15.08.2019, 12.30 Uhr

Mythos: Woodstock-Jubiläum: Die größten Mythen um das legendäre Festival

Viele Mythen ranken sich um das Woodstock-Festival von 1969. Doch wie wurde es eigentlich so legendär?

Dieses Foto ging um die Welt. Es stammt aus dem Film "Woodstock - 3 Tage im Zeichen von Liebe & Musik" (1970) Bild: imago images / United Archives/spot on news

Woodstock ist das mit Sicherheit legendärste Festival, das es bisher jemals gegeben hat. Durch die Dokumentation "Woodstock - 3 Tage im Zeichen von Liebe & Musik" wurde vieles im Nachhinein beschönigt oder ausgespart. Tatsächlich war das Woodstock durch vielen Regen wohl vor allem eine große Matsch-Party friedfertiger Hippies, gepaart mit Drogen sowie guter und weniger guter Musik. Viele Mythen ranken sich mittlerweile um das legendäre Festival. Welche sind wahr und welche sind frei erfunden?

Hier können Sie den Director's Cut der Doku "Woodstock" kaufen

Wo fand das Woodstock eigentlich statt?

Auf diese Frage möchte man natürlich mit "Woodstock" antworten - doch das stimmt gar nicht. Tatsächlich fand das Festival sogar ganze 70 Meilen (etwa 113 Kilometer) südwestlich vom ursprünglich geplanten Veranstaltungsort statt. Eigentlich sollte das Festival in dem kleinen Ort Saugerties in der Nähe von Woodstock ausgetragen werden. Die Bewohner sprachen sich jedoch gegen die möglichen Besuchermassen aus.

Auch die Nutzung eines Industriegelände im Städtchen Wallkill wurde den Veranstaltern verwehrt. So kam es, dass sie einen Monat vor dem Woodstock noch keinen Veranstaltungsort gefunden hatten. Schließlich konnte man sich mit dem Milchbauern Max Yasgur auf seine Felder in der Dorfgemeinde White Lake nahe der Kleinstadt Bethel einigen. Die Nachbarn Yasgurs waren jedoch alles andere als begeistert.

800 Bürger aus Bethel unterschrieben eine Petition gegen das Woodstock, konnten schließlich jedoch beruhigt werden. Innerhalb von drei Wochen wurde dann das ganze Festival auf die Beine gestellt: Eine funktionierende Infrastruktur, Musiker, ein Verkehrs- und Sicherheitskonzept sowie Werbeanzeigen mussten organisiert werden.

Traten beim Woodstock wirklich die größten Stars auf?

32 Bands und Solokünstler traten beim Woodstock auf die Bühne - doch viele Stars der damaligen Zeit blieben der Veranstaltung fern. Bob Dylan wollte beim Woodstock nicht spielen und sprach sich sogar gegen das Festival aus, das in der Nähe seines damaligen Wohnortes stattfinden sollte. "Früher einmal war der Ort ein ruhiges Refugium gewesen, jetzt nicht mehr. In allen fünfzig Bundesstaaten hatte man wohl Karten gedruckt, damit die Gangs von Dropouts und Drogensüchtigen unsere Farm finden konnten. Pilger aus dem fernen Kalifornien hingen herum. Zu allen Tag- und Nachtstunden brachen Idioten bei uns ein", schrieb er laut der "Deutschen Welle" in seiner Autobiographie.

Auch andere große Bands und Stars der 60er Jahre wie The Beatles, The Rolling Stones, Pink Floyd, The Beach Boys, The Doors oder Elvis Presley (1935-1977) traten nicht in Erscheinung. Stattdessen spielten andere Musikgrößen wie Jimi Hendrix (1942-1970), Janis Joplin (1943-1970) und The Who. Mittlerweile sehr bekannte Künstler wie Santana (72) oder Joe Cocker (1944-2014) wurden erst später richtig berühmt.

Was war der Höhepunkt des Festivals?

Der Höhepunkt des Festivals war nicht, wie oft angenommen, der Auftritt von Jimi Hendrix. Er wurde zwar als Headliner des Woodstock gehandelt und hatte sein Konzert als letzter Act, doch wegen des Wetters wurde sein Auftritt nach hinten verschoben. Schließlich trat der Star statt wie geplant um Mitternacht erst am Morgen des 18. August auf - als viele Festivalbesucher noch schliefen oder gar abgereist waren.

Tatsächlich sollen rund 320.000 der geschätzt über 400.000 Besucher den Auftritt von Jimi Hendrix gar nicht mehr mitbekommen haben. Seine von Kriegslärm zerfetzte Version der US-amerikanischen Nationalhymne "Star Spangled Banner" - und damit sein Kommentar zum Vietnamkrieg - wurde trotzdem Kult.

Friede, Freude, Eierkuchen?

Rund 200.000 Besucher wurden erwartet, am Ende kamen jedoch über 400.000 Personen. Dass keine Massenpanik entstand, ist vielleicht auch auf den erhöhten Drogenkonsum zurückzuführen. Ganz friedlich lief das Festival jedoch nicht ab. Der hohe Besucherandrang führte dazu, dass Zäune niedergerissen wurden, um sich Zugang zum Gelände zu verschaffen und das Zahlen des Eintrittsgeldes zu umgehen. Unmengen an Regen verwandelte den Boden in Matsch, das Woodstock wurde zu einem kleinen Katastrophengebiet.

Es gab von allem zu wenig: Essen, Trinken, medizinische Versorgung, sanitäre Einrichtungen. Militärhelikopter mussten zusätzliche Nahrung einfliegen, am 16. August wurden außerdem 50 zusätzliche Ärzte aus New York geholt. Auf dem Festival soll es auch drei Tote gegeben haben: ein Besucher sei an einer Heroin-Überdosis gestorben, ein weiterer an einem Blinddarmdurchbruch und ein dritter sei von einem Traktor überrollt worden. Außerdem soll es heftige Auseinandersetzungen zwischen Hippies und Vietnam-Veteranen gegeben haben.

spot on news

Empfehlungen für den news.de-Leser