Sonnencreme Hirnschäden durch Nanopartikel

Titandioxid in Sonnencreme: Ab 2012 müssen Nanomaterialien in Kosmetik EU-weit angegeben werden. (Foto)
Ab 2012 müssen Nanomaterialien in Kosmetik EU-weit angegeben werden. Bild: dpa

Keine Angst vor Nano? Ob die Winzpartikel gefährlich sind, hängt von den verwendeten Materialien ab. Auch bekannte Stoffe haben im Nanobereich unerwartete Eigenschaften. Jetzt steht Titandioxid im Verdacht, die Hirnentwicklung zu beeinflussen.

Bestimmte Nanopartikel können die Hirnentwicklung von Föten beeinflussen. Das haben japanische Forscher bei Versuchen mit Mäusen herausgefunden. Titandioxid-Partikel könnten die Proteinproduktion verändern, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Particle and Fibre Toxicology.

Konkret störten sie die Umsetzung von Erbgutinformationen in Proteine. Betroffen seien unter anderem Gene, die bei neurologischen Störungen eine Rolle spielen. «Unsere Ergebnisse stützen die Befürchtung, dass dieses spezielle Nanomaterial das Potenzial hat, die menschliche Gesundheit zu beeinflussen», erläutert Ken Takeda von der Wissenschaftlichen Universität in Tokio in einer Mitteilung zu seiner Studie.

Takedas Team spritzte trächtigen Mäusen eine Lösung mit Partikeln der Größe 25 bis 70 Nanometer. Die Aktivität im Gehirn der Jungen wurde anschließend bei Föten und zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Geburt überprüft und mit der von Nachwuchs unbehandelter Tiere verglichen. Dabei zeigten sich bei hunderten Genen Unterschiede in der Umsetzung.

Viele der Muster waren typisch für bestimmte neurologische Störungen. Takeda erläuterte: «Zu den Krankheiten, die auf diese Gene zurückzuführen sind, zählen solche, die sich in der Kindheit entwickeln, wie Autismus, Epilepsie und Lernschwierigkeiten, aber auch solche, die vor allem bei Erwachsenen oder im Alter auftreten, wie Alzheimer, Schizophrenie und Parkinson.»

In ihrer Arbeit weisen die Forscher darauf hin, dass den Mäusemüttern vergleichsweise hohe Dosen Titandioxid gespritzt wurden, der Effekt sei deshalb nicht eins zu eins auf die reale Situation übertragbar, sondern nur ein erster Anhaltspunkt.

Werden Materialien auf Nanometer-Maßstab gebracht, verändern sich ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften. Auch der Einfluss auf biologische Systeme wandelt sich, weil die winzigen Partikel im Körper in viel mehr Bereiche vordringen und mit winzigen Molekülen wechselwirken können.

Wenige Nanometer (Millionstel Millimeter) kleine Titandioxid-Partikel werden etwa in Sonnencremes, zur Luft- und Wasserreinigung und für selbstreinigende Oberflächen eingesetzt. Als weißes Pigment werden «normale» Titandioxid-Krümelchen schon seit Jahrzehnten tonnenweise in Farben und Sunblockern verwendet.

Seit einiger Zeit werden auch Nanopartikel der Substanz verwendet - obwohl Forscher noch nicht viel darüber wissen, wie Nanopartikel die Gesundheit beeinflussen. In Tierversuchen wurden mehrfach negative Effekte, beispielsweise auf die Atemwege, nachgewiesen.

aro/car/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Kommentar 1
  • 29.07.2009 09:37

Wie hat sich die Verwendung von Katalysatoren, wo Titan zum Einsatz kommt,in Kalifornien weiter auf die Menschen ausgewirkt ? Dieses Problem ist schon lange bekannt !!!

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