Ursula Poznanski packt aus: Facebook, Virtual Reality und Onlinegames - SO werden wir manipuliert

Facebook ist böse, Online Games manipulativ, medizinischer Fortschritt immer vorantreibend und GeoCaching ein harmloses Hobby. Das dem nicht so sein muss, zeigen die durchdachten Geschichten von Ursula Poznanski. Die Autorin erschafft richtig böses Kopfkino und spricht Ängste an, die der ein oder andere besorgte Mitmensch und Onlineskeptiker schon gehabt haben dürfte. News.de sprach mit der Autorin.

Ursula Poznanski Bild: dpa

In Ursula Poznanskis Geschichten geht es um soziale Grenzfälle, Mobbing und psychische Spielereien. Sie spricht offen die Ängste der Gesellschaft an und spielt genreübergreifend mit den Reizen neuer Kommunikationskanäle und Entwicklungen. Sind Facebook-Gruppen ein zuverlässiger Kanal um überregional Morde zu planen? Könnte man mittels GeoCaching Selbstjustiz verüben? Was bedeutet eigentlich Augmented Reality wirklich für unsere Privatsphäre und wie schwierig ist es, online zu Straftaten zu verleiten? Die österreichische Autorin, die wunderbar die Brücke zwischen den verschiedenen Generationen und Genren schlagen kann, beantwortet diese Fragen unterhaltsam und vielseitig in ihren Büchern.

News.de durfte mit ihr über ihr bisheriges Schaffen sprechen.

Die Erfolgsautorin Ursula Poznanski im Interview

News.de: Sie beobachten und analysieren die Potenziale und Gefahren sozialer Netzwerke, Medien und Online-Communities sehr genau. Facebook, Online-Spiele und Technologie sind ihre Themen, ebenso wie Genmanipulation, Therapie und Strategiespiele. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die nächsten Jahre?

Ursula Poznanski: Ein großes Thema ist immer Manipulation. Ob man das von der technischen oder nicht-technischen Seite angeht, ist unerheblich - es ist ein Riesenthema. Manipulation findet laufend statt. Unser Alltag ist gespickt mit Botschaften von diversen Interessensgruppen. Häufig so subtil, dass man es teilweise gar nicht merkt,, und es für selbstverständlich hält, wie beispielsweise dieses „ideale“ Körperbild, das uns aufs Auge gedrückt wird. Man kann sich dem kaum entziehen. Manipulation ist die Vielzahl kleiner Botschaften, die man ständig auf allen Ebenen gesendet bekommt. Das nimmt zu. Schon weil jetzt jeder gleichzeitig Sender und Empfänger ist. Durch die sozialen Medien kann jeder broadcasten - das wird sehr genutzt, zum Beispiel auch von politischen Parteien. Bei Trump und beim Brexit sieht man wozu Manipulation im Vorfeld führt und wie personalisiert diese inzwischen ist.

Dominieren werden in den nächsten Jahren ganz sicher Umweltthemen. Die dort vorhandenen Probleme zu bewältigen wird die größte Herausforderung sein.

Und natürlich die Spaltung der Gesellschaft, die momentan ganz stark stattfindet und sich durch alle Generationen vollzieht.

Kritik und Dialog: Die bewusste Auseinandersetzung als Indikator

News.de: Welche Resonanz bekommen Sie auf Ihre kritischen Fragestellungen?

Ursula Poznanski: Interessanterweise bekomme ich selten Kritik oder Gegenwind. Eigentlich nie zu den persönlicheren Fragestellungen. Am ehesten passierte das bei „Erebos“, weil manche Leser dachten es wendet sich gegen Computerspiele. Darum ging es aber gar nicht, auch nicht um Computerspielsucht, sondern um Manipulation und Wahrnehmung.

News.de: Welche Zielgruppen sprechen Sie an?

Ursula Poznanski: Meine Bücher richten sich gleichermaßen an Menschen, die sich bewusst mit ihrer Umwelt auseinandersetzen wollen, und Lesern, die einen intelligenten, nicht zu blutigen Thriller zu schätzen wissen. Einer meiner beiden Verlage ist ein Jugendbuchverlag und so möchte ich auf Augenhöhe auch Jugendliche ansprechen und lasse mich von den Themen ihrer Erlebenswelt leiten.

