Nicole Neubauer: Ein Messie auf Mörderjagd: Nicole Neubauers "Kellerkind"

Eine Anwältin liegt ermordet in ihrer Wohnung, ein Jugendlicher kauert blutverschmiert in ihrem Keller. Ein klarer Fall? Keineswegs. In Nicole Neubauers Krimi "Kellerkind" haben die Kommissare einiges zu bewältigen.

Nicole Neubauer sorgt mit "Kellerkind" für frischen Wind in der Krimi-Landschaft

Bild: Susanne Krauss/spot on news

Eiskalt ist nicht nur das München, in dem Nicole Neubauers Krimi "Kellerkind" (Blanvalet, 416 Seiten, 9,99 Euro) spielt, sondern auch der Mord zu Beginn des Romans. Rose Benninghoff liegt mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung. Im Keller des Hauses kauert der 14-jährige Oliver Baptiste, seine Hände blutverschmiert. Kann er der Mörder der Anwältin sein? Bald rückt aber auch sein Vater, ein aalglatter Erfolgstyp in den Fokus der Ermittler. Zusätzlich hat das Team um Kommissar Waechter auch noch privat einiges wegzustecken.

Waechter ist ein Messie, seine Kollegin Elli kämpft mit Übergewicht und Hannes mit seiner Teenager-Tochter aus einer früheren Beziehung. "Für mich ist ein Roman immer in erster Linie ein Buch über Menschen. Mich haben sehr die skandinavischen Kriminalromane geprägt, in denen nicht so sehr die Ermittlung im Vordergrund steht, vielmehr die Charaktere der Figuren. Ich möchte als Leserin ein Stück weit mit den Helden gehen und so viel wie möglich über sie erfahren, und den Raum habe ich auch meinen Ermittlern in 'Kellerkind' gegeben", erklärt Neubauer im Interview mit spot on news. Die 1972 geborene Autorin stammt aus einer "sehr belesenen Familie", sie sei "in einer regelrechten Kriminalbibliothek aufgewachsen", erzählt sie.

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Und ihre eigenen Lieblings-Kommissare? "Früher war ich ein großer Fan von Rankins John Rebus und dem Inspector Wexford von Ruth Rendell. Derzeit ist Hakan Nesser mein Lieblingsautor, weil er so wahr und menschlich schreibt." In "Kellerkind" geht es bis auf den mörderischen Einstieg wenig brutal zu. Sie möge keine Krimis, "in denen Grausamkeit dazu verwendet wird, dass sich die Leser daran weiden", sagt Neubauer. "Da bin ich selbst sensibel, und steige als Leserin aus, wenn sich die Gewalt- und Folterspirale immer mehr nach oben schraubt. Natürlich soll Literatur die Welt abbilden, auch mit ihrer Grausamkeit und Finsternis, sonst wäre sie eskapistisch, aber ich möchte dann auch die innere Haltung des Autors dazu erkennen. Ein guter Krimi ist für mich ein Buch, das mich in seine Welt zieht und nicht mehr loslässt. Eine schöne, unverwechselbare Sprache ist mir auch wichtig."

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Von Neubauers fesselnder, flotter Schreibe bekommen Krimi-Fans bald noch mehr - wenn Waechter und Co. sich an ihren nächsten Fall machen: "In 'Moorfeuer' ermittelt die Truppe im Fall eines brennenden Scheiterhaufens. Die Spuren führen zu einem alten Bauernhaus, in dem der Geist eines kleinen Mädchens spukt. Die Ermittler werden von dem Haus und seinen Bewohnern immer tiefer in den Bann gezogen. Doch es gibt jemanden, der auch jeden ihrer Schritte beobachtet - und es ist nicht der verirrte Wolf, der nachts über die Felder streicht..."

Momentan genießt Neubauer aber noch den Erfolg von "Kellerkind": Sie sei "überwältigt von dem Zuspruch und den netten Leserreaktionen. Es ist wie ein Märchen und ich genieße die Zeit sehr". Warum Krimis in Deutschland so beliebt sind, erklärt die Autorin so: "Ich denke, dass das Interessante an Krimis der große Einschlag ist, das ein Kapitalverbrechen bei Menschen hinterlässt. Die Wellen, die solch ein Verbrechen schlägt, bringen die Figuren schnell an ihre Grenzen und den Kern ihrer Persönlichkeit."

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