So spannend wie ein Fußballspiel ohne Ball
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 20.05.2009Das Finale der vierten Staffel der ProSieben-Castingshow ist komplett: Nach Sara ziehen auch Mandy und Marie in die Entscheidungsshow ein. Doch nur eine von ihnen kann «Germany`s Next Topmodel» werden - nur eine außer Heidi Klum.
Alle Augen sind auf Jessica und Mandy gerichtet. Wer von den beiden würde sich wohl den letzten Platz im Finale sichern? Die Aufregung ist den zitternden Mädchen ins Gesicht geschrieben, als sie wie zwei Lämmer zur Schlachtbank über den Catwalk schleichen. Zumal es Heidi Klum wieder betont spannend macht, etwas über Stärken und Schwächen faselt und darüber, wer denn nun «ein kleines bisschen besser» sei als die andere.
Am Ende entscheidet sich Heidi gegen die blauen Augen, das offene Lächeln und die süße Zahnlücke. Jessica sei zwar als Typ «sehr toll», habe einen «guten Look» und am Ende einen «wahnsinnigen Endspurt» gezeigt. Doch sie habe in den vergangenen Wochen eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt. Die 21-Jährige habe es an Motivation und Siegeswillen mangeln lassen. So etwas kann die strebsame Modelmama, die gerade ihr viertes Kind erwartet, natürlich nicht durchgehen lassen.
Anders Mandy, die die Jury beim Laufstegtraining mit dem brasilianischen Topmodel Alessandra Ambrosio zum Staunen gebracht hatte. «Das war so ein bisschen dein Durchbruch», lobt Heidi die 18-jährige Blondine. «Danach hast du die Catwalks in New York erobert.» Und die Herzen der Jury, die Mandy fortan Laufsteg-Queen nannten.
Zuvor hat «das Heidi aus Bergisch Gladbach», wie Frauenrechtlerin Alice Schwarzer in der aktuellen Emma-Ausgabe über die Klum lästert, die brave Marie in Angst und Schrecken versetzt, als sie der im Internet und in den Medien als Topfavoritin gehandelten Bayerin mit Pokermiene sagt: «Du bist an einem Punkt angelangt, an dem du nicht mehr weiterkommst.» Der 20-Jährigen mangele es an Facettenreichtum und sie sei austauschbar. Dabei habe Marie auf sehr hohem Niveau angefangen und die Messlatte für andere hoch gelegt. Nach bangen Sekunden kommt dann endlich der erlösende Satz: «Ich kann dir nicht sagen, ob du am Ende Germany`s Next Topmodel bist, aber ich kann dir sagen, dass du im Finale bist.»
Sara musste nicht mehr zittern. Die 19-jährige Halbäthiopierin zog bereits in der letzten Sendung als erste ins Finale ein. Das wurde natürlich noch einmal ausführlich gezeigt – ebenso Marias (20) Abgang. Der Münchner Privatsender hatte die Bekanntgabe, welches der Mädchen noch ausscheidet, in eine Extra-Ausgabe der Sendung verlagert, die auch darauf abzielte, die Werbepartner der Show zufrieden zu stellen - und die so aufregend war wie ein Fußballspiel ohne Ball.
Einer der großen Werbepartner ist eine bekannte Fastfoodkette, deren Filiale in Los Angeles Drehplatz eines neuen TV-Spots war. Die drei Finalistinnen durften neben Heidi Klum dabei sein. «Es ist toll, mit Heidi zusammenzuarbeiten», jubelt Marie. «Der Regisseur hat ihr einen Satz gesagt und sie konnte ihn sofort richtig aufsagen.»
Die Mädels glänzen aber auch nicht gerade mit sprachlicher Intelligenz, wie sich bei einem Interview herausstellt, das sie auf Englisch geben müssen. Letztlich ist die Journalistin aus Singapur allein von Sara begeistert, weil die sich als einzige geöffnet habe.
Auf der südostasiatischen Halbinsel, von der Mandy nicht weiß, wo sie liegt, ist das Trio für eine Fotoreportage an den schönsten Hotspots der Stadt, eine Modenschau für eines der erfolgreichsten Labels des Landes vor der nächtlichen Skyline und eine 14-seitige Modestrecke inklusive Covershooting für ein Hochglanzmagazin gebucht. Gott, ist die Jury stolz. «Wir fühlen uns natürlich geehrt, dass unsere Mädchen für so tolle Jobs gebucht werden», bemerkt Peyman Amin. Und Rolf Scheider ist begeistert: «Wir haben drei Monate alles gegeben, um ihnen so viel wie möglich beizubringen und jetzt sieht man, dass sie richtig viel gelernt haben und das auch super umsetzen können.»
Wie viel die Jury wirklich von den Mädchen hält, verriet Scheider kürzlich in der Talkshow von Johannes B. Kerner im ZDF. Dort ließ «Rolfe» unfreiwillig durchblicken, dass die Jury wohl kein Topmodel, sondern Germany`s Next Werbegesicht sucht. Ira wäre gut für Kaffee, Waschmittel oder Babybrei, meinte der Juror zu den Aussichten der Kandidatin, die immerhin von insgesamt mehr als 20.000 Mädchen unter die Top 7 kam. So viel zu der stets in Aussicht gestellten Laufstegkarriere.
seh/news.de