Charta gegen Schlankheitswahn Magere Zeiten für magere Models

Keine "Hungerhaken" auf den Laufsteg: Vertreter der Modebranche haben sich am Freitag in einer Vereinbarung mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt verpflichtet, keine krankhaft unterernährten Models mehr einzusetzen.

Models Russia Fashion Week (Foto)
Models während der Russia Fashion Week. Bild: ap

Hintergrund sind erschreckende Zahlen zur Magersucht. 1,4 Millionen Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren leiden unter Essstörungen, und jeder zehnte Fall von Magersucht endet tödlich, wie Schmidt erklärte.

«Der heutige Tag setzt ein Zeichen im Kampf gegen gesundheitsschädlichen Schlankheitswahn», meinte die Ministerin. In der Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche versprechen die Unterzeichner, für Models Kleidergröße 36, einen Body-Mass-Index von mindestens 18,5 und ein Mindestalter von 16 Jahren vorzuschreiben. Außerdem sagen sie zu, zur Aufklärung und Prävention vor Essstörungen beizutragen.

Schon jetzt werden in den allermeisten Fällen Models mit der Konfektionsgröße 36 bis 38 eingesetzt, wie Marc Voss vom GermanFashion Modeverband berichtete. «Alles darunter passt auch nicht mehr.» Denn die meisten Frauen in Deutschland tragen Konfektionsgröße 40 bis 42. Angesichts der Alterspyramide setzt die deutsche Branche nach Voss' Darstellung ohnehin eher darauf, tragbare Mode zu präsentieren.

Meine Meinung: Charta gegen Schlankheitswahn
Video: news.de

Mit der Selbstverpflichtung gegen den Einsatz extrem schlanker Models ist die deutsche Modebranche allerdings eher spät dran. Spanien hat bereits seit 1999 einen runden Tisch mit Vertretern der Textilbranche zu Essstörungen. In England, Frankreich, Italien und Österreich gibt es ebenfalls bereits Bestrebungen, extreme Schlankheit als Ideal vom Laufsteg zu verbannen.In der Branche bestehe inzwischen ein Konsens, über das Thema Magersucht nicht mit Schulterzucken hinwegzugehen, sagte Frank Hartmann vom Modemessen-Veranstalter Igedo. Allerdings dürfe die Modebranche auch nicht in die Ecke gestellt werden, da sie nicht alleinige Ursache der Krankheitsfälle sei.

Dies betonte auch Ministerin Schmidt. Magersucht sei auch eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die sehr stark auf Selbstzerstörung ziele. Deshalb sei es nicht mit der Charta der Modeindustrie getan. Ihre Initiative Leben hat Gewicht sei breiter angelegt und habe seit dem Start vergangenes Jahr bereits «vieles in Bewegung gesetzt», sagte Schmidt.

Unterzeichnet haben die Charta vorerst neben der Igedo Company und German Fashion auch das Deutsche Mode Institut und der Verband lizenzierter Modellagenturen. Die Werbewirtschaft solle möglichst mit ins Boot geholt werden, sagte Hartmann.

nak

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • claramama
  • Kommentar 1
  • 14.07.2010 16:11

Ein BMI von 18,5 ergibt bei einer Model Größe von 1,78 knapp über 57 Kilo, bei 1,80 57,7 kg. Das nenne ich noch lange Hungerhaken!!! Das ist noch deutlich weniger, als das frühere "Idealgewicht" das medizinisch schon längst als ungesund gilt (Größe-100-15% wären bei 178 immerhin noch 66kg) Fragt mal die Männer dazu. (nicht den Lagerfeld, der zählt nicht :-) Aber der erste Schritt in die richtige Richtung ist wenigsten getan.

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