Mitfahrgelegenheit Sparen, bis die Bahn klagt

Dank Mitfahrgelegenheiten ist Bahnreisen wieder eine echte Alternative zum Auto. Findige Studenten haben darin seit einiger Zeit eine Möglichkeit entdeckt, ihr schmales Einkommen aufzubessern. Die Bahn ärgert´s, sie behält den Trend aber bisher nur im Blick.

Bahnfahrer (Foto)
Wer über Mitfahrgelegenheiten mit der Bahn reist, kann Geld sparen - sich aber auch Ärger einhandeln. Bild: ddp

Bahnfahren ist teuer. Gerade sind die Ticketpreise wieder erhöht worden, im Schnitt um 3,9 Prozent. Dazu lässt sich die Deutsche Bahn jeden Handgriff extra bezahlen. Auch wenn die geplante Servicegebühr von einem Proteststurm vom Tisch gefegt wurde, hat sie Möglichkeiten gefunden: So kostet etwa der Versand von Fahrkarten, die der Kunde übers Internet bestellt, seit diesem Jahr 3,50 Euro. Bisher war das kostenlos.

DanielName zum Schutz der Person geändert. erhebt dagegen keine Gebühren, schlägt mit seinem Service aber den der Bahn um Längen. Der angehende Student holt seine Fahrgäste persönlich in der Wartehalle ab, hilft ihnen, große Gepäckstücke auf die Ablage über ihren Köpfen zu verstauen und unterhält sie während der Fahrt. Der Clou: für die Strecke von Regensburg nach Nürnberg zahlen seine Mitfahrer nicht die mittlerweile üblichen 16,90 Euro, sondern gerade einmal sechs Euro.

«Zunächst denken die Leute, die ich im Bahnhof anspreche, ich will sie abzocken», erzählt Daniel lachend. Seine Touren bekommt er aber letztlich mühelos voll. Die meisten Interessenten melden sich ohnehin von sich aus übers Internet, wo der Franke in Portalen wie mitfahrgelegenheit.de inseriert. Sein Konzept überzeugt: Mit einem Länderticket der Bahn für bisher 27 Euro kann er einen Tag lang unbegrenzt durch Bayern fahren und pro Fahrt bis zu vier Personen mitnehmen.

Daniel tut das freitags, sonntags und montags - weil da die meisten Pendler unterwegs sind - und exzessiver, als es die Bahn bei der Kreation des Sondertickets wohl im Sinn hatte. Zehn Stunden pendelt er an diesen Tagen zwischen Nürnberg, Regensburg und Ingolstadt im Dreieck, seine Mitfahrer wechseln. Seit einem Jahr hat er sich damit einen schönen Nebenverdienst aufgebaut.

Am Ende des Tages hat Daniel stets sechs Stempel auf seinem Ticket, rund 20 Menschen von A nach B eskortiert und zirka 100 Euro mehr in der Tasche. Bereits mit der ersten Fahrt hat er seinen Ausgaben so gut wie rein. «Es gibt Schlimmeres als mit dem Zug durch Deutschland zu fahren», bemerkt er: «Eigentlich ist es sogar ziemlich angenehm. Vorher war ich Krankenpfleger. Das ist ein Knochenjob.»

Lesen Sie auf Seite zwei, warum die Bahn nichts dagegen tut

Rechtlich bewegt sich Daniel damit in einer Grauzone. Als Student kommt er kaum über den Einkommensfreibetrag hinaus, muss daher keine Steuern zahlen. Erst wenn er mehr als den Grundfreibetrag von 7664 Euro jährlich verdienen würde, würde er sich der Steuerhinterziehung strafbar machen. Ganz legal ist sein Geschäftsmodell aber trotzdem nicht.

Daniel verstößt mit dem, was er tut, gegen die Geschäftsbedingungen mehrerer Unternehmen. Auf mitfahrgelegenheit.de dürfen nur nichtkommerzielle Inserate geschaltet werden. «Wenn wir gewerbliche Anbieter auf unserem Portal entdecken, löschen wir den Zugang und leiten ihre Daten an die Polizei und die zuständigen Behörden weiter», erklärt Michael Reinicke von mitfahrgelegenheit.de.

«Unsere Geschäftsbedingungen verbieten ausdrücklich den Weiterverkauf von Tickets», informiert Bahnsprecher Andreas Vormann. Ansonsten scheint die Bahn sich an dem Geschäftsmodell nicht sonderlich zu stören: «Wir beobachten dieses Phänomen und behalten uns rechtliche Schritte vor», betont Vormann. Immerhin fahren dank Daniel Menschen Zug, die sonst das Auto nutzen würden. Daniel bringt also Umsatz.

Und wer will ihm auch etwas nachweisen? Mit den Strecken wechseln auch die Schaffner. Es fällt nicht auf, dass er bei jeder Fahrt andere «Freunde» hat. Quasi ist sein Job risikolos und nutzt jedem. «Erst einmal hat ein Schaffner etwas komisch geguckt», erzählt Daniel: «Alle anderen sind zufrieden, die Leute müssen nicht die horrenden Preise zahlen. Und schließlich war so gesehen das, was Robin Hood getan hat, auch nicht ganz legal.» Seltene Ermittlungen verlaufen aus Sicht der Fahnder fast immer erfolglos. «Die Behörden sind oft überlastet», sagt Reinicke.

Von seinen Mitfahrern verpfeift Daniel keiner, er hat sogar Fans und Stammgäste. «Ich finde gut, was er macht», stellt GerdName zum Schutz der Person geändert. fest. Eine einzige Fahrkarte reicht für ihn schon längst nicht mehr. Die Bahn meidet sein Dorf. «In Nürnberg muss ich auch noch umsteigen und mit der Citybahn einen Teil der Strecke zurückfahren. Dafür zahle ich auch noch extra.» Vielleicht ändert sich das irgendwann einmal wieder. Daniel wird bis dahin sein Geographie-Studium fertig haben. Bayern kennt er schon einmal bestens.

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