Daniel Radcliffe beichtet Harry «Antichrist» Potter

Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe bekennt sich zum Atheismus. (Foto)
Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe bekennt sich zum Atheismus. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anwen Roberts
Pünktlich zur Kinopremiere von Harry Potter 6 legt Jungschauspieler Daniel Radcliffe ein Rundum-Geständnis ab. Im Magazin «Esquire» plaudert er über Prügeleien, Coolness und den Verlust seiner Unschuld - doch das größte Skandalpotenzial hat sein Bekenntnis zum Atheismus.

Eine ungewöhnliche Aufnahme von Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe ziert das aktuelle Cover des britischen Esquire-Magazins: Der Jungmillionär zeigt sich leicht zerrupft mit einem riesigen Veilchen am linken Auge, als sei er gerade einer Kneipenprügelei entsprungen.

Damit nimmt das Magazin wohl genau die Verletzung vorweg, die religiöse Hardliner dem Schauspieler nach der Lektüre der Titelgeschichte verpassen würden: einen harten rechten Haken.

Denn neben höchst persönlichen Bekenntnissen wie «Ich war nie einer von den ‹Coolen› und wurde in der Schule gehänselt» und «Meine Jungfräulichkeit habe ich genau zum rechten Zeitpunkt verloren, ich war 16, da war's legal, los ging's...» legt der Potter-Mime eine noch heiklere Beichte ab: «Ich glaube nicht an Gott - aber ich bin ein entspannter Atheist. Ich predige nicht.»

Außerdem outet sich der 19-Jährige als Bewunderer von Richard Dawkins, Evolutionstheoretiker und Vorzeige-Atheist, Autor des Gotteswahns und Erzfeind aller religiösen Kreationisten: «Alles, was er im Fernsehen macht, schaue ich mir an.»

Das war nur die noch fehlende Bestätigung für das, was die amerikanische religiöse Rechte schon lange mutmaßt: Die Harry-Potter-Reihe ist schlimmstes heidnisches Teufelszeug und korrumpiert die Jugend.

Schon seit Beginn der Serie über den Zauberschüler und seine Freunde haben Menschen gegen die Harry Potter-Bücher und Filme protestiert, meist mit religiösen Argumenten im Hinterkopf. Schon 1999 sollten die Romane aus US-Klassenzimmern verbannt werden, weil die Beschreibungen von Magie, Kult und Ritualen in den Büchern so unchristlich wirkten. 2002 gab es sogar eine Anti-Potter-Konferenz im US-Bundesstaat Maine, wie die englische Tageszeitung Daily Telegraph berichtet.

Viele konservative Evangelikale Christen in den USA nehmen die Fantasiegeschichten von J.K. Rowling äußerst ernst – und pflegen ihre lange Tradition des Widerstandes gegen die magische Parallelgesellschaft. Eine der größten christlichen Gruppierungen des Landes, Focus on the Family, hat die Bücher wiederholt als «Hexenwerk» abgetan.

Radcliffe ist sich der Brisanz seiner Aussagen wohl ausreichend deutlich bewusst, wenn er auf sein Geständnis hin scherzt: «Tja das war's dann wohl, das ist halb Amerika, das sich den neuen Harry-Potter-Film jetzt wegen dieser Bemerkung nicht anschauen wird.» Doch selbst bei massiven Einbrüchen an der Kinokasse wird der Zauberschüler-Darsteller selbst in keine unmittelbaren Finanznöte kommen. Sein am Hexenwerk verdientes Vermögen wird auf mehr als 40 Millionen Euro geschätzt.

Umgekehrt ist der verehrte Atheist Richard Dawkins selbst aber kein Harry-Potter-Fan. Dawkins hatte schon im vergangenen Jahr bekannt gegeben, dass die Geschichten für junge Menschen nicht zu empfehlen seien – anders als die Evangelikalen findet Dawkins das Zauberwerk zu «unwissenschaftlich».

Weiterführende Links:

Atheismus: «Damit konfessionsfreie Menschen sichtbar werden»
Illuminati: Hollywood ist nicht der History Channel

Aus dem Netz:

Harry Potter mit blauem Auge auf dem Cover des britischen Esquire
Evolutionstheoretiker Richard Dawkins ist kein Fan von Harry Potter, berichtet die «Daily Mail» 2008 (engl.)

hav/news.de/ddp

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