Von news.de-Redakteurin Jana Koopmann - 30.11.2014, 08.32 Uhr

Beatsteaks-Bassist Torsten Scholz im Interview: «Wir haben Helene Fischer vom Thron geschubst»

Die beste Liveband Deutschlands tourt derzeit durch die Hallen. Vor dem Berliner Konzert in der Max-Schmeling-Halle stand Bassist Torsten Scholz news.de Rede und Antwort.

Berlin ist das Wohnzimmer der Rockband Beatsteaks. An gleich zwei Abenden brachte die Kapelle die ausverkaufte Max-Schmeling-Halle zum Kochen. Doch einer hat seine Wurzeln in Leipzig: Bassist Torsten Scholz. Seine Verbundenheit mit der sächsischen Stadt ist immer noch sehr groß, obwohl er nur das erste Lebensjahr in der Messestadt verbracht hat. News.de-Redakteurin Jana Koopmann sprach mit dem sympathischen Musiker vor dem ersten Auftritt in Berlin.

Torsten Scholz, Bassist der Beatsteaks, im Interview Bild: Jana Koopmann

Das war euer Jahr - Hättet ihr das erwartet? Würdet ihr alles genauso wieder machen?

Torsten Scholz: Bam Bam Bam, drei Fragen auf einmal. Wie war unser Jahr? Das Jahr war eigentlich ganz gut, das Jahr war super. Wir haben im Januar angefangen, die Platte mit drei Typen aus Amerika abzumischen. Dann kam im Sommer die Platte und hat unglaublich gut performed, Platz 1 in den LP-Charts und selbst Helene Fischer von der Spitze geschubst. Danach folgten die Proben, die Tour ging los und ab da war sowieso alles Bombe. Wir sind nicht mit der Erwartung herangegangen, dass das Album auf Platz 1 muss. Sowas ist uns eigentlich immer scheißegal. Hauptsache, es gefällt uns. Dieses Mal haben wir alles genau richtig gemacht. Mit unserem Produzenten Moses Schneider im Schaltraum. Vielleicht hätten wir bei der großen Tour drei, vier Städte weniger spielen sollen, damit man sich nicht selber in die Quere kommt. Da waren wir unaufmerksam, aber das passiert uns nicht nochmal.

FOTOS: Highfield 2012 Die besten Fotos vom Festival
zurück Weiter Casper (Foto) Foto: FKP Scorpio/Malte Schmidt Kamera

Ihr hattet während der Tour Videopremiere zu «Everything Went Black». Warum in Tokio, warum über die Videowalls?

Scholz: Das hab ich mich auch schon gefragt. Es ging hauptsächlich um die sozialen Medien. Mein Manager Torsten Dohm hat mir erklärt, dass es eine gute Sache ist, damit noch mehr Aufmerksamkeit auf uns gezogen werden kann. Und Tokio passt ja ganz gut zum Look des Videos. Und im Endeffekt finde ich, dass es eine gute Idee war. Man kann es schlecht messen, aber es haben viele Leute geklickt, also wird es wohl funktioniert haben.

Euer Sänger Arnim hatte in einem früheren Interview gesagt, er hat nicht mal einen Computer. Nun ist das ein paar Jahre her und in den sozialen Medien seid ihr sehr aktiv. Hat er sich inzwischen mit der Technik angefreundet?

Scholz: Da hat er geschwindelt, er hatte schon immer einen Computer zu Hause. Er hat sich nur, wie wir alle, lange nicht für die sozialen Medien interessiert. Erst seit der letzten Platte «Boombox» sind wir da mehr drin. Unser Drummer Thomas hat dazu richtig Bock. Wir sind aber weit weg von Bands wie Kraftklub. Eine lange Zeit war uns das zu blöd, es wirkte immer wie ein Verkaufsflyer im Einkaufszentrum. Ich selber brauche das nicht. Ich bin froh, wenn ich bei Facebook über eine Band stolpere und die gut finde. Aber oft kaufe ich mir lieber eine Zeitschrift und gucke, was es Neues gibt. Ich weiß aber, dass für Kids das Netzwerken ganz wichtig ist, drum müssen wir einfach mal die Scheuklappen ablegen. Man sollte es aber sensibel machen und die Leute nicht erschlagen.

VIDEO: Videopremiere in Tokio: Everything Went Black
Video: Warner Music

Was folgt nun? Offensichtlich keine Pause, denn für Rock am Ring / Rock im Park seid ihr ja schon bestätigt. Plant ihr große Sachen zum 20-jährigen Bühnenjubiläum?

