Brutal und systematisch: Gewalt und sexueller Missbrauch in der Klosterschule Ettal

Als im Frühjahr 2010 Misshandlungen und sexueller Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche ans Tageslicht kamen, stand auch das Kloster Ettal schnell im Fokus der Anschuldigungen. Dort haben sich die Geistlichen besonders brutal und systematisch an ihren jungen Schützlingen vergriffen.

Abt Barnabas Bögle sitzt mit gefalteten Händen bei der Pressekonferenz im Februar 2014. Bild: dpa

Es war ein Skandal, der im Frühjahr 2010 publik wurde: An mehreren katholischen Einrichtungen sollen Schüler "gedemütigt, geschlagen und missbraucht worden" sein. Neben dem Canisius-Kolleg in Berlin, der hessischen Odenwaldschule oder dem Bonner Aloisius-Kolleg geriet auch schnell das Benedektinerkloster Ettal in den Fokus – eine der angesehensten Erziehungseinrichtungen der katholischen Kirche.

Das Autorenteam Bastian Obermayer und Rainer Stadler hat sich in seinem Buch "Bruder, was hast du getan?" intensiv mit dem jahrzehntelangen und systematischen Missbrauch von Schülern in Ettal auseinandergesetzt. 15 Erzieher stehen demnach im Verdacht, über Jahrzehnte mehr als hundert Schüler brutal geschlagen, misshandelt und missbraucht zu haben.

Das Gymnasium Ettal als rechtsfreier Raum

Obermayer, Leiter des Ressorts Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung, und Stadler, der als freier Journalist arbeitet, beginnen ganz am Anfang der Geschichte des Benediktinerklosters, das, 1330 gegründet, im 20. Jahrhundert mit dem angeschlossenen humanistischen Gymnasium zu einer Elite-Einrichtung avanciert, in der die Mönche vornehmlich Kinder reicher Eltern unter ihre Fittiche nehmen.

Ettal galt gerade durch seine Abgeschiedenheit fernab gesellschaftlicher Ablenkungen als perfekte Schule und Türöffner für eine spätere Karriere. Aber ausgerechnet die Weltfremdheit und die sich daran knüpfende Abgeschlossenheit wurde Ettal zum Verhängnis und es entstand ein quasi rechtsfreier Raum

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