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Recondite: Mit den Beinen durch den Winter träumen

Auf seinem dritten Album erteilt der Niederbayer Recondite seinem nachdenklichen Wald- und Berge-Techno mit Bässen die Absolution für die Tanzfläche.

Das neue Album "Iffy"

Bild: Innervisions/Rough Trade/spot on news

Wenn diese Welt nicht so ewig-gestrig wäre, dann hätten nicht Pink Floyd mit ihrem bestenfalls aus Nostalgiegründen interessanten neuen Album eine hochgeheime Pre-Listening-Session bekommen, sondern Techno-Künstler Recondite. Diese hätte sogar, lasst uns träumen, im sagenumwobenen Berghain stattfinden können, dort wo sein Label Innervisions alle paar Monate für Sauerstoffmangel sorgt. Manche Bässe müssen artgerecht gehalten werden und die "Iffy"-Klangdusche in ihrer gewohnten Umgebung über die legendären Funktion-One-Boxen würde die Erhabenheit dieser Musik noch einmal unterstreichen.

Doch Überraschung, "Iffy" funktioniert auch über Kopfhörer. "Recondite" bedeutet soviel wie unergründlich, "Iffy" in etwa launisch. Man hört diesem neuen Album an, dass Recondite, früher mal Lorenz Brunner, seine tiefsinnigen Techno-Sets mittlerweile auf der ganzen Welt spielt, gerne auch mal nach Größen wie Sven Väth oder vor Richie Hawtin. Ähnlich wie zuletzt bei Caribou hat sich seine Musik noch ein bisschen geöffnet, ist so zugänglich geworden, das selbst die, die Techno bisher nur als krankes Geräusch empfunden haben, verstehen müssen, was den Reiz dieser monotonen, minimalistischen Melancholie in Bässen ausmacht.

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Zusammmen mit Trentemoller, der sich immer mehr vom Technotrack hin zum Indiesong entwickelt, oder Pantha du Prince, der sich gerade in einer Welt voller Glocken versponnen hat, könnte "Iffy" die nächste Stufe auf der Stahltreppe zum Technotempel sein, dort wo sich der Bass körperlich erfahren lässt und Bauch- und Schädeldecke vibrieren. Dort ist, so sollte man meinen, nur noch bedingt Platz für die wabernden Ambient-Sounds, die Brunners letztes Album "Hinterland" 2013 noch ausgezeichnet haben.

Doch was, wenn sich diese beiden Welten verbinden lassen? Brunner versteht es, seinen ätherischen, von Niederbayern inspirierten Wald- und Berge-Techno clubtauglich zu machen, den Ambientflächen einen Bass hinzuzufügen, der ihn für die Tanzfläche berechtigt. Auf Berliner Jutebeuteln liest man oft: "Tanzen ist träumen mit den Beinen". Spätestens mit diesem Album macht das Sinn. Surreal und trotzdem zugänglich, düster, aber hoffnungsvoll, introvertiert, aber nicht verkopft. Wenn Caribou das Konsens-Elektro-Album für den Spätsommer gemacht hat, ist "Iffy" das Konsens-Techno-Album für den Winter. Ob auf der Tanzfläche oder Zuhause: Der Hörer darf sich fallen lassen, irgendwo gibt es immer ein Synthie-Element, eine Art Bass-Melodie, die ihn auffängt, wenn auch erst in den absoluten Tiefen.

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