Scholz: Wir spielen Rock am Ring und Rock im Park. Morgen Abend darf ich dann noch mehr sagen, sonst wird mir jetzt die Zunge rausgeschnitten. Es ist auf jeden Fall was geplant. Einfach auf unseren Facebook-Channel schauen. Es wird kein Nacktkonzert für Frauen, wir verkleiden uns auch nicht als Küken und spielen in einer Legebatterie. Eigentlich kann man sich denken, was passieren wird. Am Ende ist 2015 das Jahr, wo die Band 20 Jahre existiert und da spielen wir das ganze Jahr unter dem Motto.

Ihr seid jetzt seit fast 20 Jahren eine Familie. Was passiert, wenn es bei euch richtig kracht? Kommt bei euch der Tour-Koller?

Scholz: Tour-Koller gibt es bei uns nicht, dafür haben wir zu viel Arbeit mit den Konzerten und Soundchecks. Wenn wir uns auf die Nerven gehen, ist es wie in jeder Beziehung. Es wird sich angezickt und angeschnauzt. Und dann wird sich auch wieder vertragen.

Torsten, Du hast in einem Interview gesagt, dass ihr auf der Tour eine Gymnastikgruppe machen wollt mit Yoga-Matten und abends Bier trinken. Habt ihr durchgezogen? Wie sah es aus?

Scholz: Ich mach das genau so. Ich habe von meinem Physiotherapeuten Rückenübungen bekommen, damit der Bandscheibenvorfall nicht wiederkommt. Wir haben rosa, blaue und schwarze Matten, manchmal machen wir die Übungen zusammen, meist nur ich alleine und abends kommt das Bier. Wenn es ein harter Abend war, gab es dann am Morgen weniger Gymnastik. Ab und an war ich dann lieber rennen. Wir sind ja alle über 40 und müssen uns echt fit halten, sonst fällt es auf.

Wo spielt ihr lieber? Vor Zehntausenden auf großen Festivals oder vor 500 Hardlinern in kleinen Clubs?

Scholz: Ich weiß es eigentlich nicht so richtig. Wir waren ja auf der kleinen Clubtour und ich liebe das Conne Island in Leipzig. Es waren fantastische Leute da, aber auch in der Arena in Leipzig mit der großen Bühne. Die kleinen Clubs machen mehr Spaß. In den Hallen sind die Bühnen größer und auch die Arbeit wird mehr. Aber wenn es, wie in der Arena in Leipzig, funktioniert, sieht es einfach toll aus, wenn 6000 Menschen klatschen. Das hat auch eine Dynamik. Ich kann mich nicht wirklich entscheiden.

Gibt es einen Ort, wo ihr unbedingt mal spielen wollt?

Scholz: Nö, nö, nö. Einfach wieder an den Orten spielen, die so schön waren. Kantine Augsburg, SO 36 in Berlin, Conne Island in Leipzig. Immer und immer wieder.

Welchen Song performt ihr am liebsten?

Scholz: Icke, «I don't care as long as you sing». Arnim mag die neuen ganz gerne. Momentan «Everything Went Black» und «DNA».

Auf der Tour ist die erste Halbzeit vorbei. Seid ihr schon müde? Was kommt danach?

Scholz: (gähnt...) Irgendwie ist es ja blöd, dass wir immer soviel frei haben zwischendurch. Wir haben genug Zeit zwischen den Konzerten. Manchmal nervt das. Die großen Hallen sind schwerer zu buchen. Und da ist man immer so ein bisschen raus. Und wenn es in Berlin schöne Konzerte werden, dann ist alles gut. Da macht man sich keinen Kopf, ob man müde ist. Und danach Weihnachten feiern und zwei Wochen die Familie genießen. Und am 2. Januar treffen wir uns wieder. Und dann müssen wir sehen, wie es weitergeht.

Was erwartet euch heute in eurem Wohnzimmer? Und was erwartet ihr heute vom Publikum?

Scholz: Wir haben ja schon zwei Mal hier gespielt und es waren wirklich tolle Konzerte. Es ist eine echt große Halle, die bis unter das Dach voll ist mit Leuten. Eine echt tolle Halle. Ich habe hier auch schon Konzerte von Marteria und den Toten Hosen gesehen, die mir gut gefallen haben. Wollen wir hoffen, dass die Leute auch Bock haben und die Stimmung gut ist. Wir haben die Setlist im Gegensatz zu Leipzig umgestellt. Hoffentlich gibt es gute Laune.

Eure Freunde und Familie sind auch dabei?

Scholz: Nee, meine Familie war in Leipzig dabei. Tanten, Schwestern, Cousins und mein Kind. Heute kommt nur meine Schwester. Und natürlich sind die Freunde dabei. Ja, was soll's: Abriss! Rasieren!

Danke für deine Zeit und Geduld!

Scholz: War super!

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