Verhaltensforschung Babyfotos machen ehrlicher

Portemonnaie mit Babyfotos verloren? Glück gehabt, meint Sozialforscher Richard Wiseman. (Foto)
Portemonnaie mit Babyfotos verloren? Glück gehabt, meint Sozialforscher Richard Wiseman. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anwen Roberts
Der Sozialforschungs-Tausendsassa Richard Wiseman ist bekannt für seine schrägen Undercover-Versuche. Mit seinem jüngsten Experimental-Coup hat er das Kindchenschema statt im Gehirn in der Brieftasche verortet.

Professor Richard Wiseman, der an der englischen Universität Hertfordshire schräge Alltagsphänomene erforscht und als Begründer der Disziplin Quirkologie gilt, hat wieder zugeschlagen. Diesmal geht es nicht um die Persönlichkeit von Gemüsesorten oder den lustigsten Witz der Welt, sondern um ehrliche Finder.

Im vergangenen November hatte seine Forschungsgruppe nach dem Zufallsprinzip 240 Brieftaschen in der schottischen Stadt Edinburgh «verloren», die allerdings kein Bargeld enthielten. Neben alltäglichen Gegenständen wie Lotteriescheinen und Mitgliedskarten war in je 40 Börsen zusätzlich ein Foto entweder von einem Kleinkind oder von einem Welpen, von einem älteren Paar, einer Familie oder aber ein Hinweis darauf, dass der Besitzer der Geldbörse vor kurzem Geld oder Blut gespendet hatte. Einem weiteren Teil wurde nichts weiter begelegt.

Wisemans Experiment ergab, dass Finder die Brieftaschen am ehesten zurückgaben, wenn Babyfotos darin enthalten waren. Auch die Bilder von jungen Hunden und Familienfotos wirkten sich positiv auf die Moral aus. Mit Abstand am häufigsten zurückgegeben wurden Brieftaschen mit Kinderfotos (35 der 40 Brieftaschen), gefolgt von den Welpen (21 Stück), Familienfotos (19 Stück) und dem älteren Paar (11 Stück).

Wenig Wirkung zeigten dagegen die Geldbörsen mit den Spendennachweisen (8 Stück) und die Kontrollgruppe ohne zusätzliche Beigaben (6 Stück). Insgesamt wurden 100 der 240 Börsen zurückgegeben, was einer Ehrlichkeitsrate von 42 Prozent entspricht.

Studienleiter Wiseman sagte am Montag, die Ergebnisse würden verdeutlichen, dass «Babys bei den Menschen ein fürsorgliches Gefühl erzeugen». Das ist natürlich seit Erfindung des Kindchenschemas durch Konrad Lorenz hinlänglich bekannt. Doch ist es ein typischer Wiseman-Kniff, diese heute fast schon platte Erkenntnis im alltäglichen Verhalten aufzuzeigen und soziologisch zu belegen.


Weiterführende Links:

Die Waffe gegen Stress: Mit Humor geht alles besser

Aus dem Netz:

Die beklopptesten Experimente von Richard Wiseman
Das Kindchenschema wirkt auf das weibliche Gehirn wie Kokain, schreibt Focus Online

car/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig