Musik: Phönix aus der Asche: Jethro Tulls «Passion Play»

Berlin - Die Loyalität der Jethro-Tull-Fans zu ihren englischen Progrock-Helden der ersten Stunde kennt normalerweise keine Grenzen.

Phönix aus der Asche: Jethro Tulls «Passion Play» Bild: dpa
Nur wenn es um das Album «A Passion Play» (1973) geht - das siebte Werk der Band und zugleich das sechste Studioalbum -, wird sie auf eine harte Probe gestellt.

Diese Scheibe ist so rätselhaft und komplex wie ihre vertrakte Entstehungsgeschichte nach einem Fiasko im Studio Château d'Hérouville in Südfrankreich. Fast alle Kritiker von damals fielen über das Werk her und als Reaktion auf die schlechten Rezensionen erklärte der beleidigte Frontmann Ian Anderson, dass Jethro Tull sich für unbestimmte Dauer aus dem Musik-Business zurückziehen würden.

Was war los? Nun, trotz der Schelte erreichte «A Passion Play» Platz eins der amerikanischen Charts. Anderson und die Band machten einige Monate später weiter und nun ist es wohl an der Zeit, dieses Werk noch einmal unter die Lupe zu nehmen. «A Passion Play» liegt nämlich wieder in den heimischen Plattenregalen und zwar in opulenter Neubearbeitung. Die sogenannte Extended Performance-Edition ist ein schönes 2CD/2DVD-Paket, gebunden wie ein Buch. Sie enthält das Original-Album und das Material der Aufnahmen aus Frankreich, die von dem renommierten Toningenieur und Prog-Rock-Liebhaber Steven Wilson neu gemischt wurden.

Dank der hervorragenden Klangqualität erhebt sich das schwierige Doppelalbum tatsächlich wie ein Phönix aus der Asche. Das dicke Begleitheft liefert tolle Fotos und reichlich Hintergrundinformation über die chaotischen Sessions in Château d'Hérouville, wo einst Elton John sein Album «Honky Château» aufnahm und Pink Floyd die Filmmusik für «Obscured By Clouds» einspielten. Das Etablissement bekam Jethro Tull in keiner Hinsicht gut: Die Technik streikte und zu allem Überdruss litten die Bandmitglieder unter einer üblen Nahrungsmittelvergiftung, die wohl eine Folge des Caterings war.

Das Tull-Material von rund einer Stunde Länge aus Frankreich wurde schließlich verworfen und die Band kreierte «A Passion Play» komplett neu. Das Album wurde zu einem 45-minütigem Prog-Rock-Monument mit komplizierten Rhythmen und ebenso komplizierten Texten. Damals lieferten Mitstreiter Yes und King Crimson ähnlich schwer verdauliche Kost, die längst Kultstatus genießt. Auf dem Tull-Album geht es übrigens um die alte Geschichte von Gut gegen Böse, Gott gegen den Teufel.

Heller und freundlicher dagegen sind die Songs aus den sogenannten «Château-Disaster Tapes» - allen voran «Skating Away On The Thin Ice Of The New Day». Das recht eingängige Lied tauchte später auf dem Nachfolger-Album «Warchild» auf.

Website Jethro Tull

news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser