Das pöbelnde Netz
Hetze auf Facebook, Twitter und Co.: Zensur oder Meinungsfreiheit?

Bedrohungen, Beleidigungen, Vergewaltigungswünsche: Der Hass der Menschen äußert sich im Internet immer extremer. Vor allem die sogenannten sozialen Netzwerke werden mit Hetze und Propaganda überschwämmt. Doch was hilft gegen den Pöbel im Netz?

Die Pöbelei im Internet wird immer schlimmer. Doch was hilft gegen den Hass? Bild: fotolia.com/ Calavision

Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (41) hat mit ihrer emotionalen Dankesrede bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" viele Zuhörer bewegt. Die Tochter christlich-irakischer Auswanderer hatte für ihre Berichterstattung über die Flüchtlingskrise den Preis in der Kategorie "Beste Information" erhalten und daraufhin eine zunehmende Verrohung und Rebarbarisierung der Umgangsformen im Internet beklagt. Hayali muss es wissen: Seit Monaten wird sie als Journalistin im Netz teilweise heftig beschimpft.

Bedrohungen, Beleidigungen, Vergewaltigungswünsche

Aber nicht nur Hayali, auch vielen anderen Menschen, die sich derzeit nicht an einer pauschalen Hetze gegen Flüchtlinge beteiligen und stattdessen lieber helfen wollen, schlägt vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter - größtenteils anonym – der blanke Hass entgegen. "Was da gerade abgehe", so Hayali in ihrer Rede, sei "mit Verrohung von Sprache" gar nicht mehr zu beschreiben: "Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche – keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Mund verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen und wenn man nicht die Meinung des Gegenübers widerspiegelt, dann ist man ein Idiot, eine Schlampe, ein Lügner oder total ferngesteuert", so die 41-Jährige.

Sehen Sie hier Dunja Hayalis bewegende Rede auf YouTube.

Tatsächlich nimmt die Hetze vor allem gegen Flüchtlinge im Internet derzeit immer weiter zu, was anlässlich des "Safer Internet Day" am 08. Februar auch die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) beklagte. Von gezielten Falschinformationen wie erfundenen Vergewaltigungen und Schmähungen bis hin zu konkreten Aufrufen zu Gewalt gegen diejenigen, die nicht in das eigene Weltbild passen, ist alles zu finden im Netz. Immer wieder wird der Holocaust geleugnet, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gepostet oder "besorgte Bürger" fordern anlässlich der Flüchtlingskrise die Wiedereröffnung von Konzentrationslagern oder das Schießen auf Flüchtende an den Grenzen.

Eine Strategie gegen den Pöbel: Der gerichtliche Weg

Die KJM kündigte an, künftig verstärkt durch die Löschung einschlägiger Beiträge dagegen vorgehen zu wollen, um so das Internet vor allem für Kinder und Jugendliche sicherer zu machen. Gerade junge Menschen sind nachweislich empfänglicher für politischen Extremismus und dessen Propaganda, vor allem dann, wenn sie aus instabilen Verhältnissen kommen. Den juristischen Weg wählte auch der Würzburger Anwalt Chan-jo Jun letztes Jahr, als er aufgrund nicht gelöschter Hass-Posts gegen Facebook klagte und die Hamburger Staatsanwaltschaft zu ermitteln begann.

Angela Merkel und Heiko Maas gegen Facebook

Tatsächlich ist der Umgang des Branchenriesen Facebook mit dem Verhalten seiner User vor allem in Deutschland schon länger ein Politikum: Im September letzten Jahres suchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während der Uno-Generalversammlung das Gespräch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Und auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kämpft seit Längerem gegen radikale Volksverhetzer in den sozialen Netzwerken.

Richard Allan von Facebook: Task-Force gegen die "Hatespeech"

Im Spätsommer letzten Jahres traf sich Maas mit Richard Allan, Facebook-Cheflobbyist für Europa, um über Hasskommentare, die sogenannte "Hatespeech", auf der Plattform zu diskutieren und um auf eine rigidere Firmenpolitik in Bezug auf die Löschung einschlägiger Beiträge hinzuwirken. Die Einrichtung einer "Task Force" wurde vereinbart, und tatsächlich änderte der Branchenriese seine Richtlinien im Umgang mit Hass-Posts im November.

Facebook-Manager Allan erklärte, man werde künftig Posts, die " Androhungen von physischer Gewalt enthalten" als "glaubhafte Drohungen" einschätzen und entfernen. Zuständig für die Löschung problematischer Posts bei Facebook ist das "Community Operations Team" in der Europazentrale von Facebook in Dublin.

Lesen Sie hier Richarf Allans ausführliche Begründung zur Änderung der Facebook-Richtlinien.

Doch geholfen hat all das bislang wenig: Noch immer wird das Netzwerk mit Hassbotschaften geflutet, Bilder mit nackten weiblichen Brüsten hingegen werden meist sofort gelöscht. Grund für diese Doppelmoral: Das öffentliche Zeigen nackter Haut verstößt gegen die global gültigen "Gemeinschaftsstandards" des sozialen Netzwerks – und diese wurden bislang nicht geändert.

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6 Kommentare
  • tyty

    15.02.2016 17:52

    Mit Hass kann man nicht leben,wenn man keine Argumente hat.

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  • kanitvastan

    15.02.2016 11:40

    würden die politiker in unserem sinne politik betreiben und nicht immer mehr, unser land vergewaltigen, dann würde die wut der bürger, auch nicht als hetze angesehen, sondern unsere meinungen und ängste, ernst genommen werden.

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  • Wahrheit

    15.02.2016 06:37

    Hallo Petra, du gefällst mir, ich klatsche mit!

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