Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 27.03.2016, 08.00 Uhr

Gewalt in Videospielen: Warum "Killerspiel" heute ein Kampfbegriff ist

Sind Videospiele noch immer als blutige PC-Orgien verschrien, oder waren sie es gar jemals? Und was hat es eigentlich mit dem Begriff "Killerspiele" auf sich? Ist man als Gamer gleich eine gewaltbereite und tickende Zeitbombe?

Szene aus "Hatred". In dem plumpen Shoot'em up erlebt der Spieler einen Amoklauf aus der Vogelperspektive. Bild: Youtube/GamePlayTheGame

Das Opfer liegt bereits am Boden. Es handelt sich nicht um einen feindlichen Soldaten oder ein gefährliches Monster, das noch immer fähig wäre zu töten. Es ist eine Frau mittleren Alters, die um Gnade fleht. Der Protagonist ergreift ihre Jacke und hebt ihren Mund seiner Pistole entgegen. Dann betätigt er den Abzug.

Was bereits beim Lesen für Abscheu sorgt, ist eine Szene aus dem Gameplay-Trailer zu "Hatred", einem spielgewordenen Amoklauf. Das Shoot'em-up-Videospiel wurde im Juni vergangenen Jahres vom polnischen Entwickler Destructive Creations veröffentlicht und sorgt bereits vor seinem Release für Kontroversen - denn noch immer hat das Medium mit dem Begriff der "Killerspiele" zu kämpfen.

Gewalt in Videospielen: Von der Schießbude zur Auseinandersetzung

Dabei können Spiele wie "Hatred" auf eine lange Geschichte innerhalb des noch sehr jungen Mediums zurückblicken. Bereits Ende der 1990er erschien mit "Postal" ein Spiel, in dem man einen virtuellen Amoklauf erleben kann. Sechs Jahre später kam der Nachfolger "Postal 2". Der wichtige Punkt: Während Teil Eins noch fast vollkommen ohne Hintergrundgeschichte auskam, bediente sich Teil Zwei bereits sarkastischer und satirischer Elemente und übte somit Kritik an der amerikanischen Gesellschaft.

Auch das erstmals 2003 durch Rockstar Games ("GTA", "Red Dead Redemption") veröffentlichte "Manhunt" folgte diesem Prinzip, indem es Kritik am Konzept der Reality-Show übte. Der Protagonist musste für einen skrupellosen Hollywood-Regisseur sogenannte Snuff-Filme drehen, indem er Gang-Mitglieder auf besonders brutale Art und Weise umbringt. Natürlich war die dargestellte Gewalt noch immer verachtenswürdig. Statt diese jedoch unkommentiert zu präsentieren hatten die Entwickler erkannt, dass sich darüber durchaus auch Kritik am realen Zeitgeschehen ausüben ließ. Statt bloßer Zurschaustellung begann man mit der Auseinandersetzung mit Gewalt.

Videospiel "Shellshock": Krieg statt Satire

"Shellshock Nam '67" versetzte dieses Prinzip ein Jahr später in den Vietnamkrieg. In Form eines unbekannten US-Soldaten erlebt der Spieler die Gräuel des Krieges - von Napalm-Angriffen über die Erschießung von Kriegsgefangenen bis hin zu der Auslöschung ganzer Dörfer. Das Grauen wird dem Spieler schonungslos vor Augen geführt, wodurch das Spiel trotz mittelmäßiger Umsetzung in einzelnen Teilen sogar an große Filme wie "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket" erinnern lässt.

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