Mord an Corinna «Ihr könnt ruhig weinen»

Von einem Sexualverbrechen gehen die Ermittler im Fall der kleinen Corinna aus Eilenburg aus. Die Neunjährige war am Dienstag vom Hof ihrer Eltern verschwunden und später tot gefunden worden. Die Menschen in ihrem Heimatort sind fassungslos.

Kerzen, Blumen und Tiere für ein kleines Mädchen.  (Foto)
Kerzen, Blumen und Tiere für ein kleines Mädchen. Bild: dpa

Die Ermittler gehen im Fall der kleinen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg von einem Sexualverbrechen aus. Das sagte die Staatsanwaltschaft heute auf einer Pressekonferenz.

Das Kind war am Dienstagabend vom Hof seines Elternhauses verschwunden. Rund 24 Stunden suchten Einsatzkräfte vergeblich nach dem Mädchen. Am Mittwoch wurde es tot an einem Nebenarm der Mulde entdeckt - nur etwa 250 Meter vom Wohnhaus entfernt.

«Es sind an die 100 Spuren gesichert worden», sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts. Sie würden nun analysiert und ausgewertet. Die Sonderkommission wird von dem elektronischen Fallanalyse-System (eFAS) unterstützt, das auch eine Flut von Spuren und Erkenntnissen auswerten kann. Sogenannte Profiler wurden ebenfalls hinzugezogen.

In dem 17.000-Einwohner-Städtchen Eilenburg herrschten Trauer und Entsetzen. Am Wohnhaus der Neunjährigen und an der Rathaustreppe legten Nachbarn, Freunde, Einwohner und Kindergruppen Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Viele von ihnen weinten. «Gott warum?», wurde auf einem Schild gefragt.

«Das war so ein liebes Mädchen. Höflich, zurückhaltend, hat immer gefragt, ob sie mitspielen darf», sagt eine junge Mutti aus der Nachbarschaft. Mit ihrer sechsjährigen Tochter ist sie zum Haus Corinnas gekommen. Gemeinsam zünden sie dort eine Kerze an und legen Blumen nieder.

Das Sechsfamilienhaus im nördlichen Stadtzentrum wirkt am Donnerstag verlassen und heruntergekommen. Auf dem Hof, auf dem Corinna gespielt hatte, sind grüne Wäscheleinen gespannt. Eine Garnitur weißer Plastikstühle lehnt ordentlich um einen runden Tisch.

Vor dem schmucken Renaissance-Rathaus Eilenburgs wächst unterdessen ein Blumen- und Lichtermeer. Fast im Minutentakt kommen Nachbarn, Bekannte, Spielkameraden und gedenken Corinnas. «Du bleibst immer in unserem Herzen», steht auf einem Blatt Papier, das neben einem Hasen, einer Kuh und einem Säbelzahntiger aus Plüsch liegt.

Jungen und Mädchen aus der Kinder- und Jugendarche, einem offenen Treffpunkt in Eilenburg, fassen sich bei den Händen und denken an ihre Freundin Corinna. Viele Kinder schluchzen. «Ihr könnt ruhig weinen», sagt eine Betreuerin, die selbst mit den Tränen ringt.

Auch Eilenburgs Bürgermeister Hubertus Wacker legt einen Blumenstrauß vor die Rathaustreppe. Er kämpft um Worte: «Man ist so hilflos, machtlos, sprachlos. Es ist erschreckend, wenn das eine Stadt so direkt betrifft. Man fährt plötzlich mit ganz anderen Augen durch die Straßen.»

Wacker kannte den Lebensgefährten von Corinnas Mutter. «Er ist bei uns in der Freiwilligen Feuerwehr.» Er könne alle Eltern und Großeltern verstehen, die sich nun Gedanken machen, sagt Wacker. Hoffentlich werde das Verbrechen bald aufgeklärt.

An vielen Straßenecken in Eilenburg stehen am Donnerstag Polizeiautos. Ermittler in Overalls mit weißen oder blauen Handschuhen ziehen von Hauseingang zu Hauseingang, untersuchen Mülltonnen, überwachen die Abfuhr von Glascontainern. Zwei ältere Frauen beobachten das Geschehen. «Schlimm ist das. Schlimm. Hoffentlich kriegen sie den», sagte die eine und meint den Täter. Ihre Bekannte ist sicher: «Den kriegen sie schon.»

Corinna ist das dritte Kind in drei Jahren, das in Sachsen getötet wurde. 2007 sorgte der Tod Mitjas (9) aus Leipzig für Fassungslosigkeit, vor fast genau einem Jahr im August 2008 fiel Michelle (8) ihrem Mörder auf dem Heimweg ebenfalls in Leipzig in die Hände. Und nun verschwand Corinna am Dienstag beim Spielen vom Hof.

Weiterführende Links:

Vermisste Neunjährige: Corinna ist tot und vermutlich ermordet worden

san/iwe/news.de/dpa

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