Verkehrschaos in Österreich. Dazu Tausende Menschen in Frankreich ohne Strom. Das ist das erste Fazit des neuerlichen Wintereinbruchs, der Europa mit einer dicken Schneedecke überzogen hat.

Andauernder Schneefall hat im Süden Österreichs weiter für chaotische Zustände gesorgt. Einige Täler in Kärnten und Osttirol seien von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete heute der Fernsehsender ORF. Kindergärten und Schulen blieben in vielen Gebieten geschlossen. In den Karnischen Alpen wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen, mehr als 3000 Haushalte im Nachbarland waren ohne Strom.

In weiten Teilen der Region schneit es seit Mittwoch kräftig ohne Unterlass. In wenigen Stunden kämen Neuschneemengen von mehr als einem Meter dazu, so der ORF. Zahlreiche Straßen sind nicht befahrbar, auf allen anderen herrscht Schneekettenpflicht. Die Feuerwehren waren in der vergangenen Nacht im Dauereinsatz, um umgestürzte Bäume wegzuräumen. Auch im Zugverkehr gab es Behinderungen. Schwere Unfälle blieben jedoch aus. Nach den Vorhersagen sollen vorerst weiter dicke Flocken vom Himmel fallen.

In Frankreich traf es die Menschen noch schlimmer. Nach heftigen Schneefällen in den Alpen ist im Nachbarland zeitweise in 45.000 Haushalten der Strom ausgefallen. Zahlreiche Bäume seien unter der Schneelast zusammengebrochen und hätten Stromleitungen beschädigt, berichtete der Sender France Info. Heute Vormittag waren noch immer etwa 20.000 Haushalte ohne Strom.

Rund 400 Mitarbeiter des Stromnetzverwalters ERDF seien im Einsatz, um die Leitungen zu reparieren. Betroffen waren vor allem die beiden Départements Isère und Savoie. Unterdessen zeigen sich die französischen Skiorte zufrieden mit dem Beginn der Skisaison. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Zahl der Reservierungen sogar um bis zu 15 Prozent angestiegen, berichtete die Zeitung Le Figaro.

Eine deutlich höhere Lawinengefahr haben die starken Schneefälle in der Schweiz verursacht. Nach rekordverdächtigen Schneemengen fast im ganzen Land liegen die Alpen unter einer meterdicken weißen Decke. Vom Tessin bis ins Oberengadin wurden durchschnittlich 120 Zentimeter Schnee auf einer Höhe von rund 2000 Metern gemessen. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos bezeichnete die Lawinengefahr in Teilen der Alpen als groß, was der zweithöchsten Gefahrenstufe entspricht.

Im Val Onsernone im Tessin wurden die Schulen geschlossen. Im Kanton Freiburg mussten gestern Nachmittag mehrere Straßen gesperrt werden. Auch um Basel kam es zu größeren Verkehrsbehinderungen. Dort fiel auch in einigen Gemeinden der Strom aus. Viele umgestürzte Bäume mussten von Straßen geräumt werden. Für den Schwerverkehr waren der Gotthard und der San Bernardino Pass zeitweise gesperrt. Es soll mindestens bis heute Abend weiter schneien.

Derweil drohen in Italien zahlreiche Flüsse über die Ufer zu treten, Teile der Hauptstadt Rom standen nach tagelangem intensiven Regen unter Wasser. Am Ätna auf Sizilien seien acht Pfadfinder von einem Schneesturm überrascht worden und saßen in einer Schutzhütte fest, berichteten italienische Medien. In Kalabrien waren Zehntausende von Menschen ohne Trinkwasser, weil ein über die Ufer getretener Fluss die Brunnen überschwemmt hatte. In der Lagunenstadt Venedig stand heute erneut nahezu ein Viertel des historischen Zentrums unter Wasser.

