Schlagerbranche: Sarah Schiffer: So hart ist der Einstieg ins Schlagerbusiness

Sie hat in der Schlagerwelt bereits ihre ersten Schritte gemacht. Nun will sich Sarah Schiffer auch etablieren. Wie hart das ist, verrät sie im Interview.

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Eine neue Helene Fischer will sie nicht werden, trotzdem sagt sie, die Schlagerkönigin sei "natürlich" ihr Vorbild, schließlich gebe es "da Parallelen". Sarah Schiffer (28) ist eine junge, talentierte Sängerin, die sich in der Schlagerwelt so langsam einen Namen macht. In der ProSieben-Musikshow "Keep Your Light Shining" schnupperte sie 2014 erstmals TV-Luft. Vor knapp einem Jahr hat sie mit ihrem Album "Freier Fall" ihr beachtliches Debüt gefeiert. Doch auf dem Weg dorthin flossen einige Tränen, wie sie im Interview mit spot on news offenbart. Ein Gespräch über den harten Weg nach oben.

Sarah, wie haben Sie die Tür zur Schlagerwelt aufgestoßen?

Sarah Schiffer: Ich habe schon immer gerne Schlager gehört. Aber um da reinzukommen, muss man am Anfang wirklich naiv denken. Einfach loslaufen. Wenn mal eine Tür zu ist, dagegen laufen, Nase brechen und weiter geht's. Ich habe mir von der Pike auf alles selber aufgebaut. Ich hatte keine große Plattenfirma hinter mir. Habe mir aber ein kleines Team aufgebaut. Wir sind Schritt für Schritt vorangekommen. Und ich denke, das war der richtige Weg. So konnte und kann ich sehr selbstbestimmt arbeiten.

Seit knapp einem Jahr ist Ihr Debütalbum "Freier Fall" auf dem Markt. Was hat sich seitdem alles getan?

Schiffer: Es hat sich super viel getan. Jeden Tag geht man einen Schritt weiter, manchmal auch einen zurück - das gehört dazu. Aber mittlerweile kann ich auf Veranstaltungen singen, und die Leute kennen meine Texte. Da bin ich stolz drauf. Ich hatte dieses Jahr auch viele Auftritte im Fernsehen. Das waren tolle Erfahrungen, die man in einem anderen Job nicht hat.

Um für Ihr Debüt zu werben, haben Sie einen ungewöhnlichen Weg gewählt.

Schiffer: Wir hatten uns überlegt, was wir werbetechnisch alles machen können. Und da ist uns eingefallen, dass die Leute in Deutschland doch immer viel im Stau stehen. Plakate aufzuhängen ist aber nicht erlaubt. Da sind wir auf die Idee gekommen, Werbung auf LKWs zu machen. Und die fahren jetzt mit meinem Gesicht drauf nicht nur durch Deutschland, sondern sogar durch ganz Europa.

Haben Sie das Ziel, das Sie sich für dieses Jahr bestimmt gesteckt haben, erreicht?

Schiffer: Ich bin immer vorsichtig mit Zielen. Natürlich, wenn man anfängt sagt man: "Boah, ich will die neue Helene Fischer werden!" Und dann merkt man, "könnte schwierig werden". Aber ich bin ja seit meinen Anfängen nun auch etwas älter geworden und die Ziele werden realistischer. Ich bin ein Freund davon, Dinge so anzunehmen, wie sie sind und sich nicht zu hohe Ziele zu setzen. Aber mein Lebensmotto ist ohnehin "et kütt wie et kütt", wie wir Aachener bzw. Kölner sagen.

Wie anstrengend ist es, in der Schlagerbranche Fuß zu fassen? Mittlerweile gibt es viele deutsche Künstler und der Schlager ist wieder sehr populär. Auf neue Schlagerstars warten die Leute nicht mehr unbedingt.

Schiffer: Mittlerweile ist der Schlager so populär geworden, dass natürlich viele in der Branche arbeiten möchten. Da muss man sich durchkämpfen und auch Glück haben. Es hat nicht nur mit harter Arbeit zu tun. Bei mir sind auch schon viele Tränen geflossen, es gab viele verzweifelte Momente. Aber daran wächst man und wird stärker. Der Schein nach außen ist schon oft anders, als das, was wirklich dahinter steckt.

In welchen Momenten waren Sie richtig am Boden zerstört?

Schiffer: Am Anfang bewirbt man sich viel bei Plattenfirmen, bekommt aber nur Absagen. Das ist hart, weil man weiß, dass man was kann. Keiner gibt dir eine Chance, dich zu beweisen. Das sind zunächst sehr deprimierende Momente. Auch als ich noch Musical machte, wo ich ja ursprünglich herkomme, gab es einen herben Nackenschlag. Mein größter Traum war es, in "Tarzan & Jane" die Jane zu spielen. Ich habe es bis in die finale Auswahlrunde geschafft, doch da wurde ich dann nur zweite und die Zweite hat den Job halt nicht bekommen. Das sind Momente, wo wirklich Tränen fließen. Aber das gehört dazu. Jeder, der seinen Traum verwirklichen möchte, kennt sowas.

Helene Fischer hat ihre Karriere wie Sie als Musical-Darstellerin begonnen. Ziehen Sie da manchmal Parallelen?

Schiffer: Helene Fischer ist ein Wunder! Sie ist eine Bombe! Aber auch sie ist einen Weg gegangen. Sie war nicht immer so, wie sie jetzt ist. Natürlich sehe ich da Parallelen. Wenn ich mir Interviews mit ihr von vor ein paar Jahren anschaue, als auch sie gerade aus der Musicalschule kam, dann hätte ich das auch sagen können. Auch unsere Stimmfarben sind sehr ähnlich. Aber jeder ist sein eigener Typ und man kann sich nicht miteinander vergleichen. Das wäre auch schlecht, schließlich wartet niemand auf eine zweite Helene Fischer. Aber neben ihr sind noch viele Plätze frei, die auch noch belegt werden möchten.

Aber Sie würden Helene als Vorbild bezeichnen?

Schiffer: Natürlich. Sie ist der Vorreiter für uns alle gewesen. Ohne Helene Fischer wäre der Schlager vielleicht nicht ganz so modern geworden mit der Zeit. Was sie jetzt macht, ist ja schon fast Beyoncé Knowles auf Deutsch. Das ist Wahnsinn, was die Frau macht. Sie hat allen Schlagersängerinnen und -sängern, die Türen zu etwas geöffnet, was schon eigentlich fast kein Schlager mehr ist, sondern deutsche Popmusik.

Sie haben mittlerweile auch schon einige Stars der Schlagerszene kennenlernen dürfen. Hat sie dabei irgendjemand nachhaltig beeindruckt?

Schiffer: Komischerweise war das Bata Ilic. Den kannte ich eigentlich nur vom Hörensagen, das war nicht meine Zeit. Aber der Mann ist fantastisch. Wie der in seinem Alter auf der Bühne noch abgeht, ist unglaublich. Und er ist ein so unglaublich netter Mensch. Genauso wie Florian Silbereisen, den ich mit Klubbb3 kennengelernt habe. Ein unglaublich sympathischer Typ. Und auch Semino Rossi, mit dem ich auf Tour war. Das sind alles ganz normale Leute mit einem außergewöhnlichen Job. Aber bisher hatte ich ohnehin Glück, von anderen Künstlern nur mit offenen Armen begrüßt worden zu sein. Da ist mir noch keiner blöd gekommen.

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