Schlag gegen Kinderpornografie
Behörden nehmen Ärzte und Priester ins Visier

Um Kinderschändern auf die Spur zu kommen, sind mehr als 500 Häuser und Wohnungen durchsucht worden. Die Ermittler haben nun mehrere Verfahren eingeleitet.

Bei den Ermittlungen gerieten Fußballtrainer, Ärzte und Priester ins Visier. Bild: dpa

Den deutschen Behörden ist nach einem Bericht der Bild einer der bislang größten Schläge gegen Kinderpornografie im Internet gelungen. Wie das Blatt berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Bonn insgesamt 563 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bild liege eine Liste mit mutmaßlichen Käufern vor. Darauf seien auch Anschrift und Kreditkartendaten vermerkt.

Mehr als 500 Häuser und Wohnungen in mehreren Bundesländern seien durchsucht worden. Die Ermittlungen richten sich auch gegen Ärzte und Priester, einen Fußballtrainer und einen Küster. «In 466 Fällen wurden erhebliche Mengen von kinderpornografischem Material sichergestellt», sagte der stellvertretende Bonner Staatsanwalt Jan van Rossum.

Um ihre Kinder zu schützen, sollten Eltern Computer und Handys ihrers Nachwuchses gezielt auf Gewalt- und Sexvideos kontrollieren. Dazu riet Hauptkommissar Rainer Richard, einer der ersten deutschen Internetpolizisten gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. In seiner Arbeit habe er alles gesehen, «was sich ein krankes Gehirn ausdenken kann». So habe er wegen des Konsums von Kinderpornografie angeklagte Familienväter erlebt, die beteuerten, dass sie nie persönlich ein Kind anfassen würden. Die Konfrontation mit kinderpornografischem Material im Netz habe bei ihnen im Gehirn aber einen Schalter umgelegt.

Unterdessen sorgt eine DVD mit kinderpornografischen Inhalten in der sachsen-anhaltinischen Straftäterpsychiatrie Uchtspringe für Wirbel. Das darauf enthaltene Material enthielt Szenen, die die Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens zeigten.

Die Klinikleitung hatte sofort die Polizei informiert, nachdem ein Pfleger die Übergabe der DVD zwischen Insassen mitbekommen hatte. Ab sofort dürfen die Häftlinge nun weder Filmspeichermedien noch Festplatten besitzen. Lediglich Filme im Fernsehen dürfen noch angeschaut werden. Sachsen-Anhalts Sozialministerin Gerlinde Kuppe kündigte eine Änderung des Maßregelvollzugsgesetzes an. Ein Entwurf soll bis zum Jahresende vorliegen.

ham

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