Die Ängste und Herausforderungen unserer Gesellschaft spiegeln sich oft in meinen Büchern und sollen, ohne zu belehren, jedem einen Denkanstoß geben.

Inspiration, Gamification und Anspruch

News.de: Wie finden Sie zu Themen?

Ursula Poznanski: Die Themen begegnen eher mir. Sie springen mich irgendwann im Internet und in der täglichen Auseinandersetzung an. Bei „Thalamus“ war das eine Zusendung aus meiner Zeit als Medizinjournalistin.

News.de: Können Sie sich mit einer Ihrer Figuren besonders identifizieren? Mit welcher?

Ursula Poznanski: Ria aus der „Eleria“-Trilogie ist eine Figur auf die ich sehr stolz bin. Sie ist klüger als ich und kann viel mehr, aber sie ist eine Figur mit einem echten Ziel. Und ihr Hauptanliegen ist es nicht, den Kerl zu bekommen. Aber auch Beatrice Kaspary ist eine starke Charakterrolle, der ich mich sehr verbunden fühle.

Motivation und Kausalität erfolgreicher Autorenschaft

News.de: Mit welchem Ziel schreiben Sie?

Ursula Poznanski: Natürlich ist Unterhaltung ein wesentliches Ziel. Wer schreibt und das nicht erreicht, macht was falsch. Daneben finde ich es aber auch spannend, Fragen aufzuwerfen. Eine allgemeingültige Antwort darauf habe ich in der Regel selbst nicht. Meine Figuren bewegen sich um diese Fragen und beleuchten sie von verschiedenen Seiten. Zwar kann man sicher manchmal meine Einstellung und Haltung durchschimmern sehen, aber aufdrängen oder belehren möchte ich nicht. Ich gebe lediglich die Möglichkeit zum Denkanstoß und motiviere dazu, sich mit sich selbst, den eigenen Ecken, Kanten und Dimensionen auseinanderzusetzen. Und natürlich auch mit denen der Gesellschaft um uns herum.

News.de: Haben Sie Vorbilder in ihrem Schaffen?

Ursula Poznanski: Sehr viele! Eine davon ist Joanne K. Rowling. Erst ihre Bücher mit den Twists, Turns und falschen Fährten haben mir gezeigt, dass auch komplexe Geschichten für junge Leser machbar sind. Mir ist es wichtig auch auf Augenhöhe mit meinen jugendlichen Lesern zu sein. Abstriche, Vereinfachungen, Kompromisse müssen nicht sein, gerade junge Leserinnen und Leser lassen sich gerne fordern, wenn eine Story sie packt.

Der Werdegang ist nicht so sehr entscheidend, wie das, was man daraus macht

Ihr eigener Lebensweg ist nicht geradlinig verlaufen. Sie versuchten das Studium der verschiedensten Studienfächer wie Japanologie, Publizistik, Theater und Recht und fanden letztendlich erst als Medizinjournalistin ihren Weg.

News.de: Welche Station hat Sie im Leben besonders geprägt?

Ursula Poznanski: Ich habe immer geschrieben, aber mir nie zugetraut mal etwas zu schreiben, das ein bisschen länger geworden wäre. Ein Meilenstein für mich war ein Filmwettbewerb des ORF. Ich hatte gerade meinen Sohn bekommen und dachte „warum nicht“ und schrieb drauf los. Das Ergebnis waren 120 Seiten, die bei mir einen Schalter umlegten. Das war ein langer Reifeprozess. Mit 20 hätte ich es nicht geschafft eine längere Geschichte zu schreiben. Heute schreibe ich täglich 1.300 Worte, bringe zwei Bücher im Jahr heraus und bin als Autorin angekommen.

News.de: Beschreiben Sie sich in drei Worten.

Ursula Poznanski: Offen. Optimistisch. Produktiv.

News.de: Welche Botschaft ist Ihnen besonders wichtig zu vermitteln?

Ursula Poznanski: Selber denken und sich nichts einreden lassen!

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nbl/fka/news.de

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