Lotto-Fieber Der Tippschein, Italiens unendliche Geschichte

127,5 Millionen Euro - jeder will sie, doch erneut hat sie niemand bekommen. Das Fieber steigt weiter. Aber Lotto-Gewinne sind mit Vorsicht zu genießen, warnt ein Bischof. Und damit hat er nicht ganz unrecht.

Alle Bitten bei Schicksalsgöttin Fortuna fruchteten nicht: Italiens Jackpot bleibt ungeknackt. (Foto)
Alle Bitten bei Schicksalsgöttin Fortuna fruchteten nicht: Italiens Jackpot bleibt ungeknackt. Bild: dpa

Italiens Nervenstränge sind zum Zerreißen gespannt. Doch kurz nach 20 Uhr war klar: Am Ende der Lottoziehung steht wieder kein glücklicher Gewinner. 127,5 Millionen Euro haben sich in mehr als sechs Monaten im Jackpot der Lotterie «Superenalotto» angestaut. Das ist europäischer Rekord, und jeder Italiener hofft auf sein persönliches Ende der Krise.

Italienische Lottospieler haben es weitaus schwerer als die Deutschen: Sie müssen aus 90 Zahlen sechs Richtige fischen, nicht nur aus 49 wie hierzulande. Dreimal pro Woche wird gezogen, und die Spannungsschraube dreht sich seit dem 31. Januar jedes Mal ein bisschen fester. Damals knackten drei Gewinner den Jackpot, der mit 40 Millionen Euro allerdings nur vergleichsweise spärlich gefüllt.

Richtig dick sahnte zuletzt ein Sizilianer im Oktober 2008 ab. Der Mann aus Catania heimste 100,7 Millionen Euro ein. Dass der Betrag damals in den armen Süden ging, ist nur ein Ergebnis der Wahrscheinlichkeit: Südlich von Rom suchen mehr Menschen ihr Glück im Zufall als im reicheren Norden.

Aber nicht nur Privatleute fiebern in Italien jeder Ziehung entgegen. Auch ganze Gemeindestadträte werfen zusammen, um mit sechs Richtigen ihre Kommune auf Vordermann zu bringen. In Anguillara nördlich von Rom ging das am Samstag bereits schief, aber auch andere Bürgermeister haben einen Tippschein in der Tasche, und selbst ganze Firmen haben ihre Mitarbeiter als Urlaubszuwendung mit Lottoscheinen ausgestattet – gegen eine Gewinnbeteiligung, versteht sich.

Biblische «Strafe» für Lottogewinn

Kirchenkreise und Verbraucherschützer finden das Ganze ein bisschen unmoralisch - weil vor allem der Staat immer mehr daran verdiene, wenn der Jackpot nicht geknackt werde, bemängelt Monsignore Domenico Sigalini von der italienischen Bischofskonferenz. «Außerdem ist es auch eine Art Götzenverehrung, denn wir wenden uns nicht an Gott, sondern ans Geld.»

Zudem brächten solche riesigen Summen Unglück, nicht Glück. Ein geradezu biblisches Beispiel bietet dem Monsignore das apulische Örtchen Peschici: 1998 heimste eine Tippgemeinschaft dort den damals größten Jackpot Europas ein, 33 Millionen Euro flossen plötzlich in das 4000-Einwohner-Dorf aus Fischern und Saisonarbeitern. Noch heute hängt der Scheck in Stein gemeißelt vor der Annahmestelle. Aber der Reichtum ist futsch. Die meisten schlugen ihren Anteil für dicke Autos auf den Kopf, ein paar investierten auch, in Pensionen, Campingplätze, Strandbars. Die standen genau da, wo sich 2007 das Feuer entlangfraß. Das war´s, was Pescini bleibt ist der Ruf und die melancholische Tragik des armen Südens.

90 Millionen aus der spanischen Weihnachtslotterie

8000 Menschen leben in dem Dorf bei Sevilla, in dem zwei römische Kaiser geboren wurden, Trajan und Hadrian. Das ist 2000 Jahre her, und aus dem römischen Italica ist längst das spanische Santiponce geworden. Auch Diktator Franco ist seit 35 Jahren tot, aber Lebenskünstler, die sich irgendwie durch den Alltag schlawinern, die gibt es hier noch immer einige. Wie Antonio. Lesen und Schreiben kann er nicht, und er hat auch keinen Führerschein. Aber er hat drei alte Autos und längst für den Lappen bezahlt, dem ihm ein Bekannter seit Monaten besorgen will.

Antonio leitet irgendwie eine Firma, die Industriegebiete bewacht, hat ein paar Ziegen, früher mal einen Fischladen. Ganz früher verkaufte er Wasser auf der Straße. Er gehörte nicht zu den 300 Glücklichen, die am 22. Dezember 2006 plötzlich 90 Millionen Euro aus der Weihnachtslotterie unter sich aufteilen durften. Aber der Alte gegenüber, auf der anderen Seite der Hauptstraße, der schon. Einen Palast hat er sich an den Ortsausgang gebaut, der eher wie ein Gefängnis aussieht.

«Für den Ort hat sich seitdem eigentlich nicht besonders viel geändert. Es gab viele neue Autos und Häuser, aber Santiponce sieht noch genauso aus wie vorher», sagt Isabel Jiménez García, die im Rathaus für die Entwicklung der Kommune zuständig ist. Auch sie hat nichts abbekommen damals. «Es war eine Minderheit, die gewonnen hat», betont sie. «Damals war es eine totale Euphorie, aber jetzt erinnern wir uns schon fast gar nicht mehr.» Denn jetzt ist Krise, die Arbeitslosigkeit in die Höhe geschnellt, wie überall in Spanien und vor allem in Andalusien. Antonio kratzt das alles nicht. Er hat schon immer sein Ding gemacht, ist immun gegen äußere Einflüsse.

Lotto brachte Lothar Lamborghini – und die Leberzirrhose

Richtig schlecht ist sein Reichtum dafür Lotto-Lothar bekommen. 3,9 Millionen Mark waren es 1994 für Lothar Kuzydlowski aus Hannover. Fünf Jahre und ein paar Lamborghini später starb der Arbeitslose an seiner Alkoholsucht. Es war sogar noch Geld übrig: das vererbte er einer Bardame.

Aus dem Netz:

Neon berichtet über Peschici zehn Jahre danach

iwe/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 2
  • 17.08.2009 15:30
Antwort auf Kommentar 1

www.thelotter.com

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  • Kommentar 1
  • 12.08.2009 23:29

Anfrage: Kann ich von Deutschland aus über das Internet im italienischen Lotto spielen, wenn ja erbitte ich eine genaue Internetadresse zur Abwicklung Vielen Dank

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