Paul Badde: So geht es Benedikt XVI. heute

"Bis jetzt ist Papst Franziskus noch für jede Überraschung gut", meint Vatikan-Experte Paul Badde. Papst Benedikt hingegen sei ein Fels an Verlässlichkeit gewesen. "Doch eine größere Überraschung als seinen Rücktritt wird Franziskus niemals bieten können.

Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Papst Franziskus Bild: imago/Independent Photo Agency Int./spot on news

Am 11. Februar 2013 überraschte Papst Benedikt XVI. (90) die ganze Welt. Er kündigte an, zum 28. Februar 2013, 20 Uhr "auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri zu verzichten". Er sei "zur Gewissheit gelangt", dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, "um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben". Eingeweiht in diesen Schritt waren offenbar nur wenige...

"Alle wurden überrascht, nicht einmal eine Handvoll Personen seiner engsten Vertrauten haben zuvor davon gewusst, darunter sein Bruder, der Domkapellmeister Georg Ratzinger und sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein", erklärt Paul Badde (69), Autor des Buchs "Papst Benedikt XVI: Seine Papstjahre aus nächster Nähe", der Nachrichtenagentur spot on news. Dem Vatikan-Experten ist aus den acht Jahren, die Benedikt Kirchenoberhaupt war, vor allem dessen "freundliche Bescheidenheit, seine zurückhaltende Geistesgröße, seine gewinnende Milde" in Erinnerung geblieben.

Das Leben von Benedikt XVI. heute

Benedikt XVI. zog nach seinem Amtsverzicht ins Kloster Mater Ecclesiae in der Vatikanstadt. Warum ist er nicht zurück nach Deutschland gekehrt? "Er wäre nicht nur in Deutschland, sondern an jedem anderen Ort der Erde erdrückt worden von seinen zahllosen Verehrern und hätte sich nicht dagegen wehren können", meint Badde. "Auch nicht dagegen, dass er in diesem Gedränge auf die eine oder andere Weise instrumentalisiert worden wäre, und sei es nur durch eine Lawine von Fotos, die Paparazzi in allen möglichen Situationen von ihm geschossen hätten, wenn er nur einmal durchs Fenster ins Freie geschaut hätte. Davor konnten ihn nur die Vatikan-Mauern schützen und das engmaschige Sicherheitssystem der Schweizer Garde und der Gendarmerie des Vatikans."

"Sein Leben ist sehr vom liturgischen Rhythmus geprägt", berichtet der Autor über den Alltag des emeritierten Papstes. "Bei ihm ruht jeder Tag auf dem Fundament der heiligen Messe, die der alte Priester jeden Morgen mit seinem Privatsekretär und im kleinsten Kreis in der Früh feiert, und dem nachmittäglichen Rosenkranz. Der Tag endet mit der Komplet vor der Nachtruhe, dem letzten Gebet der Kirche." Zudem lese Benedikt XVI. viel, "lässt sich auch gerne vorlesen, hört Musik und hat in den letzten Jahren auch zahlreiche Gäste empfangen. Dem aber setzen seine nachlassenden Kräfte nun immer engere Grenzen".

Wie nahe stehen sich Benedikt und Franziskus?

Im Dezember stattete Papst Franziskus (81) seinem Vorgänger wie in den vergangenen Jahren einen Weihnachtsbesuch ab, dieses Mal ohne Begleitung von Fotografen oder Medien. Das bedeute, erklärt Badde, dass sich Benedikt immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückziehen wolle. Über die Beziehung zwischen den beiden großen Kirchenmännern sagt der Historiker und Journalist: "Die beiden könnten von ihrem ganzen Charakter und Naturell her nicht verschiedener sein. Einerseits verbindet und trennt sie nur ein kleiner Fußweg, andererseits trennen sie Welten. Doch sehr, sehr stark eint die beiden die Verantwortung für das Papstamt, das heißt für die Nachfolge des Apostels Petrus vom See Genezareth in Galiläa."

Was die größten Unterschiede zwischen dem Pontifikat Benedikts und dem von Franziskus sind, werde sich erst im Abstand der Geschichte beurteilen lassen: "Bis jetzt ist Papst Franziskus noch für jede Überraschung gut. Papst Benedikt hingegen war ein Fels an Verlässlichkeit. Doch eine größere Überraschung als seinen Rücktritt wird Franziskus niemals bieten können."

Papst Franziskus beklagt immer wieder Missstände im Vatikan. Was hat er in den vergangenen fünf Jahren in der Kurie verändern können? "Das fragen sich inzwischen viele. Eine überzeugende Antwort steht allerdings noch aus. Klar ist bisher nur, dass Papst Benedikt XVI. alle maßgeblichen Reformen des Vatikans und der katholischen Kirche seit dem Jahr 2005 begonnen und auf den Weg gebracht hat", so Badde.

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