In Rom bereiteten die Behörden einen Notstandsplan vor, falls der Tiber bei seinem für den Abend erwarteten Höchststand über die Ufer treten sollte. Durch das Unwetter kamen bereits mehrere Menschen ums Leben. So wurde gestern in Kalabrien ein Mann von einer einstürzenden Brücke erschlagen, bei Rom ertrank eine Italienerin in ihrem Auto in einem von den Regenmassen überfluteten Tunnel. Zahlreiche Schulen blieben heute geschlossen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

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Auch in Deutschland bereitete das Wetter Probleme. Auf winterglatten Straßen kam es zu zahlreichen Unfällen, etwa in Sachsen-Anhalt oder Bayern. Unter der Last von nassem Schnee stürzte in Mittelfranken ein Baum auf einen fahrenden Nahverkehrszug. Verletzt wurde niemand. Am Münchner Flughafen kam es zu erheblichen Behinderungen.

Schuld am Schneechaos in den Alpenländern und dem Unwetter in Italien und Griechenland ist nach Angaben der Meteorologen das Tiefdruckgebiet Tine. «Es bewegt sich über Norditalien und drückt energiereiche feuchte Luftmassen gegen die Alpen», sagte Meteorologe Steffen Dietz vom Wetterdienst meteomedia. «Die Luft wird dort quasi wie ein Schwamm ausgepresst. In Italien fällt dadurch heftiger Regen, weiter nördlich Schnee.»

Skifahrer, Snowboarder und Schlittenfreunde hingegen schweben zurzeit im siebten Himmel, denn die Schneefälle sorgen derzeit für gute Pistenverhältnisse in den Alpen. In Kärnten und Osttirol seien die Bedingungen sogar sehr gut, teilte der ADAC heute in München mit.

In Nassfeld zum Beispiel liegen 2,20 Meter, im Osttiroler Defereggental sind es 1,50 Meter. Im Salzburger Land liegt Obertauern mit 1,40 Metern vorn, in Tirol Obergurgl/Hochgurgl mit 2,35 Metern. Noch nicht überall sind jedoch die Talabfahrten möglich. Das gilt auch für die Schweiz. In St. Moritz in Graubünden liegen derzeit 2,00 Meter Schnee, in Grindelwald im Berner Oberland sind es 1,06 Meter. Saas Fee meldet 2,69 Meter und Andermatt in der Zentralschweiz sogar 3,00 Meter.

Auch in den deutschen Alpen können Wintersportler vielerorts schon Skifahren. Insgesamt sind die Verhältnisse aber längst nicht so gut wie bei den Nachbarn. Gute Pisten bieten nach ADAC-Angaben derzeit das Zugspitzskigebiet in Garmisch-Partenkirchen mit 1,20 Meter Schnee, Fellhorn und Nebelhorn in Oberstdorf mit 1,00 Meter und die Skiregion in Reit im Winkl mit 0,70 Meter. Auch in den deutschen Mittelgebirgen sind viele Pisten offen. Auf der Wasserkuppe in der Rhön liegen 0,50 Meter, in Bischofsgrün im Fichtelgebirge 0,55 Meter und am Feldberg 1,00 Meter.

Weniger gut sind die Pistenverhältnisse laut ADAC in Frankreich. Dabei liegen in Tignes bereits 1,20 Meter Schnee, in Chamonix sind es sogar 1,60 Meter. Besser sieht es in Italien aus: In Paganella im Trentino wurden 2,80 Meter Schnee gemessen, in Folgarida sind es 2,40 Meter. Das Schnalstal in Südtirol meldet 2,10 Meter und Alta Badia 1,70 Meter.

Meteorologen zufolge wird in Deutschland heute vor allem im Osten und Südosten, in Oberschwaben und Bayern, zeitweise mit Schneefällen gerechnet. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen minus 2 Grad im Bergland und plus 4 Grad im Ruhrgebiet. Morgen fallen in der Osthälfte sowie ganz im Norden noch ein paar Tropfen oder Flocken. Im Flachland hält sich verbreitet hochnebelartige Bewölkung, zeitweise sonnig wird es im Westen sowie im Bergland. Mit Minus ein bis vier Grad bleiben die Temperaturen gleich.

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